Erste Weltumsegelung vor 500 Jahren

Expedition unter Magellan war «wichtiger als die Mondlandung»

Die Nachbildung der «Nao Victoria»: Das Schiff war das erste Boot, das um die Welt gesegelt ist. Am 10. August 1519 startete die Expedition im Auftrag der spanischen Krone unter Leitung von Ferdinand Magellan. Foto: Fundación Nao Victoria/dpa

Nach Magellan werden Raumsonden, Pinguine und Galaxien benannt, Stefan Zweig schrieb über ihn. Er war vor 500 Jahren Planer und Realisator einer der größten Heldentaten der Menschheit.

Sevilla (dpa) – In Spanien beginnen am Samstag mit Pauken und Trompeten die Feierlichkeiten zum 500-jährigen Jubiläum der ersten Umsegelung der Erde durch Magellan. Jener Expedition, die (zumindest für die meisten) den endgültigen Beweis dafür lieferte, dass die Erde eine Kugel ist.

Die Umrundung der Welt war jedoch gar nicht das Ziel der Expedition, die am 10. August 1519 unter Leitung des portugiesischen Seefahrers Ferdinand Magellan in Sevilla startete. Magellan wollte vielmehr im Auftrag der spanischen Krone eine Westroute nach Indien und zu den sogenannten Gewürzinseln, den heutigen Molukken, finden. Er sollte die Aufgabe vollenden, an der Amerika-«Entdecker» Christoph Kolumbus knapp drei Jahrzehnte zuvor und anschließend auch andere berühmte Seefahrerkoryphäen wie João de Solis gescheitert waren.

Das Ziel war damals vor allem – im harten Konkurrenzkampf mit dem Nachbarn Portugal – der direkte Zugang zum Pfeffer, der mit Gold aufgewogen wurde. Mit Hilfe des Pfeffers konnten Lebensmittel lange haltbar gemacht werden, die Pflanze galt auch als Heilmittel. Aber auch Gewürze wie Zimt, Muskat und Nelken waren äußerst kostbar. Sie waren auch ein Grund für brutale Kolonialkriege.

Mehr als Gold oder Pfeffer wert

Die erste Weltumsegelung war nach Meinung von Vizeadmiral Ignacio Horcada Rubio vom ministeriellen Ausschuss des «V Centenario» mehr als Gold oder Pfeffer wert. «Sie war wichtiger als die erste bemannte Mondlandung.» Denn diese sei zwar eine «technologische Heldentat» gewesen. Sie habe aber «auf klaren Gewissheiten» basiert, habe im Voraus praktisch bis ins letzte Detail geplant werden können, und anders als die erste Weltumsegelung, «nicht zu einer wahren Entdeckung, zu einem Paradigmenwechsel geführt», meint der 64-jährige Spanier.

Portugal, Lissabon: Das Denkmal der Entdeckungen, das den großen portugiesischen Entdeckern, darunter Ferdinand Magellan, gewidmet ist. Foto: Luis Pavao/Padrão dos Descobrimentos/dpa
Portugal, Lissabon: Das Denkmal der Entdeckungen, das den großen portugiesischen Entdeckern, darunter Ferdinand Magellan, gewidmet ist. Foto: Luis Pavao/Padrão dos Descobrimentos/dpa

Horcada Rubio vergleicht die erste Weltumsegelung mit der Bedeutung des Internets für die Welt in den vergangenen 20 Jahren. «Die erste Weltumsegelung hat damals praktisch alles verändert», sagt er. «Die Menschen dachten damals, dass sie in einer in jeder Hinsicht kleineren Welt lebten. Alles war viel regionalisierter. Jeder war nur mit seiner eigenen Region und seinen Problemen beschäftigt.» In die gleiche Kerbe schlägt der portugiesische Außenminister Augusto Santos Silva. «Die erste Weltumsegelung war die erste Globalisierungsaktion», sagte er jüngst bei einem Besuch in Madrid.

Feierlichkeit rund um Ferdinand Magellan

Spanien und Portugal feiern zusammen ab August und bis 2022 mit Dutzenden Veranstaltungen das Jubiläum. Dabei war Magellan bei seinem eigenen König Manuel I., dem «Glücklichen», unter dem Portugal eine wirtschaftliche, kulturelle und politische Blütezeit erlebte, mit seinem Projekt auf taube Ohren gestoßen. Gründe gab es einige. Portugal hatte mit Vasco da Gama bereits die Ostroute nach Indien erschlossen. Und Magellan soll wegen illegalen Handels mit Mauren in Marokko in der Heimat in Ungnade gefallen sein.

Der knapp 30-Jährige zog daher kurzerhand nach Spanien, wo er den jungen, erst 18 Jahre alten und wohl auch sehr abenteuerlustigen kastilischen König Carlos I. überzeugen konnte. Carlos, der als Karl V., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, in die Geschichte einging, unterzeichnete mit Magellan den entsprechenden Vertrag. Er stellte dem Portugiesen fünf Schiffe, die insgesamt rund 500 Tonnen Laderaum hatten, und eine Besatzung von 234 Mann zur Verfügung.

Der Auftrag: Eine Route zu den Gewürzinseln auf der kastilischen Erdhälfte zu erschließen. Im Vertrag von Tordesillas hatten sich Kastilien und Aragonien sowie Portugal den Globus in zwei Hälften aufgeteilt. Nach eineinhalbjähriger Vorbereitung ging es dann los. Man fuhr in Sevilla den Guadalquivir bis zum Küstenort Sanlúcar de Barrameda hinab und stach am 20. September in See.

Eine Meerenge zwischen dem südamerikanischen Festland und Feuerland: die Magellan-Straße

Nach Magellan werden Raumsonden, Galaxien, Pinguine, Schiffe, Teleskope benannt – und natürlich auch die Magellan-Straße, die Meerenge zwischen dem südamerikanischen Festland und Feuerland, die die Expedition auf dem Weg nach Indien entdeckte. Stefan Zweig widmete ihm ein Buch, es gibt ungezählte Magellan-Denkmäler.

Doch die Weltumsegelung schaffte er nicht. Der Ritter und Seefahrer starb im April 1521 auf den Philippinen einen tragischen Tod. Als er die Insel Mactan für Kastilien in Besitz nehmen wollte, wurde er nach der Überlieferung von Expeditionschronist Pigafetta im Gefecht gegen die Männer von Inselhäuptling Lapu-Lapu von einem Giftpfeil am Oberschenkel getroffen und erhielt zudem zwei Lanzenstöße. Seine Leiche konnte nie geborgen werden.

Knapp eineinhalb Jahre nach Magellans Tod war die erste belegte Weltumsegelung perfekt. Mit vollgeladenen Schiffen kam die Expedition aber nicht zurück. Nur die «Nau Victoria», das viertkleinste Schiff der Flotte, schaffte über die Route um das Kap der guten Hoffnung den Weg zurück nach Spanien. Unter dem Kommando von Juan Sebastián Elcano und nur mit insgesamt 18 Mann an Bord lief sie am 6. September 1522 wieder in den Hafen von Sanlúcar ein.

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