Tragödien und Leiden

Anlässlich der Erinnerung zum Tag der deutschen Einwanderung nach Chile am 25 August erlaube ich mir, anhand einiger Berichte die Leiden und Strapazen zu schildern, die einige Familien während ihrer Überfahrt durchmachen mussten.

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Von Bruno Siebert H.
Emil-Held-Archiv

Von 1846 bis 1875 kamen rund 8.000 deutsche Einwanderer in Chile an, von denen sich die Hälfte im Süden ansiedelte. Ihre Ankunft geht auf Bestrebungen des Präsidenten General Manuel Bulnes und dessen Nachfolger Manuel Montt zurück und ist zudem dem Interesse und Engagement Bernhard Eunom Philippis und Vicente Pérez Rosales zu verdanken.
Es waren ungefähr 75 Segler, die von Hamburg aus abfuhren, um über den Atlantik und Kap Horn unsere damaligen bescheidenen Häfen von Corral oder Puerto Montt anzulaufen. Es sind nicht viele, aber aus den wenigen Berichten dieser Überfahrten versuche ich ein Bild davon zu machen.
Von Deutschland nach Chile benötigten die Segler damals zwischen 90 und 120 Tage. Die Mannschaft musste ständig gegen die unvorhersehbaren Bedingungen des Klimas kämpfen, Segel hissen, einholen, wechseln, stopfen, auch manchmal sogar die Masten wechseln. Ihre Laune und Bereitschaft hing auch von der Mitwirkung der Passagiere ab. Die Kapitäne und auch die Mannschaft waren meistens harte Männer, reich an Erfahrung, aber arm an technischen Kenntnissen, sie vertrauten dem Kreuz des Südens und anderer Sterne mehr als dem Chronometer.
Die Passagiere, ständig angespannt und auch oftmals schlechter Laune, bereuten so manches Mal diese Herausforderung auf sich genommen zu haben. Viele mussten schreckliche Stunden der Angst erleben. Einige starben und wurden von der trauernden Familie im Meer bestattet. Die Meisten vertrieben sich zudem die Zeit damit, Spanisch zu lernen, ihre Erfahrungen niederzuschreiben, auf die Kinder aufzupassen und sie zu beschäftigen und Fische und Vögel sowie Schiffe zu beobachten.
Die Verpflegung war einfach, eintönig, meistens fad, was zum Ende der Fahrt alles andere als besser wurde. Die bevorstehende Überfahrt zur Drakestraße rund um Kap Horn schwebte wie eine Bedrohung über den Köpfen der Passagiere. Es war für alle eine große Erleichterung, als sie überstanden war.
Ein Passagier schreibt: «…die kahlen Felsenriffe rechts zwischen den Wolken kaum zu sehen, das aufgewirbelte Meer, Wind und Riesenwellen drohen unser Schiffchen samt Besatzung und Passagiere zu verschlingen, das Barometer sinkt von Tag zu Tag, es ist alles vereist, während der Sturm ständig von der Seite angreift.»
Von den Einwanderern sind uns einige schriftliche Erinnerungen hinterlassen worden mit schrecklichen Tragödien, furchtbarer Angst und anderen Unannehmlichkeiten, die sie erleiden mussten, von denen ich einige schildern will.
Federico Ide war 14 Jahre alt, als er mit seiner Familie auf dem Segler «Catalina» im Jahre 1846 nach Chile kam. Später schreibt er einige seiner Erinnerungen auf. Als Erstes erzählt er, dass während der Fahrt vier Passagiere ums Leben kamen und im Meer bestattet wurden, darunter seine Mutter, sein Bruder Karl und noch zwei andere. Durch den schrecklichen Sturm südlich von Kap Horn bricht der Hauptmast und ein Segel geht verloren. Die vereisten Steueranlagen müssen mit heißem Wasser aufgetaut werden. Kapitän Petersen gibt in seiner Verzweiflung alles auf und wird einfach von der Mannschaft abgesetzt. Ein als Passagier mitfahrender Kapitän namens Grün ersetzt ihn. Mit furchtbaren Schäden geht die Fahrt weiter. Sie kommen nach 180 Tagen am 25. August im Hafen von Corral an. Daher gedenken wir ihrer an diesem Datum mit dem Tag der Deutschen Einwanderung.

