Weltbekannt und in aller Munde: 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot für Bier

Darstellung einer Bierbrauerei aus Jost Ammans Ständebuch (1568): Ein Reinheitsgebot gegen Panscherei, schlechten Geschmack und Vergiftung
Darstellung einer Bierbrauerei aus Jost Ammans Ständebuch (1568): Ein Reinheitsgebot gegen Panscherei, schlechten Geschmack und Vergiftung

Es ist weltbekannt und in aller Munde: das deutsche Reinheitsgebot. In diesem Jahr feiert es den 500. Geburtstag.

Das Reinheitsgebot schreibt vor, dass zur Bierherstellung nur Wasser, Malz, Hopfen und Hefe verwendet werden dürfen. Es steht für die Bewahrung einer althergebrachten Handwerkstechnik und gilt zugleich als älteste, heute noch gültige lebensmittelrechtliche Vorschrift der Welt. In Deutschland hat sich daraus über Jahrhunderte eine weltweit beachtete Braukunst entwickelt: Aus nur vier natürlichen Zutaten entsteht in über 1.300 deutschen Brauereien Tag für Tag eine weltweit einzigartige Vielfalt von über 40 verschiedenen Sorten und rund 5.500 einzelnen Biermarken.

Geschichtliche Vorläufer

Bis zum Erlass des Reinheitsgebotes wurden im Mittelalter oft die abenteuerlichsten Zutaten ins Bier gemischt: Binsenkraut, Stechapfel, Späne, Wurzeln, Ruß oder Pech sollten das Aussehen und den Geschmack sowie die berauschende Wirkung verstärken. Es kam auch durchaus vor, dass bei der Auswahl der intensiv riechenden und schmeckenden Zusatzstoffe grobe Fehler begangen wurden und sich der Brauer oder die Brauerin bei der Dosierung ein wenig vergriffen. Als geringste Folge verspürte der Gast beim Genuss ein gewisses Unwohlsein, der schlimmste Ausgang konnte mit einer Vergiftung schon mal zum Tod führen.

Sicherlich haben solche Gepflogenheiten die Entwicklungen eines Gebots gefördert, bei dem der Verbraucher – Bier war damals ein Hauptnahrungsmittel der Bevölkerung – geschützt wird und auch Brauer, die es mit ihrem Handwerk nicht so genau genommen haben, von denen getrennt wurden, die ihr Bier nach dem besten Wissen und Gewissen hergestellt haben.

Auf deutschem Boden gibt es den ersten urkundlich belegten Hinweis aus der Zeit des Kaisers Barbarossa. Dieser gab im Jahr 1156 der Stadt Augsburg eine neue Rechtsverordnung, die berühmte «Justitia Civitatis Augustensis», die das älteste deutsche Stadtrecht ist. Und schon darin ist vom Bier die Rede: «Wenn ein Bierschenker schlechtes Bier macht oder ungerechtes Maß gibt, soll er gestraft werden.» Die Strafe war übrigens schwer und betrug 5 Gulden, beim dritten Verstoß wurde dem brauenden Wirt die Lizenz entzogen.

Frühe Vorschriften wurden 1293 auch für Nürnberg, 1363 für München und 1447 für Regensburg erlassen. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und im frühen 16. Jahrhundert häuften sich dann regionale Vorschriften zur Preisfestsetzung und Herstellung des Bieres. Eine konkrete Festlegung auf bestimmte Rohstoffe erfolgte für München am 30. November 1487 durch Herzog Albrecht IV. («Der Weise»). Er verfügte, dass zur Bierbereitung nur Wasser, Malz und Hopfen verwendet werden dürfe. Jedoch blieb es nur bei einer lokalen Regelung.

Unmittelbarer Vorläufer des Reinheitsgebotes von 1516 ist eine in Landshut im Jahr 1493 durch Herzog Georg («Der Reiche») für das damals von ihm regierte Teilherzogtum Niederbayern erlassene «Biersatzordnung», die die Bierproduktion auf die Rohstoffe Malz, Hopfen und Wasser beschränkte. All diese offiziellen Regelungen zeigen deutlich, wie wichtig der Bevölkerung das Genuss- und Kulturgut Bier immer schon war und dass es auch im Mittelalter bereits als schützenswert eingestuft wurde.

