Wahre Heldentat eines Preußen in Chile

Vor 170 Jahren ereignete sich in Chile eine wahre Heldentat eines Preußen, der in unserer heutigen chilenischen Gemeinschaft wohl bekannt ist. Es handelt sich um Bernhard Eunom Philippi, der Mitte des 19. Jahrhunderts die deutsche Einwanderung förderte.

Im Februar 1842 entdeckte er, von Melipulli aus kommend, den Llanquihuesee, wodurch er mit dem Intendent (Verwaltungsleiter) von Chiloé, Domingo Espiñeira, gute Bekanntschaft machte. Als Präsident der Republik war ein Jahr zuvor General Manuel Bulnes gewählt worden als Anerkennungen seiner Siege im Krieg gegen die Peru-Bolivianische Konföderation.

Als Philippi im Mai erfuhr, dass die Regierung den Auftrag erteilt hatte in Chiloé einen Segler zu bauen, um die Magellanstraße für Chile in Besitz zu nehmen, meldete er sich freiwillig, um bei diesem Unternehmen mitzuwirken und auch nach den Möglichkeiten eine Kolonisierung dieser Gegend zu erforschen.

Nach der Genehmigung der Regierung arbeitete er als Erstes beim Fertigbau der «Ancud» mit. Dieser kleine Segler, mit einer Kanone bewaffnet, war somit das erste in Chile gebaute Kriegsschiff. Philippis Kenntnisse über See- und Schifffahrtskunde nach der Realschule in Berlin und seine Erfahrung als Leichtmatrose bei der Weltumseglung 1830 auf dem preußischen Seehandelsschiff «Prinzess Louise» waren hierbei sehr nützlich.

Auch hatte er schon 1841 die schwierigen Wetter- und Meeresverhältnisse von Chiloé und die südliche Inselgegend kennengelernt, als er sich schon mit dem Gedanken der deutschen Einwanderung beschäftigte.

 

Aufbruch

Unter dem Befehl von Kapitän John Williams – auch Juan Guillermos genannt – startete der Segler Anfang Juni von San Carlos de Ancud aus mit einer Besatzung von 22 Männern sowie dem Kapitän und Philippi. Zwei Ehefrauen von Besatzungsmitgliedern waren ebenfalls an Bord.

Nach einigen Tagen hatte das Schiff schon 300 Seemeilen hinter sich und die Höhe der Halbinsel Taitao erreicht. In der Zwischenzeit hatten sie zwei englische Walfangschiffe, die «Enterprise» und die «Betzey» getroffen, und Philippi nutzte diese Gelegenheit, um mit Genehmigung der Kapitäne hervorragende Karten der ganzen Inselgegend bis zum Kap Horn abzuzeichnen. Diese Tatsache, und auch die Erkundungen von Admiral Fitz Roy auf der «Beagle» im Jahre 1834 bilden den Ursprung der heutigen vielen englischen Namen der Inseln, Fjorde, Kanäle, Halbinseln und Buchten dieser Gegend. Chilenische Kartographen übernahmen später die gleichen Bezeichnungen.

Ein schwerer Sturm verursachte am 28. Juli den Bruch des Hauptstiftes der Steuerschraube. Der Kapitän entschloss den geeignetsten Mann seiner Besatzung, Bernhard Philippi, auf einem Ruderboot mit den besten fünf Matrosen die 400 Kilometer nach Ancud zurück zu schicken, um die Panne zu beheben. Nach einer zwei Wochen langen Ruderbootfahrt bis Dalcahue und einem Fußweg von 60 Kilometern erreichte Philippi Ancud, wo er dem Intendenten Bericht erstattete.

Es wurde ein neuer Stift fabriziert und mit einem anderen Segelboot Mitte August wieder die «Ancud» erreicht. Der Schaden wurde repariert, die Fahrt zur Magellan-Region fortgesetzt, wo sie am 21. September in der sogenannten Hungerbucht ankamen. Am selben Tag wurde die Meeresstraße feierlich im Namen der Republik Chile in Besitz genommen: Man hisste die chilenische Flagge und gab 21 Salutschüsse ab.

Die Urkunde zu diesem Festakt wurde vom Kapitän, zwei weiteren Offizieren, dem Steuermann und Bernhard Philippi unterschrieben. Dieser firmiert doch als «Freiwilliger Naturalist an der Expedition nach Magallanes im Auftrag der preußischen Regierung».

 

Fuerte Bulnes

Am nächsten Tag traf zufälligerweise das französische Kriegsschiff «Phaeton» ein und ließ ihrerseits die französische Fahne hissen. Dieses Vorgehen wurde diplomatisch aber streng von Kapitän Williams zurückgewiesen, wobei Philippis Französischkenntnisse zur Verteidigung der chilenischen Position und sein Verhandlungsgeschick hilfreich waren.

Nach einer gründlichen Erkundung der näheren Gegend durch John Williams und aufgrund der besonderen Kenntnisse von Philippi und seiner Aufsicht ließ man schließlich «Fuerte Bulnes» erbauen, das feierlich am 30. Oktober 1843 eingeweiht wurde. Die ersten Nachrichten dieser wichtigen Neuigkeiten hörte der Intendent von Chiloé in San Carlos de Ancud vom Kapitän des nordamerikanischen Schiffes «Lapwring», der an jenem Tag als erstes ausländisches Schiff Zeuge der Salutschüsse der chilenischen Garnison geworden war.

Williams ließ eine kleine Gruppe im Fort zurück und machte sich auf den Weg nach San Carlos de Ancud, wo er mit Philippi persönlich und schriftlich von ihren Aufträgen Bericht erstattete. Gleiches taten sie später in der Hauptstadt bei General Bulnes und seinem Innenminister Manuel Montt. Philippi nutzte diese Gelegenheit, um Ihnen seinen Llanquihueplan wieder vorzulegen.

Philippi wurde im Januar 1844 in Anerkennung seiner hervorragenden Dienste zum Ingenieurhauptmann und gleichzeitig von Präsident Bulnes zum Gouverneur von Magallanes und dann als «Comandante de Armas de Magallanes» ernannt. Dieses lehnte er ab, da er an seinen Kolonisationspläne der Llanquihuegegend arbeiten wollte.

Sein Ziel erreichte er einige Jahre später, nachdem er eine Zeit lang in Deutschland hunderte von Auswanderern rekrutiert hatte. Was er aber nicht ahnte, ist, dass er zehn Jahre später diese Ernennung doch noch annehmen würde.

Im Mai 1852 wurde Philippi zum Gouverneur der Region Magallanes in Punta Arenas ernannt. Am 27. Oktober 1852 wurde er dann in dieser Gegend von einheimischen Patagoniern ermordet.

Die Bemühungen und erfolgreichen Taten des Preußen Bernhard Eunom Philippi sollten wir nicht vergessen. Er selbst war ein vorbildhafter Mensch: unternehmungslustig, aufrichtig, zielstrebend, opferbereit, ehrlich, unermüdlich, tapfer und auch bescheiden.

 

Von Bruno Siebert H., Emil-Held-Archiv

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