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Rudolph Amandus Philippi, Bruder von Bernhard Eunom, kam mit dem Schiff «Bonito» an, das am 20. Juli 1851 Hamburg verlassen hatte. Der bekannte Naturforscher, der Vorfahre der ganzen heutigen Nachkommenschaft Philippis in Chile, kam in Begleitung verschiedener Gelehrter, die so manches für Chiles Zukunft geleistet haben. Kaum hatten sie die Elbe verlassen, fiel ein Mann über Bord, der leider nicht gerettet werden konnte. Als sie sich im Le-Maire-Kanal vor Feuerland befinden, zwingen die extrem schlechten Wetterbedingungen sie, ihre guten Gemächer an Deck zu verlassen, um im Zwischendeck Zuflucht zu suchen, wo sie dann auch sechs lange Wochen verbringen. Als sie wieder an Deck dürfen, finden sie vieles zerstört vor – und den Steuermann am Rad aus Sicherheitsgründen festgebunden. Sie sehen endlich wieder Land, und zwar die nackten Inselfelsen von Diego Ramirez. Von da geht es auf dem Pazifischen Ozean weiter bis nach Valparaíso, wo sie am 4. Dezember ankommen.
Karl Anwandter erreichte Chile auf dem Segler «Hermann» am 13. November 1851 in Corral nach einer Überfahrt von nur 90 Tagen. Sein Bericht ist der längste und auch der ausführlichste aller Fahrten dank der Illustration des Autors, der Bürgermeister und Oppositionspolitiker in Calau (Oberspreewald-Brandenburg) war und sich mit seiner Familie in Valdivia ansiedelte. Als Erstes kritisiert er den mangelhaften Umgang, um das Gepäck und andere Waren vor Regen und Unwetter zu schützen, die schon beim ersten Sturm im Ärmelkanal das Hab und Gut in Mitleidenschaft zogen. Er beklagt sich zudem über das wenig höfliche Benehmen der Mannschaft gegenüber den Passagieren und die spärliche Versorgung mit Essen und Trinken an Bord, insbesondere in den letzten beiden Wochen der Überfahrt.
Zwei große Stürme müssen sie erdulden, Mitte September mit starken Winden von Nordosten und dann Südosten, die das Schiff schwer beschädigen, während den Fahrtgästen angst und bange wird. Frauen fielen in Ohnmacht, Kinder schrien und heulten, zwei Tage lang konnte zudem kein Essen oder Wasser ausgegeben werden. Ende September tobte auf der Höhe der Falklandinseln noch ein heftiger Sturm, es gibt Tage mit viel Nebel und Regen.
Anfang Oktober erfolgt die übelste Woche der ganzen Fahrt, denn der Nordwind verursacht ein sehr unruhiges Meer mit heftigen Wellen, so dass man sogar nur mit einem kleinen Segel vorwärts kommt. Regen, Schnee und Eis bedecken das Schiff, schließlich verlangsamen ausbleibende Winde die Reise, während der Wunsch, doch endlich das Ziel zu erreichen, immer größer wird. Ende Oktober fahren sie bei normalem Wetter am Kap Horn vorbei, bis das Schiff schließlich in Corral einläuft.
Die Fahrt der «Victoria» vom 11. September bis zum 12. Dezember 1852 beschreibt Heinrich Fehrenberg. Nach einem Monat auf See stirbt ein kleiner Junge, der nach einem feierlichen Akt von Pastor Geisse im Meer bestattet wird. Am 30. November stehen sie vor der Staaten Insel (Isla de los Estados) und warten auf günstiges Wetter, um die Le-Maire-Straße zu durchqueren. Da die Insel von Vögeln bevölkert ist und mit einem Reichtum an Fischarten in den Gewässern aufwartet, steigen Kapitän Meyer, einige Matrosen und Passagiere in ein Boot, um sie zu erforschen. Dieser Ausflug endet beinahe in einer Tragödie, da schlechtes Wetter unerwartet aufkommt. Das Schiff muss den ganzen Tag und die nächste Nacht auf eine Wiederkehr des Bootes warten. Endlich erscheinen sie am nächsten Morgen vollkommen erschöpft, durchgefroren und nass wieder an Bord. Alle atmen erleichtert auf, sie werden diese Erfahrung und die schrecklichen Wartestunden nie vergessen.
Der Rest der Fahrt verläuft normal weiter. Bei unglaublich gutem Wetter wird das Kap Horn umrundet.
Die «Susanna» fährt vom 1. Juli bis zum 10. November 1852 von Hamburg nach Corral. Karl Dietrich Junior berichtet davon. Im September kommt ein sehr heftiger Sturm auf. «Niemand konnte an Deck, die Wellen überfluteten das Schiff bis zu den Passagieren im Zwischendeck, was Schrecken und Chaos erregte. (…) Oktober hatten wir nochmal einen wilden Sturm, der alles was an Deck war, einfach wegfegte; Käfige mit Schweinen und Hühnern zur Verpflegung gingen verloren. (…) In der Nähe von Kap Horn trieb uns der Wind zweimal zurück. (…) Das ganze Deck war mit Eis bedeckt und alles musste man abschaben, um überhaupt Taue oder andere Werkzeuge brauchen zu können.»
Es brach einer der Masten, der an der Flanke des Schiffes andauernd gefährlich aufschlug. Ein an Seilen befestigter Matrose ließ sich unter Lebensgefahr bis zum Wasser herunter, um das Problem zu lösen. Eine Heldentat zwischen Leben und Tod! Frau Wähle stirbt an Bord und wird im Meer bestattet. Einer von den Söhnen stirbt später in Puerto Montt und der Vater verirrt sich in den Sümpfen von Totoral und erscheint nie wieder. Das unglückliche Los einer Familie!