Tag des Reinheitsgebots: 23. April 1516

Auf diese erfolgreiche Entwicklung ist es auch zurückzuführen, dass am 23. April 1516 beim bayerischen Landständetag – eine Zusammenkunft von Landadel und Ritterschaft – in Ingolstadt durch Herzog Wilhelm IV. das Reinheitsgebot für alle bayerischen Brauer erlassen wurde.

Die Urfassung legte fest, dass Bier nur aus Wasser, Malz und Hopfen gebraut werden darf. Hefe wurde, weil ihre genaue Wirkungsweise im Brauprozess damals noch nicht bekannt war und sie anfangs nicht als Zutat angesehen wurde, später ausdrücklich hinzugefügt.

Das vom bayerischen Herzog Wilhelm IV. im April 1516 erlassene Reinheitsgebot für Bier im Wortlaut.
Das vom bayerischen Herzog Wilhelm IV. im April 1516 erlassene Reinheitsgebot

Waren bis dahin die norddeutschen Brauer aufgrund ihrer strengen Zunftordnung mit ihren Bierqualitäten unerreicht, so änderte sich das. Bayern holte schnell auf, ein Vorteil des süddeutschen Bier- und Braurechts. Hierzu muss man wissen, dass es in Deutschland hinsichtlich des Bieres zwei unterschiedliche Rechtssysteme gab:

Im Norden galt Bier während des Mittelalters als «bürgerliche Nahrung» und unterstand bürgerlichem Recht – das sich in den Städten entwickelt hat, und das ihre Bürger erfolgreich gegen Adel und Geistlichkeit vertraten. Deshalb waren hier das Bier betreffend Verordnungen in erster Linie Sache der Stadtverwaltungen und der Zünfte.

Im Süden hingegen nahmen die Landesherren direkten Einfluss auf alle Verordnungen, die das Bier betrafen. Das wirkte sich beim Reinheitsgebot besonders positiv aus, denn es galt sofort und flächendeckend in ganz Bayern. Steuerliche Gesichtspunkte standen bei diesem Erlass nicht zur Diskussion. Eine Steuer für einheimisches Bier wurde in Bayern auch erst wesentlich später, nämlich 1572, eingeführt. Das strenge Gesetz setzte hingegen einen verbindlichen Qualitätsstandard für ganz Bayern und schob fortan allen Verfälschungen und Panschereien einen Riegel vor.

Je weiter die bayerischen Landesherren damals ihren Herrschaftsraum ausweiteten, desto mehr Bedeutung erlangte das Reinheitsgebot von 1516 auch für das Brauwesen in anderen Landesteilen. Von der Qualität bayerischer, nach dem Reinheitsgebot gebrauter Biere überzeugt, schrieben später auch andere Länder (Baden 1896, Württemberg 1900) die Einhaltung des Reinheitsgebotes für die Bierbereitung vor, ehe es durch Reichsgesetz vom 7. Juni 1906 auch für die damalige Norddeutsche Biersteuergemeinschaft verbindliche Geltung erlangte und seither ohne Unterbrechung für ganz Deutschland gilt.

Auch die Europäische Union hat dem deutschen, nach dem Reinheitsgebot gebrauten Bier den besonderen Rang eines geschützten «traditionellen Lebensmittels» zuerkannt. Eine kuriose Anekdote: Aufgrund einer Klage am Europäischen Gerichtshof dürfen in Deutschland seit 1987 auch Biere ausländischer Brauereien zum Kauf angeboten werden, die nicht nach dem Reinheitsgebot gebraut werden. Deutsche Brauereien jedoch sind gehalten, nach dem Reinheitsgebot zu brauen, und ausschließlich die natürlichen Zutaten Wasser, Malz, Hopfen und Hefe zu verwenden.

Die erstmalige Erwähnung des Begriffs «Reinheitsgebot» wird auf den 4. März 1918 datiert, als der bayerische Landtagsabgeordnete Hans Rauch erklärte: «Wir halten fest am Reinheitsgebote, weil wir der Tradition treu bleiben.» Der Begriff setzte sich bald auch außerhalb Bayerns durch und ist heute in der ganzen Welt bekannt. finden sich Brauereien, die ihr Bier mit dem Schriftzug «Gebraut nach dem deutschen Reinheitsgebot» versehen und damit ihren Konsumenten eine besondere Qualität zusichern. In den USA und in England spricht man vom «German Beer Purity Law». Häufig aber heißt es nur: «The Reinheitsgebot».

Quelle: Deutscher Brauer-Bund

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One Comment

  1. Michael

    Prost

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