Mahlers 8. Sinfonie im Leipziger Gewandhaus

Das Leipziger Gewandhaus, ein geräumiger Konzertsaal aus DDR-Zeiten, ist kein besonders schöner Raum, der dafür jedoch über eine besonders gute Akustik verfügt. Auffallend ist der riesenhafte Orgelprospekt, der einen guten Teil des Raumes einnimmt.

In Gustav Mahlers achter Sinfonie spielt die Orgel in der Tat eine nicht zu unterschätzende Rolle. Dazu kommen acht Gesangssolisten, fünf Chöre und das Orchester. Im Rahmen des Internationalen Mahler-Festivals kam hier im Mai 2011 unter der Leitung von Riccardo Chailly das hochkomplexe Werk zur Aufführung. Chailly dirigiert die Menschenmassen mit straffem Zügel, feuert sie zu Leistungen von Weltniveau an und führt das zweisätzige Opus einwandfrei über sämtliche Klippen.

Ein Werk, bei dem 500 Künstler beteiligt sind, optisch und tontechnisch festzuhalten, ist ein Kunststück für sich. Der Regisseur Michael Beyer folgt mit seinen Bildern dem Geschehen präzise, und die Tontechnik staffelt den Klang vom pianissimo bis zu den riesigen Ausbrüchen sauber und wohlproportioniert.

Die Bildschärfe ist derart hervorragend, dass der Zuschauer Dinge sieht, die ihm normalerweise entgehen. Unfreiwillig komisch ist zum Beispiel der Fagottist in der Reihe vor den Blechbläsern, der sich Gummistöpsel in die Ohren gesteckt hat. Beyer lässt wiederholt eine Kamera in Großaufnahme auf Chailly verharren, wobei freilich die klatschnassen Strähnen, die auf der verschwitzten Stirn kleben, kein sonderlich gutes Bild abgeben.

Nach dem gewaltigen Schlussakkord tritt zunächst sekundenlange Stille ein, die einem frenetischen Applaus weicht. Kurz darauf reichen Saaldiener den Solisten prächtige Blumensträuße, auch den Herren und dem Dirigenten.

Extras sind keine vorhanden. Das in Santiago erworbene Exemplar hat keine spanischen Untertitel! Das Beiheft bringt eine Werkeinführung sowie einen Lebenslauf des Dirigenten und Informationen zum Gewandhaus.

 

Von Walter Krumbach

 

Gustav Mahler: 8. Sinfonie, «Sinfonie der Tausend», Deutschland, 2011. Regie: Michael Beyer. Produktion: Paul Smaczny. Solisten: Erika Sunnegårdh, Ricarda Merbeth, Christiane Oelze, Lioba Braun, Gerhild Romberger, Stephen Gould, Dietrich Henschel, Georg Zeppenfeld. Musikalische Leitung: Riccardo Chailly. Spieldauer: 92 Minuten.

 

Bild                  *****

Ton                  *****

Darbietung       ****

Extras              *

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