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Es gibt einen kurzen Bericht von Frau Sophie von Bischofshausen geb. von Eschwege, die mit dem Segler «Grasbrock» am 5. Juni von Hamburg mit ihrem Mann Gustav und ihren sechs Kindern zwischen einem und 13 Jahren abfuhren und am 28. Oktober 1854 in Corral ankamen. Man merkt, dass sie sehr vorsichtig formuliert, um die zurückbleibende Mutter in Deutschland nicht aufzuregen. Dennoch erzählt sie von schlimmen Stürmen, die alles vom Deck fegten, dass alle seekrank waren und den lieben Gott ständig um Hilfe anflehten. Am Ende der Fahrt zeigt sie sich glücklich und erleichtert, dass sie und ihre Familie nach den schrecklichen Strapazen und den unglaublichen Gefahren ihr Leben retten konnten.
August Hoffmann, der sich später auf der Insel Tenglo ansiedelte, erzählt von der Reise des Schiffes «Alfred» vom 16. August bis zum 22. Dezember 1856. Am Anfang beschreibt er die allgemeine Seekrankheit und berichtet von vielen, die schon bereuen, dieses Abenteuer überhaupt gewagt zu haben. Kaum war ein Sturm zu Ende und damit auch die Seekrankheit, fing schon der nächste an.
Viele schrien und weinten, niemand konnte schlafen und alle beteten um ihr Leben zum lieben Gott. In diesen Verhältnissen kommt ein Kind zur Welt, das zur Erinnerung an das Schiff auf den Namen Alfred getauft wird. Einige Tage später stirbt ein Junge, sein Körper kommt in einen Leinensack, dann auf ein langes Brett auf die Reling, und nach einem kurzen Gebet wird er im Meer bestattet.
Gleich nach dem Ärmelkanal stirbt noch ein Junge und vor der Küste Spaniens ein anderer Passagier, der schon krank an Bord gekommen war. Man muss sich einmal das Leid und den Kummer der Familienangehörigen vorstellen! Nach und nach erscheinen auch plagende Läuse. Zudem werden Diebstähle gemeldet. Das Zusammenleben wird schwieriger, die Nahrungsmittelversorgung neigt sich dem Ende entgegen, das Wasser stinkt und wird ebenfalls knapp.
Vor der Äquatorlinie erkrankt noch ein Junge, Karl, aus der Familie Hoffmann. Nach der Behandlung durch einen erfahrungslosen Arzt stirbt er am 21. September. Die traditionellen Festlichkeiten der Überquerung der Äquatorlinie bringen den betroffenen Familien eine kleine Abwechslung und etwas Trost angesichts ihrer traurigen Lage.
Vor Feuerland erleben sie noch einmal einen schweren Sturm, der wieder Angst und Schrecken verursacht. Im südlichen Meer treffen sie ein preußisches Kriegsschiff mit einem gebrochenen Mast und in sehr schlechtem Zustand. Noch ein Kind wird in dieser Gegend geboren, zum Glück sind Mutter und Sohn wohlauf! Leider stirbt aber auch noch ein Passagier; die Bestattung im Meer ist schon beinahe zu einer peinlichen Routine geworden.
Ende November ziehen sie mit großem Wellengang an Kap Horn vorbei. Hoffmann fügt hier ein Gedicht zum Thema ein und zwar mit der Meinung, dass die Poesie besser als die Prosa geeignet ist, um einige Ereignisse eindrucksvoller zu beschreiben.

