Touristenattraktion Barrio Lastarria in Santiago de Chile

Europäisches Ambiente mit Latino-Flair

Kleinhandel auf der Straße gehört zu den Attraktionen, die ausländische Touristen genauso wie die chilenischen Studenten der umliegenden Universitäten anlocken.
Barrio Lastarria in Santiago de Chile: Kleinhandel auf der Straße gehört zu den Attraktionen, die ausländische Touristen genauso wie die chilenischen Studenten der umliegenden Universitäten anlocken.

Wer Kurzbesuchern von Santiago ein Sightseeing-Programm empfehlen möchte, der sollte das Barrio Lastarria unbedingt mit aufnehmen. Es ist einfach alles vorhanden, was das Touristenherz begehrt: Geschichte, Kunst, Gastronomie und Kultur.

 

Von Petra Wilken

Das Attraktive des Viertels macht seine Mischung von Alt und Neu aus. Studenten, junge Kleinunternehmer, Gastronomen, Künstler, Kunsthandwerker und Straßenverkäufer haben das Barrio vor rund 15 Jahren für sich entdeckt und das  europäisch anmutende Ambiente der historischen Gebäude mit Latino-Flair verbunden. Damit hat sich das zentral gelegene Viertel am Fuße des Cerro Santa Lucia zwischen den Metrostationen Católica und Bellas Artes in ein Highlight für Touristen verwandelt.

Mehr als zehn Hotels haben sich dort angesiedelt, zumal Lastarria außerdem in zwei weitere kulturell interessante Sektoren übergeht – das Barrio Forestal und das Barrio Bellas Artes. Fußläufig sind das Kulturzentrum Gabriela Mistral (GAM), das Kunstmuseum, das Museum für Visuelle Kunst MAVI und zahlreiche weitere Sehenswürdigkeiten zu erreichen. So hat direkt an der Plaza José Gil de Castro mit seiner Architektur des 19. Jahrhunderts ein Fünf-Sterne-Hotel eröffnet: das Hotel Cumbres Lastarria, das mit frischem, modernen Design daherkommt.

Die Kirche Santa Cruz zählt neben dem Cerro Santa Lucía und dem Palast Bruna zu den drei geschützten Geschichtsmonumenten des Barrio Lastarria.
Die Kirche Santa Cruz zählt neben dem Cerro Santa Lucía und dem Palast Bruna zu den drei geschützten Geschichtsmonumenten des Barrio Lastarria.

Lokales Design ist überhaupt eine der Attraktionen des Viertels, sei es in Form von in Chile entworfenen und hergestellten Textilien, handgemachten Kunstbüchern oder Holzobjekten. Zudem bauen Antiquitäten- und Buchhändler immer donnerstags bis sonntags zwischen 10 und 20 Uhr in der Fußgängerzone der Straße Lastarria an der Plaza José Gil de Castro ihre Stände auf. Das Szenekino Biógrafo gab es schon, bevor das Viertel sich mauserte. Heute sind schicke Kunstgalerien, Restaurants und Cafés dazugekommen.

Die Ursprünge dieser kleinen Oase im pulsierenden Santiago gehen auf die Kolonialzeit zurück, doch die eigentliche Entwicklung als Stadtviertel begann mit dem Bau der Kirche Vera Cruz, der 1857 abgeschlossen wurde. Zu dieser Zeit ließen sich wichtige Persönlichkeiten der chilenischen Geschichte dort nieder.

Benjamín Vicuña Mackenna (1831 bis 1886), Historiker und Politiker, brachte aus dem Exil in den USA und England die Vorliebe für europäische Architektur mit. Als Verwaltungsleiter von Santiago veranlasste er den Bau von bedeutenden Werken in Santiago. So war er für die Umgestaltung des Cerro Santa Lucía zuständig. Er war verheiratet mit seiner Cousine Victoria Subercaseaux, eine historische Figur, die bei den Chilenen beliebt ist, ihren Mann politisch beraten und sich sozial engagiert hat.

Auch Pedro Aguirre Cerda, chilenischer Präsident zwischen 1938 und 1941, lebte dort. Der peruanische Maler José Gil de Castro unterhielt seine Werkstatt im Barrio Lastarria. Seinen Namen erhielt das Viertel von José Victorino Lastarria (1817 bis 1888). Er war nicht nur Abgeordneter und Finanzminister, sondern auch Schriftsteller und Literat, der als liberaler Freidenker die Zeitschrift «Santiago» gründete und die politische Führung kritisierte. Weitere Intellektuelle und bekannte Künstler des Viertels waren der Architekt und Maler Nemesio Antúnez und der Schriftsteller Luis Orrego Luco.

Die Jungfrauen-Statue Virgen del Carmen in der Kirche Veracruz.
Die Jungfrauen-Statue Virgen del Carmen in der Kirche Veracruz.

1997 wurde das Barrio Lastarria zur «Zona típica» erklärt, das drei staatlich geschützte Denkmäler (Monumentos Históricos) aufweisen kann: den Cerro Santa Lucía, die Kirche Veracruz und den Palast Bruna, ein prächtiges Gebäude im italienischen Renaissance-Stil an der Straße Merced, in dem die chilenische Handelskammer CNC untergebracht ist.

Die Kirche Santa Cruz wurde an einer Stelle gebaut (José Victorino Lastarria 124), an der nach Volksmeinung der spanische Eroberer Pedro de Valdivia gewohnt hatte. Das stellte sich jedoch im Nachhinein als Irrtum heraus. In dem Haus hatte eine Familie aus der Stadt Valdivia gelebt.

Der kleine Tempel wurde im neoklassischen Stil erbaut. Über dem Altar hängt ein Christusbild, das der spanische König im 16. Jahrhundert den katholischen Ordensgemeinschaft der Mercedarier in Chile geschenkt hatte. Und natürlich darf, wie in keiner katholischen Kirche hierzulande, ein Bildnis der Jungfrau Virgen del Carmen, der Königin und Schutzpatronin von Chile, nicht fehlen.

 

Print Friendly, PDF & Email

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.