Kunstgegenstände des alten Ägyptens im Centro Cultural La Moneda

Teil der Papyrusrolle des Ägyptischen Totenbuchs (300 v. Chr.)
Teil der Papyrusrolle des Ägyptischen Totenbuchs (300 v. Chr.)

Von Walter Krumbach

Am kommenden Mittwoch, den 20. April, weiht das Centro Cultural La Moneda eine Ausstellung von altägyptischen Kunstgegenständen ein. Die wertvolle Sammlung gehört dem Neuen Museum Berlins, welches seit dem Jahr 2009 die Bestände des Ägyptischen Museums verwaltet. Es handelt sich um Exponate unschätzbaren Wertes, weshalb zu erwarten ist, dass die Ausstellung einen Höhepunkt im chilenischen Kulturleben dieses Jahres darstellen wird.

Das Neue Museum nennt über 45.000 Gegenstände aus dem alten Ägypten sein eigen, von denen etwa 400 in Santiago gezeigt werden sollen. Es handelt sich um Keramiken, Schmuck, Papyrusrollen, Friesen und Sarkophagen aus verschiedenen Zeitaltern bis 3.000 vor Christi Geburt. Unter dem Motto «Altägypten – Leben am Nil» werden die wertvollen Exponate in verschiedenen Sälen in Szene gesetzt. Die chilenischen Organisatoren setzten damit ihr Vorhaben durch, die Gegenstände nicht nur zu zeigen, sondern zusätzlich in eine ägyptisch gefärbte Atmosphäre einzubauen.   

Seit Anfang des Monats wurden die Kunstgegenstände in verschiedenen Flugzeugen von Berlin nach Santiago transportiert, damit am 20. April die Einweihung pünktlich realisiert werden kann.

Unter den Exponaten werden verschiedene Götterdarstellungen, an denen das alte Ägypten so reich ist, gezeigt werden. So etwa die Gottheit Hapi, eine androgyne Personifizierung der Nilflut, die seit dem Mittleren Reich (etwa 2.137 bis 1.781 v. Chr.) belegt ist. Sie wird stehend und meist mit Papyruspflanzen in den Händen haltend dargestellt.

Ebenso werden verschiedene Uschebtis ausgestellt werden. Es sind Statuetten, meist in Gestalt einer Mumie, die einen Verstorbenen darstellen. Die ältesten waren aus Nilschlamm oder Wachs. Später verwendeten die Handwerker Holz, Stein oder Fayence-Keramik, die sie meist blaugrün glasierten.

Einen großen Zulauf erwarten die Organisatoren zu einer vier Meter langen Papyrusrolle des Ägyptischen Totenbuchs. Es handelt sich um ein besonders gelungenes Kunstwerk, das um die 250 Verse und Illustrationen enthält. Sie beschreiben wie die Verstorbenen ihre Reise ins Jenseits zu beschreiten haben. Das Exemplar stammt aus der Ptolemäischen Periode, um 300 vor Christus.

Das Neue Museum Berlin wurde zwischen 1843 und 1855 erbaut.
Das Neue Museum Berlin wurde zwischen 1843 und 1855 erbaut.

Das Neue Museum ist heute Teil des Weltkulturerbes der Berliner Museumsinsel. Es wurde zwischen 1843 und 1855 nach Plänen des Karl-Friedrich-Schinkel-Schülers Friedrich August Stüler erbaut. Seit 2009 ist in den Räumlichkeiten des Neuen Museums das weltbekannte Ägyptische Museum untergebracht.

Sein berühmtestes Exponat ist zweifellos die Büste der Nofretete, die bedauerlicherweise nicht Teil der Wanderausstellung ist. Die als «schönstes Frauenantlitz aller Zeiten» apostrophierte Skulptur wurde 1912 von der Deutschen Orient-Gesellschaft in Tell el-Amarna entdeckt. Im Januar 1913 genehmigte die ägyptische Altertümerverwaltung die Ausfuhr nach Deutschland. Sie ging zunächst in die Privatsammlung des Kunstliebhabers und Mäzens James Simon, der sie 1920 dem Ägyptischen Museum übergab, in dem sich die einmalige Schönheit sehr bald in die Hauptattraktion verwandelte.

Die Gründung des Neuen Museums wurde 1828 veranlasst, als Alexander von Humboldt empfahl, der Kunstsammlung König Friedrich Wilhelms III. eine ägyptische Abteilung zuzuordnen.