Der Sturm
Was brauset ihr Wogen so kühn heran
Und schäumet mit grimmiger Gebärde?
Im Sturm durchbrecht ihr die schaurige Bahn
Wildstürzend vom Himmel zur Erde
Nichts hemmt euch in eurem donnernden Lauf
Denn Woge auf Woge drängt sich herauf

Das Schifflein – o Jammer – mit Sturmesgewalt
Schießt es tiefer sein Antlitz verberge,
Doch wieder mit wütendem Donnerschlag
Wirds emporgeschleudert zu Licht und Tag

Und immer höher empört sich das Meer
Uns schleudert im Tosen der Fluten
Wildbrausend den stöhnenden Mast einher
Da heißt es, Matrosen, euch sputen!
Und jäh – mit des Blitzes Schnelligkeit
Ist das Schifflein zum Todeskampfe bereit

Schon sind die Masten des Schmuckes beraubt
Schon tauchten die untersten Rahen
Entblößt ins Meer – wo das Ungetüm schnaubt,
Da sah ich – was wir nie sahen
In schwindelnder Höhe – ein junger Matros
Er trotzt den Gefahren, die riesengroß
Tod in den Fluten ist Seemannslos.

Alle hoffen auf ein baldiges Ende dieser Höllenfahrt. Im Pazifischen Ozean stirbt noch der sechste und letzte Passagier. Am 15 Dezember, nach 120 Tagen des Schreckens und Leidens, kommen sie in San Carlos de Ancud an und erreichen später mit einem Küstenlotsen nach Puerto Montt.
Eine wahre Tragödie erlebten die Passagiere des Seglers «Reiherstieg» unter Kapitän Stammjohann, der am 15. August 1857 aus Hamburg abfuhr und am 12. Dezember in Corral einlief. Während der Fahrt entstand eine Typhusepidemie aufgrund des schlechten Essens an Bord, die im Ganzen 24 Leuten das Leben kostete – eine Tragödie, die in Chile großes Aufsehen erregte.
Auf dieser Fahrt kam Georg Haverbeck aus Göttingen mit seiner Frau Rosine Grube und zwölf Kindern, von denen sechs an dieser Krankheit starben. Das dreizehnte Kind, Edmund, kam noch an Bord zur Welt, als sie gerade Kap Horn überwunden hatten. Nebenbei sei gesagt, dass der siebte Sohn, Albert Karl, der Gründer einer mit Sitz in Valdivia weitbekannten Schifffahrtsgesellschaft wurde, Haverbeck und Skalweit genannt.
Der Segler «Australia» fährt am 6 September 1858 von Hamburg ab und kommt in Valdivia am 30. Januar und dann in Talcahuano am 8. Februar 1859 an. Der Einwanderer Johann Friedrich Wilhelm Jacobs, der sich in der Kolonie «Human» bei Los Angeles ansiedelt, erzählt, dass «die Leute klagen über Läuse und Diebstahlfälle, es entstehen Probleme unter den Passagieren, Misstrauen, Neid und schlechte Laune. Der Kapitän ist empört über das Verschwinden von 30 Flaschen Wein. (…)
Im Dezember, und beinahe schon an Kap Horn, kommen schwere Stürme, die Matrosen haben Gesicht und Hände mit Wunden vom ständigem Wind, Schnee und Eiseskälte. (…) Im Januar gibt es wieder Riesenstürme und man glaubt, dass sie die Seitenwände des Schiffes durchbrechen würden. (…) Die Leute klagen über schlechtes Essen, das man kaum zu sich nehmen kann. (…) In einem Moment kommt eine riesengroße Welle, die ganz übers Deck strömt und sogar das Zwischendeck mit Wasser überfüllt.»
