Standleitung zu Gott

Buchtipp «Ein bisschen Glauben gibt es nicht»

Daniel Böcking
Auf der Suche nach Gott: Bild-Journalist Daniel Böcking hat ein Buch geschrieben, wie er zum christlichen Glauben fand.

 

Kann man als Christ einen «lauwarmen» Glauben nur so nebenher haben? Der Journalist Daniel Böcking berichtet, wie er sich auf Gott voll und ganz einließ – eine grundlegende und schöne Veränderung seines Lebens.

 

Von Arne Dettmann

In Oliver Stones Spielfilm über die legendäre US-amerikanische Rockband «The Doors» gibt es eine Szene, in der Andy Warhol dem Sänger Jim Morrison auf einer Party ein goldfarbenes Telefon mit den Worten überreicht, man könne damit Gott direkt anrufen. Der Künstler fügt hinzu, dass er selbst leider Gott nichts zu sagen habe, doch nun könne er, Jim Morrison, mit Gott sprechen. Allerdings reicht auch der Sänger später das Telefon an jemanden weiter. Funkstille zwischen Himmel und Erde.

Die Szene mag exzentrisch bis komisch wirken, kann aber auch zu der ernsten Frage führen, wer denn wirklich heute noch Gott «anrufen» und mit ihm in Dialog treten will. Viele Millionen Deutsche bezeichnen sich als Christen, schreibt Daniel Böcking zu Beginn seines Buches. Sie sind gläubig – aber meistens nur nebenher, nicht richtig, nur ein bisschen, so dass der Glaube den eigenen Lebensentwurf nicht stört. Auch er, der «Bild»-Zeitungsredakteur, gehörte zu dieser Masse. Doch heute bete er täglich zu Gott und habe sich voll und ganz auf den christlichen Glauben eingelassen. Wie kam es dazu?

Er könne nicht behaupten, dass Gott irgendwann den Schlaghammer herausgeholt hätte, um ihn zu bekehren. Auch schlimme Schicksalsschläge oder Niederlagen hätten nicht den Ausschlag gegeben. Im Gegenteil: Der 1977 geborene Autor beschreibt seinen Lebensweg als eine schnörkellose Bahn. Einser-Abitur, Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung, Wechsel zur Axel-Springer-Journalistenschule, dann die Karrierefahrt nach oben bis hin zum stellvertretenden Chefredakteur bei Bild.de. Eigentumswohnung in Berlin, eine tolle Frau, tolle Kinder, viele Freunde, viele Partys, eben ein sorgenfreies Leben.

Daniel Böcking: «Ein bisschen Glauben gibt es nicht. Wie Gott mein Leben umkrempelt.», 2016, Gütersloher Verlagshaus www.gtvh.de, ISBN 978-3-579-08640-8

 

Doch dann kam erstmals ein Impuls hin in Richtung Glauben. Der Reporter reiste im Jahr 2010 nach Haiti, um über die Hilfsarbeiten nach dem schweren Erdbeben mit mehr als 300.000 Toten zu berichten. In Mitten des Leids und der Verzweiflung beeindruckte ihn der uneigennützige Einsatz vieler Ärzte. Und: Die deutschen Helfer trafen sich regelmäßig vor dem Frühstück zu gemeinsamen Gebeten, an denen Daniel Böcking irgendwann teilnahm. «Es waren andere Gebete als die, mit denen ich groß geworden war. Keine auswendig gelernten Reimchen, kein gedankenlos heruntergeblubbertes Vaterunser. Jeder sprach zu Gott über das, was ihn beschäftigte. Jeder bat um das, was ihm wichtig war.» Er war fasziniert davon, wie Menschen aus ihrem Glauben Kraft schöpften.

