Verschüttete Bergarbeiter und Antonio Banderas in «69 Tage Hoffnung»

«Das Wunder von Chile» als Spielfilm mit Starbesetzung: Entstanden ist ein konventionell inszeniertes Grubendrama, das durchaus berührt, aber unbequeme Fragen nach Schuld und Verantwortung für das Unglück leider ausklammert. Kinostart ist der 11. Februar.

Lou Diamond Phillips (l) als Don Lucho und Antonio Banderas (v.M) als Mario Sepúlveda in dem auf einer wahren Geschichte beruhenden Drama «69 Tage Hoffnung». Der Film kommt am 11.02.2016 in die deutschen Kinos. Foto: Douglas Kirkland/Alcon Entertainment/dpa
Lou Diamond Phillips (l) als Don Lucho und Antonio Banderas (v.M) als Mario Sepúlveda in dem auf einer wahren Geschichte beruhenden Drama «69 Tage Hoffnung». Der Film kommt am 11. Februar in die deutschen Kinos. Foto: Douglas Kirkland/Alcon Entertainment/dpa

Berlin (dpa) – Selbst ein sehr fantasiebegabter Drehbuchautor hätte sich diese Geschichte nicht ausdenken können: 33 chilenische Bergleute werden im Sommer 2010 in einer Mine verschüttet, bleiben 69 Tage lang in fast 700 Metern Tiefe eingeschlossen, und werden dann einzeln mit einer Rettungskapsel wieder ans Tageslicht gebracht – körperlich in passablem Zustand. Über den Seelenzustand der Kumpel konnte man nur spekulieren.
Der hochkarätig besetzte, aber konventionell inszenierte Spielfilm «69 Tage Hoffnung» der mexikanischen Regisseurin Patricia Riggen erzählt diese bewegende Rettungsaktion durchaus berührend nach und setzt dabei vor allem auf die Strahlkraft seiner renommierten Darsteller. Fragen nach der Schuld und politischen Verantwortung für das Unglück klammert dieses Heldenepos, zu dem der 2015 verstorbene «Titanic»-Komponist James Horner die pathetische Filmmusik geschrieben hat, weitgehend aus.
Allen voran ist es natürlich Antonio Banderas, der in der Rolle des charismatischen Leitwolfs Mario Sepúlveda das Grubendrama dominiert. Dieser Bergmann ohne Furcht und Tadel hält die Gruppe der Eingeschlossenen zusammen und verteilt gerecht die spärlichen Essensrationen, bestehend aus etwas Milch und Dosen-Thunfisch. Dieser «Super-Mario», wie ihn die Presse getauft hat, hat stets den nötigen Lebensmut und Optimismus parat, der den anderen Kumpel im Laufe der quälend langen Tage unter Tage langsam abhandenkommt. Zwangsläufig wirken die anderen Eingeschlossenen neben diesem strahlenden Protagonisten fast wie Statisten.
Über Tage kämpft derweil ein Team von Experten mitten in der Atacama-Wüste mit Spezialbohrern darum, die Eingeschlossenen zu befreien. An dieser Front darf dann der Ire Gabriel Byrne als Rettungsleiter Andre Sougarret glänzen, unterstützt von dem sehr verständnisvollen Ministeriumsbeamten Laurence Golborne, gespielt vom Frauenschwarm Rodrigo Santoro. Ihnen zur Seite steht dann noch Haudegen James Brolin als US-amerikanischer Katastrophenhelfer.
Angetrieben werden die Männer von den Familienmitgliedern der Kumpel, die sich im «Camp der Hoffnung» direkt an der Grube zusammengefunden haben. Als unerschrockene Wortführerin Maria Segovia geht Oscarpreisträgerin Juliette Binoche auf die Barrikaden. Ein bisschen Humor blitzt auf, wenn sich Ehefrau und Geliebte eines Kumpel in die Haare kriegen.
Aber leider fehlen die kritischen Zwischentöne. Riggens heroisches Drama, in dem das Unglück in der uralten Kupfer-und Goldmine «San José» wie ein Naturereignis daherkommt, interessiert sich nicht für die Schlamperei der Bergwerksbetreiber, die Profit weit über Grubensicherheit gestellt hatten. Auch die Instrumentalisierung des Unglücks durch die Politiker wird nicht hinterfragt, der Präsident darf sich im Glanze des fürsorglichen Landesvaters sonnen.
Während des Abspanns sehen wir zum ersten Mal die echten Bergleute am Strand. Sie feiern und umarmen sich, aber in ihre Gesichter hat sich das Trauma der 69 Tage eingeschrieben. Grund zum Jubeln haben sie nicht: Erst zum vierten Jahrestag der Rettung hat die Regierung Chiles jedem der 33 eine monatliche Rente von gut 400 Euro zugesprochen, die Hälfte ihres Einkommens als Arbeiter in der Mine.

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