Hommage an den Chilenen Gonzalo Rojas

Lyrikband «Atemübung» mit vielen erstmals übersetzten Gedichten

Gonzalo Rojas gehört zu den großen lyrischen und literarischen Stimmen Chiles.
Gonzalo Rojas gehört zu den großen lyrischen und literarischen Stimmen Chiles.

Gonzalo Rojas gehört zu den großen lyrischen und literarischen Stimmen Chiles, und sein 100. Geburtstag wird mit einem ganzen Gedenkjahr in verschiedenen Städten und Ländern zelebriert. In Deutschland erscheint jetzt die Anthologie «Atemübung» mit Illustrationen des chilenischen Künstlers Roberto Matta. Der zweisprachige Lyrikband wird am 15. Mai um 19 Uhr im Instituto Cervantes in Berlin präsentiert.

Gonzalo Rojas, der am 20. Dezember 2016 in Lebu (Chile) geboren wurde und am 25. April 2011 in Santiago starb, gehört zu den herausragendsten chilenischen Lyrikern und zur literarischen Avantgarde des 20. Jahrhunderts in Lateinamerika. Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre veranstaltete er in der chilenischen Stadt Concepción, wo er damals auch als Hochschulprofessor tätig war, legendäre literarische Treffen mit den Größen der amerikanischen Literatur, wie etwa Ernesto Sábato, Carlos Fuentes, Mario Benedetti, Julio Cortazar oder auch Allen Ginsberg. Oft hieß es dazu, der «Lateinamerikanische Boom» der Literatur sei in Wirklichkeit im chilenischen Concepción zur Welt gekommen.

Der Name Gonzalo Rojas wird in einer Reihe mit Pablo Neruda und Gabriela Mistral genannt – gleichwohl ist Rojas in Deutschland der breiteren Öffentlicheit bislang nicht sehr bekannt, obwohl er während der Pinochet-Diktatur sogar im deutschen Exil in Rostock lebte und 1988 dank einer Einladung des DAAD eine längere Zeit in Berlin verbracht hat. Die Bibliothek des Instituto Cervantes in Bremen trägt seinen Namen.

Der neue Lyrikband (240 Seiten, 25 €) erscheint zweisprachig und enthält 70 Gedichte aus 70 Jahren, von 1940 bis 2009. «Die meisten dieser Gedichte sind zuvor niemals auf deutsch erschienen», sagt Reiner Kornberger, Übersetzer und Mitherausgeber. «Gonzalo Rojas hat in den sieben Jahrzehnten seines dichterischen Schaffens ein ganz eigenes, unverkennbares Universum an Themen, Bildern und stilistischen Verfahren geschaffen. Die großen Themen wie Werden und Vergehen, Liebe und Eros, aber auch das Biografische und Politische sowie der Vorgang des Schreibens selbst erhalten bei ihm eine metaphysische, teils mystische Dimension und schreiben sich als Chiffren in das Gedächtnis der Menschheit ein», erklärt Kornberger.

Gonzalo Rojas erhielt zahlreiche Auszeichnungen für sein Werk, unter anderem den Premio Reina Sofía de Poesía Iberoamericana (1992), den Premio Nacional de Literatura de Chile (1992), den Premio Octavio Paz de México (1998) und den Premio Cervantes de España (2003).

Info: «Atemübung» von Gonzalo Rojas, Edition Schwarzdruck, Gransee 2017, ISBN 978-3935194-84-6

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