Anfang des 19. Jahrhunderts hatte Napoleon Bonapartes Ägyptenexpedition das Interesse zahlreicher Gelehrtenkreise aus Europa geweckt. Dazu kam, dass 1799 ein französischer Offizier im Nildelta bei Rosette einen Hieroglyphenstein fand, der in den folgenden Jahrzehnten von sich reden machte. Dem Sprachwissenschaftler Jacques François Champollion glückte es im September 1822, den Stein zu entziffern. Er enthält ein Priesterdekret in drei Schriftarten beziehungsweise Sprachen: Hieroglyphen, Demotisch und Altgriechisch. Die Inschrift aus dem Jahr 196 vor Chr. rühmt König Ptolemaios als Wohltäter.

Das Interesse an Ägypten und seiner Kultur wuchs zusehends im gebildeten Europa. 1842 unternahm Karl Richard Lepsius, der führende Ägyptologe Deutschlands, eine «Königlich-preußische Expedition», um vor Ort Gipsabgüsse von bestimmten Skulpturen abzunehmen und nach Möglichkeit Kunstgegenstände nach Berlin zu schaffen. Lepsius hatte einen hervorragenden Mitarbeiterstab zur Verfügung, so etwa einen im Kopieren von Hieroglyphen ausgebildeten Zeichner, einen Architekten und zwei Maler.

Karl Richard Lepsius‘ Ägyptenexpedition brachte wertvolle Schätze nach Berlin.
Karl Richard Lepsius‘ Ägyptenexpedition brachte wertvolle Schätze nach Berlin.

Lepsius und seine Mannschaft erforschten die Pyramidenfelder, durchquerten über Memphis das Niltal nach Luxor und untersuchten anschließend die Königstädte nördlich von Khartum. Sodann erforschten sie die Gebiete am weißen und am blauen Nil bis in den Zentralsudan. Danach machten sie kehrt, um das Niltal zu durchmessen, besichtigten das Rote Meer und das Katharinenkloster auf dem Berg Sinai. Über Syrien und Konstantinopel brach die Expedition schließlich im Herbst 1845 zur Heimreise auf.

Von dem ägyptischen Regenten Muhammad Ali hatte Lepsius die Genehmigung erhalten, von den wertvollen Funden Stücke mitzunehmen, was der Forscher ausgiebig tat. Somit erhielt das Ägyptische Museum in Berlin schlagartig eine reichhaltige und wertvolle Sammlung.

Im Anblick der herbeigeschafften Schätze äußerte Friedrich August Stüler: «Schon während der Sammlung der von der ägyptischen Expedition zurückgebrachten Denkmäler war hauptsächlich der Gesichtspunkt im Auge behalten worden, ein historisches Museum zu bilden, welches im Gegensatze zu den bisherigen, zufällig und je nach der Gelegenheit angehäuften Sammlungen von Altertümern, alle wesentlichen Seiten und Kunstepochen des ägyptischen Altertums möglichst gleichmäßig durch charakteristische Proben vor Augen führen sollte.» Die eindeutige Zielsetzung bei der Errichtung des Museums war somit, ein zeitgemäßes Museumskonzept zu kreieren, welches sich bewusst von der romantischen Sicht der napoleonischen Ägyptenbegeisterung distanzierte.          

Bereits zurzeit der Eröffnung beschränkte sich das Neue Museum nicht auf die altägyptische Thematik. Es gab die Vaterländische und die Ethnographische Sammlung. Dazu kamen die Abteilungen für griechische und römische Antike, der byzantinischen Kunst, Romanik, Gotik, Renaissance, Klassizismus und verschiedenartige Gegenstände des Mittelalters und der Neuzeit.

Bei Kriegsbeginn 1939 wurden die wertvollsten Exponate ausgelagert und gesichert. Während der folgenden Bombardierungen Berlins wurden zahlreiche Gegenstände zerstört. Als gegen Kriegsende die in der Hauptstadt verbliebenen Wehrmachts- und SS-Einheiten gegen die Rote Armee die letzten Kämpfe austrugen, wurden zusätzliche Kunstobjekte vernichtet.

Nach 1945 war das Neue Museum über vier Jahrzehnte außer Betrieb. 1986 wurden vereinzelte Wiederaufbauarbeiten in Angriff genommen. Die originalgetreue Rekonstruktion des Gebäudes erfolgte jedoch erst 1989 mit der Grundsteinlegung. Die deutsche Wiedervereinigung brachte die Arbeiten in Schwung. Das große Werk wurde im Oktober 2009 fertiggestellt.

Die Ausstellung in Santiago stellt eine einmalige Gelegenheit dar, Zeugnisse der altägyptischen Kultur, die seit anderthalb Jahrhunderten in Deutschland sorgsam aufbewahrt werden, in Augenschein zu nehmen. Der Besuch der einzigartigen Veranstaltung wird bis August möglich sein.

Link zur Ausstellung: www.ccplm.cl/sitio/pronto-antiguo-egipto-vida-en-el-nilo/

Print Friendly, PDF & Email

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*