Die Oper „Romeo und Julia“ con Charles Gounod

Gounod basierte seine Oper auf der Tragödie von William Shakespeare  (1564-1616) deren Premiere  in Stratford-upon- Avon  im Jahre 1595 stattfand.   Charles Gounod  schuf seinWerk nachdem er begeistert die „Dramatische Symphonie“ von Héctor Berlioz 1839 erlebte. Das Libretto stammt von Jules Barber und  Michel Carré, nach der Übesetzung aus dem Englischen vom Sohn von Victor Hugo. Ihre Erstaufführung  fand  1867 in Paris statt, und der Erfolg war derart, dass mehr als hundert Vorstelleungen hintereinander gebracht wurden.

In Santiago besuchten  wir  im Stadttheater eine internationale und eine nationale Version. Wir konzentrieren uns hier auf die nationale  in der hauptsächlich  nationale Kräfte auftraten.  Nach dem grossem Erfolg der internationalen Vorstellung, warteten wir gespannt auf diejenige mit „unseren“ Sängern. Und es was wahrlich keine Enttäuschung.

In erster Linie müssen wir die ausgezeichnete Leistung des Philharmonischen Orcheters unter der Leitung vom französisch -kanadischen  Musikdirektor Yves Abel hervorheben,  Mit viel Verve führte er die Instrumentalisten  zu einer einheitlichen, vitalen und  dramatischen  Spannung. Das Orchesterr zeigte  perfekte Disziplin des Zusammenklangs, in einer Partitur reich an  wohlklingenden Melodien.

Der Chor des Teatro Municipal, unter Leitung von  Jorge Klastrornick, bewies wiedereinmal seine gesangliche Ausgewogenheit, eine perfekte Zusammenarbeit mit dem Ochester und schauspielerische Fähigkeiten.

Die Inszenierung war vom ersten Bild an  beeindruckend. Mit wenigen und einfachen Dekorationen  gelingt es  dem Franzosen Frédéric Pinaud, das  angemessene Ambiente des 16. Jahrhunderts zu schaffen. Jeweils verstellbare Wände errichten die verschiedenen Szenen und  eine auf  einer erhobenen  schrägen  Plattform  dient  sowohl als Sarkophag,  Bett und   Mittelpunkt der Handlungen  Eine neuartige Idee ist, Julia inmitten von Schlingplanzen von ihrem Balkon  heruntersteigen zu lassen.

Die Beleuchtung von Michel Theuil  (Franzose) muss besonders  hervorgehoben werden, da sie mit abwechselnden  pastellfarbigem Licht sehr treffend  oft eine romantische  Atmosphäre kreiert.

Die Regie vom  Franzosen  Jean Louis Pichon ermöglichte eine angemessene Ausnutzung  des Raumes, und eine  auffallende Natürlichkeit der Bewegungen sowohl der einzelnen Figuren als auch der Massen .

Ausgezeichnet und attraktiv waren die Balletszenen, vor allem die Choreographie des Ballets im Hause Julias, unter der Leitung der Chilenin Edymar  Acevedo.

Nicht ganz überzeugend waren dier Kostüme vom Franzosen  Jerôme Bourdin. Die verblassten  rot-rosa der Capuletos und die abgenutzt wirkenden silbergrauen der Montescos  trugen leider wenig zur Ästhetik bei.

Eine  sehr erfreuliche Überraschung bot  die chilenische Sopranistin  Paulina González als Julia.Wir empfanden sie als absolut für die Rolle wie geschaffen,  mit ihrem attraktiven Timbre,  bestechenden Koloraturen, sowie grosser Musikalität. Ihre Leistung steigerte sich auffallend  nachdem sie die erste Nervosität überwunden hate. Sie ist  schauspielerisch talentiert, hat  eine reizende Ausstrahlung und  ist im Ganzen sehr attraktiv. Ihre„diminuendi „ und „crescendi“ in ihrem Gesang sind bemerkenswert. Wirklich, eine neuer Stern am Himmelszelt der Oper.

Der nordamerikanische Tenor Zach Borichevsky(einziger Ausländer in dieser Version)  in der Rolle des Romeo  überzeugte mit seinem ansprechenden baritonalen Timbre und  seiner Figur. Seine  anfängliche Unsicherheit wurde im Laufe des Abends von ihm überwunden. Seine französische Diktion ist bestens, und seine mitunter  relative  Steifheit (vielleicht durch seine Grösse bedingt)  löste sich im Laufe des Abends, sodass der letzte Akt zu seiner Höchstleistung wurde. Ihm wäre alledings zu wünschen, er möge mittels Technik mehr Sicherheit in der Höhe erlangen.

Fray Lorenzo,  Beschützer der Liebenden, wurde vom chilenischen Bariton  Ricardo Seguel erstklassig dargestellt. Sein Timbre ist  wohlklingend und  wir haben  bereits oft sein Schauspiel gelobt. Eigenartig beeindruckte uns sein Kostüm, da  es  mehr als Papstgewand wirkte, als das  eines einfachen Mönchs.

Marcela González, chilenische Sopranistin, als der Page Stéphano, besitzt eine ausgezeichnete Mittellage,  für ihre Arie sehr geeignet. Ausserdem begünstigt ihre Figur diese Jünglingrolle sehr positiv.

Wie so oft in Konzerten und Opern  begeisterte uns wieder der chilenische Bariton  Patricio Sabaté. Er spielte die Rolle des Montescofreundes  Mercutio. Erstaunlich ist seine Fähigkeit, sich dermassen geschickt jeder der ihm anvertrauten Rollen anzupassen, schauspielerisch  und mit einer perfekten Diktion und Musikalität.

Evelyn Ramírez verkörperte Getrudis, Begeleiterin von Julia, bestätigte  ihr auspesprochenes berufliches Können.  Carlos Guzmán, chilenischer Bariton als Capuleto, Vater von Julia,  überzeugte leider nicht stimmlich. Es ist anzunehmen,  dass er  in  einer anderen Rolle besser hervortreten könnte. Auch sein Kostüm begünstigte ihn nicht. Der chilensiche Tenor Leonardo Navarro in der Rolle des Tebaldo, beeindruckte sehr positiv durch seine stimmliche und schauspielerische Leistung. Er verspricht eine glänzende Karriere.

Der Graf von Verona, von Arturo  Jiménez dargestellt, überzeugte stimmlich- allerdings erstaunte uns seine unpassende Aufmachung, (mit Feder am Hut)  Der chilenische Tenor Diego Godoy  verkörperte den Benvolio, mit ansprechendem  Timbre und einwandfreier Schauspielkunst.

Nach dieser erfolgreichen Vorsellung hätten wir gewünscht, dass der Chor, das Ballet und  noch weitere Mitglieder des Ensembles am Finale zum Applaus erschienen wären. Aus unerklärlichen Gründen fand dieses nicht statt. Auch sie hätten den begeisterten Beifall des Publikums verdient.

 

Sylvia Wilckens

(Círculo de Críticos de Arte de Chile)

 

 

 

 

 

 

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