Ein zweites einschneidendes Erlebnis bildete das Musikfestival Loveparade im gleichen Jahr in Duisburg, bei der in einer Massenpanik 21 Menschen zu Tode getrampelt wurden. Sowohl hier als auch bei der Rettung der 33 Minenarbeiter in der chilenischen Atacama-Wüste war Daniel Böcking vor Ort, berichtete für die Zeitung, nahm Anteil an den Katastrophen – und betete. Es war das «Ende der Belanglosigkeit» und der «Ich-bezogenen Oberflächlichkeit», wie der Autor schreibt, und der Anfang des Vertrauens auf Gott.

Nun folgte eine schrittweise, zögerliche Annäherung an den christlichen Glauben bis zur kompletten euphorischen Bekehrung, die sein ganzes Leben von dort an verändern sollte. Daniel Böcking beginnt die Bibel zu lesen, er besucht Gottesdienste, er fragt andere Christen und prüft sich selbst bei einem Saufgelage-Urlaub auf Mallorca, ob er das alte Leben abstreifen und sein neues ganz nach Jesus ausrichten möchte.

«Wieder und wieder ging mir durch den Kopf, dass eine endgültige Umkehr zu Gott ein ziemlicher krasser Schritt sein würde. Dass nicht nur ein Jubeltanz der neuen Freiheit auf mich wartete. Sondern dass es zuerst einmal Verzicht bedeuten würde. Überfluss, Völlerei, Maßlosigkeit – nur ein Teil der Menge meines Lebens, die ich zu überdenken hätte.»

Dem Glauben folgen dann auch Taten. Im April 2015 bekennt sich Daniel Böcking in einem Artikel bei Bild online offen zum Christ-Sein und richtet sich gegen den religiösen Fanatismus des Islamischen Staates (IS). Das Gebot der Nächstenliebe steht für ihn nun nicht länger nur auf dem Papier: Er beteiligt sich bei der Hilfe für syrische Flüchtlinge in Deutschland.

«Ein bisschen Glauben gibt es nicht» liest sich beeindruckend und mitreißend, weil der Autor zwar – wie er selbst schreibt – in «halleluja-hafte Begeisterung» gerät angesichts des blinden Vertrauens in Gott. Doch dabei läuft er nicht in Gefahr, selbstgerecht zu werden und traumtänzerisch-naiv vom Boden der Realität abzuheben. Immer wieder kommen Fragen und Skepsis auf seinem Weg auf. Er weicht Konfrontationen mit der Bibel nicht aus und muss erkennen, dass es innerhalb des Christentums durchaus unterschiedliche Meinungen zu Glaubensinhalten gibt. Stets bleibt Daniel Böcking offen, kritisch und ehrlich zu sich selbst und seinen Mitmenschen. Das schafft Glaubwürdigkeit.

Erfrischend ist zudem die flotte Sprache und prägnante Wortwahl des Bild-Journalisten, die fernab jeglicher religiösen Schwärmerei liegen: «Ich konnte es kaum erwarten, Gott davon im Gebet zu erzählen. Okay, er mag allwissend sein und meine Neuigkeit wird ihn nicht vom Stuhl gehauen haben.»

Am Ende stellt Daniel Böcking fest, dass Erstaunliches mit ihm in den vergangenen Jahren passiert sei. «Für mich gibt es keinen Zweifel mehr an der Gottes-Existenz. Was mit einem Fragen und Zaudern und Zweifeln begann, ist zu einer Gewissheit geworden, die Ruhe und Kraft schenkt.»

Doch wie kommt man nun zum Glauben? Warum falle es vielen Menschen so schwer, Gott und Jesus zuzulassen? Einen Ratschlag wolle er nicht erteilen, doch zumindest seine eigene Erfahrung als Ermutigung weitergeben: Den Glauben auszuprobieren, sich ihm zu öffnen, dass Unglaubliche zuzulassen – das habe ihn in die Arme Gottes geführt. «Gott hatte seine Einladung längst ausgesprochen. Aber es war meine Aufgabe, zuzusagen oder abzulehnen. Er hatte ein Geschenk für mich. Doch es lag an mir, dieses Geschenk auszupacken. Ich erfuhr: Gott ist Liebe. Aber Gott will auch Liebe. Und zwar nicht nur ein bisschen.»

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