Die Fahrt des Seglers «Iserbrook», vom 30. Juni aus Hamburg bis zum 1. November 1860 in Puerto Montt, wird im Buch von der Familie Raddatz von Patricio Legarraga kurz erwähnt. An Bord: 98 deutsche Auswanderer, 50 Männer und 48 Frauen aus Deutschland, hauptsächlich aus Schlesien (Zillertal), und ein Passagier aus Dänemark. 15 von ihnen reisten privat und zahlten die Überfahrt aus eigener Tasche. Ein junges Mädchen, die 17-jährige Mathilde Haltenhof, stirbt an Bord und wird auf hoher See bestattet. In Puerto Montt beklagen sie sich schriftlich beim Verwaltungsleiter Gaspar del Río über die schlechte Verpflegung an Bord und auch über den Preis der Fahrkarten für Privatpassagiere. Der Einspruch wird anerkannt und die Beträge vom Verwaltungsleiter zurückerstattet.
Es gibt auch einen Bericht der Reise des Seglers «Etienne» von Bernard Gottschlich mit deutschen und österreichischen Auswanderern. Sie fuhren in Hamburg am 21. November 1874 ab und kamen am 28. Februar des nächsten Jahres in Puerto Montt an. Sie hatten bereits in der Nordsee Schwierigkeiten, als sie elf Tage lang einen starken Sturm aushalten mussten.
Später lagen sie in der Äquatorgegend bei absoluter Windstille einen Tag lang regungslos im Meer. Am 2. Februar fuhren sie am Kap Horn vorbei. Danach irrten sie drei Wochen lang mit fürchterlichen Stürmen im Pazifischen Ozean umher, bis sie endlich in Ancud und danach in Puerto Montt ankamen. Im Ganzen fuhren sie 100 Tage. In Puerto Montt verlangte man von ihnen eine Bescheinigung über eine angebliche gute Betreuung zu unterschreiben, was einige energisch ablehnten und andere es nur mit Vorbehalten taten.
Innerhalb dieser 30 Jahre ist nichts von einem Schiffsbruch von Seglern mit Einwanderern bekannt – andernfalls wäre mit Sicherheit der Strom an Immigranten versiegt. Allerdings wird die Geschichte vom Segler «Emmy» berichtet, der mit ungefähr 50 deutschen und schwedischen Immigranten an Bord bei den Kanarischen Inseln im Dezember 1850 notstrandete; sie waren ein Monat davor von Hamburg abgefahren, um in Chile eine neue Heimat zu finden, was ihnen leider nicht glückte.
Was man aber auch weiß, ist, dass in diesen drei Jahrzehnten 30 Frachtsegler in der Gegend um Kap Horn tragische Schiffbrüche erlitten, davon 17 englische, sieben nordamerikanische, vier französische, drei deutsche, zwei chilenische, ein holländisches, zwei argentinische und ein dänisches.
Dazu kommen auch noch acht Frachtschiffe, welche untergingen, als sie durch die Magellanstraße fuhren, um sich das Drakemeer zu ersparen. Darunter: drei französische, zwei englische und drei chilenische Schiffe. Mit Recht haben die Spanier vom 16. bis zum 19. Jahrhundert diesen Umweg gemieden und stattdessen zu Fuß die Panama-Landenge zum Pazifischen Ozean überquert.
Wenn wir hiermit den Tag der deutschen Einwanderung nach Chile gedenken, wollen wir diesen Pionieren, die damals das schon hochentwickelte aber auch unruhige Deutschland verließen, zwei Ozeane mit großen Gefahren durchkreuzen mussten, um am Ende der Welt in einer absoluten Unsicherheit sich eine neue Heimat zu schaffen, unsere Hochachtung ausdrücken .

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