Endlich: deutsche Popmusik in Chile!

So etwas hatte niemand erwartet. Gedacht war das Projekt für die Deutschkurse des PALE-Programms an der Universidad Católica de Valparaíso und die Kurse der Corporación Cultural chileno-alemana in Valparaíso. Für die Studenten und ein paar Freunde, die sich ein paar Takte deutscher Popmusik anhören wollten, jenseits von bekannten Gruppen wie Rammstein und Tokio Hotel.

Die Band mit ihrer Initiatorin Tina Hoffmann.
Die Band mit ihrer Initiatorin Tina Hoffmann.

Aber dass die Sache dann solch eine Eigendynamik entwickelte, damit hatten selbst die Macher nicht gerechnet. Die Initiatorin Tina Hoffmann, Leiterin des PALE-Programms und DAAD-Lektorin an der PUCV, umschreibt die Beweggründe für das Projekt so: «Musik stellt einen leichteren Zugang zu einer Kultur dar als nur die Sprache allein. Musik transportiert Emotionen und kann Unterhaltung und Motivation zugleich sein.»

Deutsche Kultur kommt noch immer oft monoton aus einer Ecke: Beethoven, Brahms und Bach. Doch so eindrucksvoll und mitreißend die Musik sein kann, ein junges, jugendliches Zielpublikum spricht man damit heute leider nicht mehr an.

Der Ansatz von PALE bestand darin, bereits im Unterricht auf die vielen verschiedenen Facetten deutscher Popkultur hinzuweisen und die Studenten auch selbst recherchieren zu lassen. Jeder konnte seine eigene «Hitparade» abgeben und war somit am Entstehungsprozess des Konzertprogramms beteiligt. Die 15 Songs, die die Band in vier Wochen umschrieb und einstudierte, geben einen schönen Querschnitt durch die bewegende deutsche Popmusikgeschichte, von Nena über Falco, die Sportfreunde Stiller, Wir sind Helden bis hin zu Madsen, Cro oder OK Kid. Auch so beeindruckende Liedermacher wie Gisbert zu Knyphausen oder Philipp Poisel waren mit Stücken vertreten.

Das Konzert selbst erinnerte ein bisschen an die Arrangements der MTV-Unplugged-Sessions. Keine klassische Bühne, die Musiker standen über den ganzen Raum verteilt und zwischendrin, davor und dahinter saßen die Zuhörer in drei Generationen.

Die «Sprachfreunde Hoffmann» selbst setzen sich zu 80 Prozent aus Deutschstudenten des PALE-Programms oder des Goethe-Zentrums zusammen. Die Beweggründe Deutsch zu lernen sind unterschiedlich. Aber alle haben ein Ziel: in Deutschland zu studieren. Christian Ramírez, der Schlagzeuger, wird im Januar einen Hochschulwinterkurs des DAADs an der Universität Freiburg belegen und bemüht sich um ein Stipendium, seine Doktorarbeit in Geschichte in Deutschland zu schreiben. José Cornejo, der Sänger der Band, studiert seit jeher am Goethezentrum und möchte seinen Doktor in Philosophie ebenfalls in Deutschland machen.

Deutschland als Studienstandort zum einen, die deutsche Sprache als Motivation und Faszinosum zum anderen. Für Francisco Hernán, den Gitarristen, gehört die deutsche Grammatik zu den dynamischsten und unterhaltsamsten Facetten der Sprache. Für Eduardo Simpson, den Cellisten und kongenialen Arrangeur der Gruppe, der im Januar ebenfalls mit einem Stipendium des DAADs an einem sechswöchigen Hochschulwinterkurs der Universität Essen teilnehmen wird, hat die Phonetik des Deutschen einen besonderen Reiz, für den Schlagzeuger Ramírez gehört Deutsch gar zu den exaktesten Sprachen, die existieren.

Die Motivation für die Sprache, ein Pfund musikalisches Talent und Spaß an der Sache – vielleicht lassen sich so die Inhaltsstoffe für den schönen Erfolg der Gruppe beschreiben. Und vielleicht ergibt sich ja die Möglichkeit, die «Sprachfreunde Hoffmann» auch in anderen Regionen Chiles zu hören, in den dortigen Kulturzentren oder Schulen.

 

Von Thomas Magosch

Print Friendly, PDF & Email

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*