«Gettysburg»

Gettysburg ist eine Kleinstadt in Pennsylvania, in deren Nähe Anfang Juli 1863 eine entscheidende Schlacht des nordamerikanischen Bürgerkriegs gefochten wurde. Über 6.000 Todesopfer waren nach dem dreitägigen Kampf zu beklagen.

Der Anfang der 1990er Jahre entstandene Film war ursprünglich als Episodenproduktion für das Fernsehen vorgesehen. Während der Dreharbeiten stiegen die Kosten jedoch derartig, dass der beteiligte Sender ABC resignierte. Ted Turner trat daraufhin als Produzent ein und brachte später den Streifen in die Kinos. Es existieren verschiedene Schnittfassungen. Die Blu-ray-Ausführung bringt den «director’s cut», der sage und schreibe viereinhalb Stunden Spieldauer hat.

Regisseur Ronald Maxwell erzählt seine Geschichte mit Liebe zum Detail. Die zeitgemäße Rekonstruktion ist den Ausstattern vortrefflich gelungen, was Kleidung, Bärte, Schuhwerk und Waffen anbetrifft. Nur müsste man sich in Sachen Uniformen des nordamerikanischen Bürgerkriegs auskennen, um auf Anhieb zu wissen, welche Partei gerade gezeigt wird. Der uneingeweihte Zuschauer ist hierbei einem Rätsel konfrontiert. Es dauert eine gute Stunde, bis man im Bilde ist. Einige Hinweise der Regie wären mit Sicherheit hilfreich gewesen.

Maxwell hatte eine Schauspielerriege allerersten Ranges zu seiner Verfügung, mit denen er nicht nur einen Abenteuerfilm inszenieren, sondern außerdem die Psyche der involvierten Figuren ausleuchten konnte. Gedreht wurde an Originalschauplätzen, obwohl heute die historischen Gefilde unter Denkmalsschutz stehen.

Die Bild-Aufbereitung ist denkbar schlecht. Zwar gibt es leuchtkräftige, angemessen scharfe Bilder, die aber allzu häufig mit grobkörnigen, verwaschenen oder total unscharfen Aufnahmen abwechseln. Die Übertragung auf Blu-ray ist eine Schluderarbeit der übelsten Sorte. Mit dem Ton ist es besser bestellt. Zumindest hört man die Kanonen aus dem richtigen Winkel donnern. Als Extras sind lediglich Kommentare des Regisseurs, des Kameramanns und eines Militärexperten beigefügt, die man per Fernbedienung einschalten und während des Handlungsablaufs (auf Englisch und ohne Untertitel) hören kann.

Trotz der Einwände lohnt es sich, den Film zu sehen. Er gibt einen aufwühlenden Einblick in eine schicksalhafte Episode der nordamerikanischen Geschichte, die das Land für immer veränderte und deren Einfluss heute noch wach ist.

 

Von Walter Krumbach

 

«Gettysburg», USA, 1993. Regie: Ronald F. Maxwell. Produktion: Moctesuma Esparza, Robert Katz. Drehbuch: Ronald F. Maxwell. Musik: Randy Edelman. Mit Tom Berenger, Jeff Daniels, Martin Sheen. Spieldauer: 271 Minuten.

 

Bild                  *

Ton                  ***

Darbietung       ****

Extras              **

 

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