Wo war Urgroßvater an der Front?

Vor 100 Jahren zog erst Europa und dann die Welt in den Krieg. In manch altem Fotoalbum finden sich noch Bilder von Männern mit Uniform und Pickelhaube. Näheres wissen Angehörige aber oft nicht. Archive und Datensammlungen im Internet helfen ihnen bei der Recherche.

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Freiburg (dpa/tmn) – 70 Millionen Männer unter Waffen, davon 13,2 Millionen aus Deutschland: Das sind die nackten Zahlen des Ersten Weltkriegs. Es waren die Großväter, Urgroßväter, Ururgroßväter der heute lebenden Generationen, die in den Schützengräben in Frankreich, im Gebirgskrieg in den Dolomiten und an der Ostfront in Ostpreußen oder in Galizien kämpften. Ihre Namen geben den Daten ein Gesicht. Doch viel mehr als einen Namen kennen Angehörige häufig nicht. Wenn sie mehr wissen wollen, müssen sie sich in Datenbanken und Archiven auf Spurensuche begeben.

Mit Basisdaten wie Geburts- und Todestagen lässt sich oft online recherchieren. So bietet der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der die Gräber deutscher Soldaten im Ausland pflegt, auf seiner Webseite die Möglichkeit, nach den Grabstätten von Gefallenen beider Weltkriege zu suchen. «Unser Bestand zum Ersten Weltkrieg umfasst Angaben zu rund 800.000 Toten», sagt Volksbund-Sprecher Fritz Kirchmeier. Zu erfahren sind Geburts- und Sterbetag sowie -ort, Dienstgrad und Lage des Grabes. Allerdings sind die Datensätze nicht immer vollständig. «Wir bemühen uns aber nach wie vor, fehlende Daten zu ergänzen», sagt Kirchmeier.

Eine erst seit Kurzem erschlossene Quelle sind die Verlustlisten aus dem Ersten Weltkrieg. Es handelt sich um die offiziellen Mitteilungen über Tote, Verwundete, Vermisste und Gefangene, die in zeitungsähnlicher Form erschienen sind. Dass die 31.000 Seiten mittlerweile online nach Namen durchsucht werden können, ist einer Initiative des Vereins für Computergenealogie zu verdanken. «Die Listen lagerten an unterschiedlichen Orten, waren nicht elektronisch erfasst und deshalb für die Ahnenforschung kaum nutzbar», erzählt Vorstandsmitglied Jesper Zedlitz aus Kiel.

Die Idee des Vereins: Wenn möglichst viele Freiwillige jeweils einen kleinen Teil der Daten in eine Datenbank eingeben, lässt sich der enorme Datenbestand auf relativ einfache Weise erschließen. Ende 2011 startete das Projekt, bisher halfen knapp 700 Freiwillige. «Rund drei Viertel der Listen sind mittlerweile erfasst», sagt Zedlitz.

Auf ähnliche Weise wird «Denkmalprojekt» mit Daten gefüttert: Fotos von Gefallenendenkmälern sowie Gedenkbücher und Verlustlisten können eingereicht werden, die Daten werden gesammelt und sind online abrufbar.

Wer mehr Details über das Schicksal seiner Vorfahren im Ersten Weltkrieg erfahren will, muss in den Archiven forschen. 4080_p13bAllerdings klafft im Dokumentenbestand eine gewaltige Lücke. Bei der Zerstörung des Heeresarchivs in Potsdam im Jahr 1945 wurden unter anderem die Akten der Preußischen Armee vernichtet, die den Großteil der deutschen Truppen im Ersten Weltkrieg stellte. Darunter waren auch die Personalakten der Soldaten. «66 Kilometer Akten sind damals verbrannt», erklärt Thomas Menzel, Referatsleiter im Militärarchiv des Bundesarchivs in Freiburg.

Trotzdem mache eine Anfrage beim Militärarchiv Sinn, sagt der Historiker: Das Bundesarchiv verwahrt die Lazarettakten der Geburtsjahrgänge bis 1899. Von den Jahrgängen 1891 bis 1899 existieren allerdings nur noch die Geburtsmonate Januar und Juli. Die entsprechenden Unterlagen aller ab 1900 Geborenen lagern in der Deutschen Dienststelle in Berlin, die vor allem Daten über Teilnehmer des Zweiten Weltkriegs archiviert.

Auch ein Teil der Regimentsunterlagen lagert im Bundesarchiv. In den sogenannten Kriegstagebüchern wurde Tag für Tag verzeichnet, wo sich die Einheit befand, und was sich ereignete. «Sie können im Archiv in Freiburg eingesehen oder in Kopie angefordert werden», sagt Menzel.

Eine weitere mögliche Anlaufstelle für die Suche nach Informationen ist das Stadtarchiv am Heimatort des Vorfahren. «Die Soldaten meldeten sich zum Teil dort ab, wenn sie eingezogen wurden», erläutert Menzel.

Deutlich besser ist die Datenlage für Angehörige der Streitkräfte aus Bayern, Sachsen und Württemberg sowie für die badischen Truppen innerhalb der preußischen Armee. Ansprechpartner sind die Archive in München, Leipzig, Stuttgart und Karlsruhe. Im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München lagern beispielsweise 23.000 Bände der sogenannten Kriegsstammrollen der königlich bayerischen Armee. Sie enthalten nicht nur Informationen über die Soldaten, ihre Einsatzorte, Truppengattungen oder Verletzungen, sondern auch Informationen über Angehörige.

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