Kunst aus Afrika

Das Ethnologische Museum in Berlin zeigt hier einen winzigen Bruchteil, etwa 180 Objekte, seiner Bestände, die aber die zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten das Centro Cultura La Moneda völlig füllen.

Es ist – spöttisch, aber nicht ganz unrichtig – behauptet worden, dass «Afrikanische Kunst» in Europa anfangs vorherigen Jahrhunderts von Picasso «erfunden» wurde; zumindest gehört der Spanier zu den Ersten, die diese Masken, Schnitzereien oder Blech-Hochreliefs als Kunstwerke werteten. Bis dahin wurden sie durchwegs herabsetzend als «Volkskunst» oder Kunsthandwerk betrachtet.

Heute – und das steht sicherlich im Zusammenhang mit unseren modernen, nationalen politischen Einstellungen – sprechen wir von afrikanischer Kunst. So hat zum Beispiel das ethnologische Musée de l´Homme in Paris vor einigen Jahrzehnten seinen Namen gewechselt und gilt heute als Kunstmuseum. Ausdruckskraft ist für die visuelle Kunst bestimmend und nicht etwa Schönheit oder Harmonie.

Die ersten Werke in dieser Ausstellung sind gegen 400 Jahre alt. In den damaligen Königsreichen Afrikas gab es Hof-Künstler, die ihre Traditionen anonym und gleichartig von Vater auf Sohn übertrugen (typisch für «Volkskunst», ganz wie in der Skulptur unserer Araukaner) und sich sogar zu Zünften zusammenschlossen. Ihre Werke dienten der Glorifizierung der entsprechenden Machthaber, standen aber auch und gleichzeitig im Dienste ihrer Götter – und wurden entsprechend oft von katholischen Missionaren vernichtet.

Holz war und ist das bevorzugte Werkmaterial, aber auch Blech, Muscheln, Fasern und Glasperlen kamen zur Verwendung. Entsprechend sind braun, schwarz und grau die bestimmenden Farbtönungen hier. Im Saal «Menschliche Figuren» sind drei solche zu sehen, die völlig bespickt sind mit kleinen Teilen dieser und anderer Materialien, einschließlich Nussschalen.

Die menschliche Figur oder Teile derselben wie etwa Köpfe sind in einer oder der anderen Art immer das bevorzugte Thema; in Holz geschnitzt in oft komplizierten, sehr expressionistischen Formen. Auch die Hochreliefs in Blech aus Benin heben ausdrucksvoll den expressionistischen Charakter dieser Werke hervor.

Die wenigen Beispiele flacher Arbeiten aus Textilfasern oder Glasperlen sind hingegen strikt symmetrisch. Allerdings: In unseren Tagen ist die afrikanische Kunst dank der größeren Nachfrage oft verflacht. Für uns Lateinamerikaner sind dafür typische die Werke, die auf dem Flugplatz Dakar angeboten wurden, als die Luftlinien in Flügen nach Europa dort noch tanken mussten. Aber natürlich gibt es keine solche Exemplare in dieser Ausstellung.

 

Von Pedro Labowitz

 

Die Ausstellung ist im Centro Cultural La Moneda, Plaza de la Ciudadanía, zu sehen und läuft noch bis zum 24. November.

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One Comment

  1. Mich fasziniert afrikanische Kunst mit all seinen Facetten schon sehr lange. Diese Mystik und vor allem die Wirkung auf unser Gemüt spüre ich vor allem bei afrikanischen Skulpturen und Masken sehr. Nicht jede Figur strahlt eine positive Wirkung aus.

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