Krimi mit «Schimmi»

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Von Arne Dettmann

Diese Szene bleibt unvergessen: Gleich zu Beginn von «Duisburg-Ruhrort» (1981) sieht man die unaufgeräumte Wohnung von Kommissar Schimanski, der nach sauberem Geschirr fürs Frühstück sucht, während aus dem Kassettenspieler die Teenagerhymne «Leader of the pack» (Anführer der Bande) ertönt. In einem rosafarbenen T-Shirt bekleidet räumt er leere Bierflaschen weg und kratzt sich – im Kameraschnitt nur angedeutet – am Po. Und da keine saubere Pfanne zu finden ist, schlägt er zwei rohe Eier in ein Glas und zieht´s in einem Zug herunter.

Der Schauspieler Götz George, geboren 1938 in Berlin, hat viele Figuren in seiner langen Karriere verkörpert. Doch mit keiner anderen erntete er so viel Ruhm und schrieb gleichzeitig TV-Geschichte wie mit dem Duisburger Kommissar Horst Schimanski innerhalb der Krimi-Reihe «Tatort».

Ruppig, provozierend und oft den Rand der Legalität überschreitend ermittelte Schimanski von 1981 bis 1991 in Milieus und dunklen Ecken der Bundesrepublik, in die sich andere Polizisten nicht so gerne wagten. Der Ruhrpott-Rambo durfte ohne viel Zier unbequeme Fragen stellen, lockere Sprüche klopfen und Sachen sagen, die man vorher nicht im Fernsehen gehört hatte, vor allem sein Lieblingsschimpfwort «Scheiße».

Doch Götz George alias Schimanski nahm man das nicht übel, im Gegenteil: Gut durchtrainiert, schöne blaue Augen, eine Schwäche für Frauen und sozialkritisch – das hatte etwas Sympathisches, etwas Revolutionäres an sich im Gegensatz zum distinguierten Gehabe anderer TV-Kommissare. Einzigartig wie «Schimmi» im abgewetztem Parka seine Currywurst aß, zuviel Bier mit Kumpels trank und sich auch mal prügelte. Ein Bulle mit Seele. Schimanski wurde zum Kult.

Längst ging es bei Mord, Drogen und anderer Verbrechen nicht nur um banale Räuber-und-Gendarm-Geschichten. Erstmals wurden mit Schimanski gesellschaftspolitische Konflikte zwischen den Schichten thematisiert, wobei eindeutig spürbar war, dass der Ermittler aus dem Arbeitermilieu stammte. Sein Gegenteil verkörperte dessen Partner Christian Thanner (kongenial dargestellt von Eberhard Feik), dem allzu braven, peinlich genauen Beamten. Wenn es Streit gab zwischen den beiden – und den gab es oft –, dann prallten dort das konservativ-biedere und das aufbegehrend-jugendliche Deutschland aufeinander. Die Zuschauer kamen dabei in den Genuss spritziger Dialoge, die heute Ihresgleichen suchen.

Dass «Tatort» zu den erfolgreichsten Fernsehserien zählt, ist sicher zum guten Teil auf den stilprägenden Auftritt Götz Georges zurückzuführen. Insgesamt 29-mal schlüpfte er in die Rolle des schnodderigen Kommissars, inklusive zweier Kinofilme. In einer Umfrage wählten die Deutschen Schimanski zum beliebtesten TV-Kommissar, den sie in den 90er Jahren mit einer eigenständigen Schimanski-Krimi-Serie weiterhin so genießen durften, wie sie ihren Held eben liebten: Als ein Raubein mit Charme, immer ein wenig schmuddelig, draufgängerisch und nach Gerechtigkeit strebend.

Götz George starb, wie jetzt erst bekannt wurde, bereits am 19. Juni im Alter von 77 Jahren nach kurzer Krankheit in Hamburg.

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2 Comments

  1. Karl-Heinz Gottschalk

    Sehr guter Kommentar,der absolut stimmt.

    Und von wem? Herrn Arne Dettmann !

    Seine kommentare finde ich immer sehr gut. !

    Bitte so weitermachen.

  2. Hallo Herr Dettmann, wie wir im Ruhrgebiet ( Kohlenpott) sagen: Sie haben den Nagel auf den Kopp getroffen. Schimmi wird bis Heute in Duisburg verehrt, als wäre Er einer von uns gewesen. Mit Ihm geht ein ganz großer Schauspieler und ein großartiger Mensch der Duisburg und seine Menschen sehr mochte. R.I.P. Schimmi.

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