Die Schwestern Lísperguer-Blumen: Hexen und «La Quintrala»

Pedro Lísperguer und Agathe Blumen hatten drei Töchter namens Maria, Agathe Magdalena und Catalina. Zwei gingen als die «Hexen von Talagante» in die Geschichte ein, die dritte wurde als die berühmt-berüchtigte «Quintrala» bekannt.

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Agathe heiratete den Hauptmann Pedro Ordóñez Delgadillo. Das Paar hatte keine Kinder. Ihr Hab und Gut vermachte sie in ihrem Testament dem Augustinerorden, der auch später von der Familie Lísperguer reich beschenkt wird. Maria schließlich heiratete den Hauptmann Juan de Cardenas y Añasco. Doch auch dieses Paar blieb kinderlos.

Zwar werden Maria und Catalina Lísperguer in der Gesellschaft als zwei «entzückende Damen» bezeichnet – doch hinter vorgehaltener Hand wurde gemunkelt, sie stünden mit dem Teufel heimlich in Verbindung. Auf Grundlage dieses Gerüchtes über die beiden samt der Mutter entspringt die chilenische Sage von den «Hexen von Talagante».

Im Jahr 1603 wurden Maria und Catalina Lísperguer angeklagt, sie hätten versucht, den Statthalter (gobernador) Alonso de Ribera zu vergiften. Dieser war zwar zunächst ein Freund von Juan Rodulfo Lísperguer gewesen, was sich im Laufe der Zeit allerdings zu einer regelrechten Feindschaft entwickelte. Maria lebte getrennt von ihrem Mann und war offenbar eine Liebschaft mit dem Statthalter eingegangen. Als dieser eine andere Dame aus Concepción heiratete, kam es zu Eifersucht und Rachegelüsten. Über einen indigenen Ureinwohner ließen die beiden Schwestern dem Statthalter heimlich ein Glas mit vergiftetem Wein servieren. Das Opfer hatte allerdings Glück: Don Alonso überlebte. Die beiden Schwestern fanden, von der Justiz verfolgt, Zuflucht bei den Augustinern.

Don Alonso de Ribera andererseits war in Konflikt mit der Kirche geraten. Ein Geistlicher hatte einen eifersüchtigen Ehemann mit einem Kandelaber erschlagen, als er ihn auf frischer Tat ertappte, «die Ehre des Hauses befleckt zu haben». Der Geistliche wurde deshalb ausgepeitscht und der Gouverneur exkommuniziert. Die beiden Schwestern kamen ungestraft davon; ihre Seelenrettung wurde mit unzähligen Messen bezahlt, die sie in ihren Testamenten hinterließen.

Catalina heiratete Gonzalo de los Ríos y Encío, Sohn des Landesrichters mit gleichem Namen und dessen Frau María de Encío. Diese war eine der Geliebten von Pedro de Valdivia gewesen (von Inés de Suárez behauptet man das Gleiche), der ihr «zum Dank erwiesener Dienste» große Ländereien in La Ligua überlassen hatte, bevor seine eigentliche Frau Marina de Gaete in Chile eintraf.

Zur Erinnerung sei gesagt, dass Pedro de Valdivia seinen Landsmann Jerónimo de Alderete nach Spanien schickte, um Hilfe zu holen. Nebenbei hatte er ihn auch beauftragt, seine Ehefrau Marina nach Chile zu holen. Valdivia wurde aber in der Schlacht von Tucapél 1553 von den Araukanern unter Lautaro getötet und Alderete starb auf der Rückreise 1536 an einem Fieber in Panama.

 

«La Quintrala»

Gonzalo de los Ríos y Encío und Catalina Lísperguer hatten zwei Töchter. Bei der Geburt der zweiten – etwa im Jahr 1603 – starb die Mutter. Die Tochter erhielt gleichen Namen.

Von Catalina de los Ríos y Lísperguer sind schon viele geschichtliche Bücher und Romane geschrieben sowie Filme und Fernsehserien mit Erfolg gedreht worden. Man könnte an dieser Stelle der Versuchung erlegen, dieses anrüchige Kapitel über die Frau, die auch als «La Quintrala» bezeichnet wurde, ganz wegzulassen. Allerdings ist auch fraglich, ob alle Geschichten, die sich um ihre Person ranken, tatsächlich wahr sind oder ob nicht absichtlich übertrieben wurde, um den Mythos noch zu verstärken. Jedenfalls wird der Eindruck erweckt, als ob diese Frau nur die schlechtesten Eigenschaften ihrer Vorfahren – also den Picunches, Spaniern und Deutschen – geerbt hat.

