Bad Boy und Sex-Symbol

Er ist Rock-Legende, Womanizer und zweifacher Großvater: Mick Jagger ist auch mit bald 70 Jahren kaum leiser geworden. Und seine Fans versetzt er noch immer in Ekstase.

London (dpa) – Bei Konzerten wirbelt er als energiegeladenes Bündel über die Bühne, trägt hautenge Jeans und hat die gleich sexy Stimme wie vor 50 Jahren: Die Rede ist von Rolling Stones Frontmann Mick Jagger. Und auch wenn das Urgestein des Rock & Roll am kommenden Freitag (26. Juli) seinen 70. Geburtstag feiert, in Rente zu gehen ist keine Option für den Altrocker. Im Juni tourten er und seine Stones-Kollegen durch die USA, kurz darauf fegte der spindeldürre Sänger in einem Sakko aus grünen Pailletten über die Bühne des englischen Glastonbury Festivals und Mitte Juli begeistert die Band Tausende Fans im Hyde Park in London.

Angefangen hatte die Geschichte der Stones 1961, als sich auf einem englischen Bahnhof zwei Musikfreunde begegneten, Mick Jagger und Keith Richards (69). «Mick und ich hatten den absolut gleichen Musikgeschmack. Es gab keine Fragen, keine Erklärungen. Das ging alles wortlos», schrieb Richards in seiner Autobiografie. Und am 12. Juli 1962 hatten die Stones ihren ersten Auftritt legendären Londoner Marquee Club.

Der Rest ist Geschichte. Jagger als Sänger und Richards an der Gitarre der Rolling Stones führten die Gruppe zu Weltruhm und Jaggers markante Stimme wurde zu ihrem Markenzeichen. Das Duo Jagger und Richards schrieben zusammen Hunderte Lieder, darunter Klassiker wie «(I Can’t Get No) Satisfaction», «Sympathy For The Devil», «Honky Tonk Women», «Jumpin’ Jack Flash» und «Angie».

Neben den Stones gab es für Jagger auch immer eigene Musik-Projekte. 1985 erschien sein erstes Soloalbum «She’s The Boss». Die Platte war so erfolgreich, dass er weitere Soloaktivitäten plante. Am Live-Aid-Konzert 1985 trat er an der Seite von Rockröhre Tina Turner auf, später veröffentlichte er mit Pop-Ikone David Bowie «Dancing In The Street». 2011 gründete Jagger eine eigene Band, SuperHeavy, unter anderem mit Eurythmics-Gitarrist David A. Stewart.

Doch der Stones-Sänger machte nicht nur Musik. Er war auch auf der Leinwand zu sehen. So spielte er zum Beispiel in Nicolas Roegs Kultthriller «Performance» (1968) über Sex, Drogen, Rock and Roll und Gewalt oder in einem Film über den australischen Outlaw Ned Kelly mit. Zudem hatte er 2002 einen Auftritt in der Komödie «The Man From Elysian Fields» von George Hickenlooper.

Aufgewachsen war der Rockmusiker mit den wohl bekanntesten Lippen der Welt in Dartford im Süden Londons. Der junge Jagger war laut Biograph Philip Norman scheu und konnte nicht gut Gefühle zeigen. Später wurde er vom Stones-Manager Andrew Oldham zum lauten und wilden Rebellen gemacht. Dieser entschied, Jagger und seine Band-Kollegen als Bürgerschreck, als böse Jungs, als «Anti-Beatles» zu verkaufen.

Ein Bad Boy war Jagger auch wenn es um Frauen ging. Auf die Frage, wann er bemerkt habe, dass er ein Womanizer sei, antwortete er einmal in einem Interview: «Mit ungefähr 18. Die Stones hatten gerade angefangen in Londoner Clubs zu spielen und ich realisierte, ich bekam viel Aufmerksamkeit von Frauen, normalerweise war das nicht so.» Vor allem in der Boulevardpresse machte Jaggers Privatleben als Womanizer Schlagzeilen.

Jagger war zweimal verheiratet, in erster Ehe mit Bianca Pérez-Mora Macias, mit der er eine Tochter hat und in zweiter Ehe mit Jerry Hall, mit der er vier Kinder hat. Vor, während und nach seinen Ehen gab es dutzende Berichte über Jaggers Affären. Mittlerweile hat er sieben Kinder und zwei Enkel. Seit 2001 ist er mit der amerikanischen Stylistin L’Wren Scott liiert.

Obwohl Jagger das Image als Bad Boy noch nicht ganz verloren hat, wurde es in den vergangenen Jahren etwas ruhiger um ihn in der Boulevardpresse. Für seine Verdienste um die populäre Musik wurde er 2003 zum Ritter geschlagen. Was ihm diese Ehre bedeute, wollte der «Guardian» damals wissen. «Nicht viel», sagte Sir Mick, «Mein Vater war sehr stolz. Ich habe mich für ihn gut gefühlt.»

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