Lesung von Ijoma Mangold an der Schule Sankt Thomas Morus

«Sucht ein Buch, das euch verwandelt»

Der Literaturkritiker und Buchautor Ijoma Mangold liest an der Deutschen Schule Thomas Morus aus seinem Werk «Das deutsche Krokodil». Foto: Petra Wilken
Der Literaturkritiker und Buchautor Ijoma Mangold liest an der Deutschen Schule Thomas Morus aus seinem Werk «Das deutsche Krokodil». Foto: Petra Wilken

 

Kulturelle Identität lautete das Motto am Tag des Buches, dem 23. April, in der St.-Thomas-Morus-Schule. Der deutsch-nigerianische Journalist und Buchautor Ijoma Mangold hielt dazu vor Schülern der Media eine Lesung aus seiner in Deutschland vielbeachteten Autobiografie «Das deutsche Krokodil – Meine Geschichte».  

 

Von Petra Wilken

Als Kind in den 70er Jahren in einer deutschen Kleinstadt will man nicht Ijoma heißen. Es ist auch nicht witzig, dass einem erwachsene Frauen freundlich über das Kraushaar fahren und sagen, solche natürlichen Locken hätten sie auch gerne. Man will einfach so sein wie alle anderen Kinder. Und man will schon gar keinen Vater, der Afrikaner ist, dazu noch ein Abwesender.

So beschrieb Ijoma Alexander Mangold den Schülern seine Gefühle, die er als Kind in der baden-württembergischen Kleinstadt Dossenheim hatte. «Afrika ist der Kontinent, für den man Geld spendet.» Damit wollte der Junge Ijoma nicht in Verbindung gebracht werden. Mangold nimmt kein Blatt vor den Mund. Sein Buch ist von der Kritik unter anderem auch für seinen Mut zur politischen Unkorrektheit gelobt worden.

 

Deutsche Mutter, nigerianischer Vater

Ijoma Mangold wurde 1971 in Heidelberg geboren. Er wuchs bei seiner aus Schlesien stammenden Mutter auf, einer Kinder- und Jugendpsychologin. Sein nigerianischer Vater war zum Medizinstudium nach Deutschland gekommen. Er lernte ihn erst als junger Erwachsener kennen. Mangold studierte Literaturwissenschaft und Philosophie in München und Bologna. Heute ist er Literaturchef bei der Wochenzeitung «Die Zeit» und gehört zu den Moderatoren der  Literatursendung «lesenswert» des SWR Fernsehens.

Für den Jungen Ijoma waren zwei Dinge schlimm: sein Name und seine Hautfarbe. Mangold schreibt über ihn im ersten Kapitel als «den Jungen», in dritter Person. «Ihr wundert euch vielleicht, dass eine Autobiographie nicht in Ichform geschrieben ist», spricht der Autor die Schüler an und erklärt ihnen, dass er dadurch mehr Abstand zu den oft schambesetzten und peinlichen Erlebnissen bekommen konnte.

 

Ähnlichkeit mit Kafka?

Doch als Jugendlicher änderte sich sein Lebensgefühl, und er schreibt nun in Ichform. Bevor er den Schülern etwas aus der Zeit am Humanistischen Gymnasium vorliest, erklärt er ihnen ironisch, dass Schulen die Orte seien, wo man lernt, dass es Hackordnungen gibt, Staatsform Oligarchie. Er schaffte es,   obwohl er aus bescheidenen Verhältnissen kam, an dem elitären Gymnasium in seiner Klasse zur «Sechsergruppe» zu gehören, der coolen Gang, zu der alle gehören wollten.

Zum Abschluss stellten die Schüler Fragen, die sie im Deutschunterricht vorbereitet hatten: Findet er, dass er Ähnlichkeit mit Kafka hat? «Nein», ruft Mangold entschieden aus. «Kafka war ein Jahrhundert-Genie. Ich bin leider nicht Franz Kafka». Was wollte er mit dem Buch erreichen? «Das ist die Frage, die ich so häufig gestellt bekomme. Ich hatte keine politische Absicht. Ich wollte, dass viele Leute das Buch lesen und sich dabei amüsieren». Welchen Einfluss kann ein Autor haben? Diese Frage gefällt Mangold: «Jeder kann sich fragen, gibt es Bücher, die mich verwandelt haben? Wenn ihr noch keins gehabt hat, sucht so lange, bis ihr ein Buch findet, dass euch verwandelt. Sucht immer weiter.»

Weitere Lesungen gab Ijoma Mangold in der vergangenen Woche in den Deutschen Schule Santiago, Valparaíso und Valdivia. Die Chile-Reise war auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung zustande gekommen, die zudem eine Diskussionsrunde zum Thema «Journalisten mit Migrationshintergrund und Fake News» an der Universidad Andrés Bello organisierte.

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