Als sie noch klein war, nannte man sie «Catrala». Daraus aber wurde mit der Zeit «Quintrala», weil sie rotes Haar hatte wie der schöne, aber schädliche rote Schmarotzer, der auf einigen Bäumen in Chile wächst. Mit 16 Jahren soll sie ihren kranken und bettlägerigen Vater mit einem vergifteten Huhn umgebracht haben.

Später – so wird behauptet – ließ sie einen Kavalier ermorden, den sie mit einem Brief in ihr Zimmer gelockt hatte. Es kam zum Prozess, doch wurde sie mit Hilfe einer bezahlten Falschaussage eines schwarzen Sklaven, der die Schuld auf sich nahm, freigesprochen. Der Sklave wurde allerdings am Ende erhängt.

Um die Enkelin zu bändigen, bemühte sich die Großmutter Agathe sie mit einem geeigneten Ehemann zu verheiraten. Im September 1626 feierte man die Hochzeit mit Don Alonso de Campofrío y Carvajal, der für seinen mutigen Schritt eine saftige Mitgift von 45.000 Goldpesos erhielt.

Es stellte sich heraus, dass Don Alonso seiner Frau in gemeinen Grausamkeiten nicht nachstand. Die Meldungen über Missbrauchsfälle und Folter von indigenen Ureinwohnern verschafften La Ligua einen so schlechten Ruf, dass sich sogar der örtliche Vikar gezwungen sah, Don Alonso rechtliche Vorhaltungen zu machen. Das mörderische Paar reagierte prompt und beauftragte einen verwandten Augustinermönch, den Vikar durch einen schwarzen Sklaven umbringen zu lassen. Tatsächlich wurde der Vikar auch gefoltert, kam aber mit dem Leben davon und wurde später sogar Rektor eines Seminars.

 

Das Horrorhaus

Catalina wohnte einige Zeit in Santiago in einem Haus in der heutigen Straße Huérfanos, in dem es permanent zu Missbrauchsfällen kam. Noch bis ins 20. Jahrhundert wurde gemunkelt, nachts würden die Schreie, das Weinen und Wimmern der Drangsalierten durch die Gänge dringen. Kein Wunder, dass es das Dienstpersonal in dem Horrorhaus damals immer nur für eine kurze Zeit aushielt. Es soll sogar ein geheimer Gang existiert haben, der zum Augustinerkloster führte, wo die Quintrala mit den Geistlichen dieses Ordens «Beziehungen aller Art» unterhielt.

Am 13 Mai 1647 erschütterte ein starkes Erdbeben Santiago, wobei das Augustinerkloster zur Hälfte zerstört wurde. Für eine gewisse Zeit verfrachtete man den «Cristo de la Agonía», später auch «Cristo de Mayo» genannt, ins Haus der Catalina. Als dann eines Tages die Hausherrin einen Sklaven auspeitschte, soll die Christusfigur mit Entsetzen und vorwurfsvoll auf das Geschehen geblickt haben. Catalina packte das Kruzifix und schmiss es mit den Worten auf die Straße: «Raus! Ich will niemanden in meinem Haus, der mich böse anguckt!»

Es vergingen 30 Jahre, bis ein Prälat nach La Ligua kam und Catalina des Mordes in 35 Fällen anklagte, darunter durch Giftzugabe, Auspeitschen oder Erdrosselung. Allerdings fand sich kein Richter, der es wagte, sie zu verurteilen. Die richterliche Untersuchung wurde erst nach ihrem Tod öffentlich bekannt und gab ein erschütterndes Dokument menschlicher Verirrung, die die typischen Züge einer Sadistin aufwies.

Nach einer kurzen Krankheit starb die «Quintrala» am 6. Januar 1665. Ihr Leichnam wurde im Augustinerkloster beigesetzt. Familiennachkommen des Lísperguer-Clans ließen die Gebeine ihrer verstorbenen Verwandten in andere Klöster verbringen, um sie nicht neben der schrecklichen «Quintrala» liegen zu lassen.

Ihr Erbe wurde nach der Testamentseröffnung verteilt. Die Güter von Petorca und La Ligua bekamen die Augustiner. Ein Gut im Süden ging an die Jesuiten. Ein Neffe erhielt 20.000 Goldpesos, allerdings unter dem Versprechen, Geistlicher zu werden und jeden Tag für sie zu beten. Den Rest vermachte sie der Kirche für die Rettung ihrer Seele. Am Tag ihres Todes sollten 1.000 Messen gelesen werden, in der darauffolgenden Zeit sogar 25.000. Für den «Cristo de Mayo» hinterließ sie 6 000 Goldpesos, um jedes Jahr am 13. Mai einen christlichen Aufzug zu finanzieren.

Don Alonso und Catalina hatten nur einen Sohn, der mit zehn Jahren starb.

 

Bruno Siebert, Emil-Held-Archiv

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