Mecklenburg-Vorpommern: Neugebildet aus alten Teilen

29. Juni 2011 von

Mecklenburg-Vorpommern existiert zwar im Zuge der deutschen Wiedervereinigung erst seit 1990. Doch die beiden Teile des ostdeutschen Bundeslandes an der Ostsee blicken auf eine sehr lange und abwechslungsreiche Geschichte zurück.

Gegründet, aufgelöst und wieder gegründet – grob vereinfacht kann so die bisherige Entwicklungsspanne von Mecklenburg-Vorpommern zusammengefasst werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg ordnete die Sowjetunion innerhalb ihrer Besatzungszone die Bildung des Landes aus den ehemaligen Teilen Mecklenburg, Vorpommern und einer Gemeinde im niedersächsischen Landkreis Lüneburg an. Das so entstandene Mecklenburg-Vorpommern hatte allerdings nicht lange Bestand, denn bereits 1952 wurde es im Zuge einer Verwaltungsreform der DDR aufgelöst und in drei Bezirke zerschlagen. Nach dem Fall der Mauer und mit der deutschen Einheit wurde das Bundesland schließlich wieder ins Leben gerufen.

Der zusammengesetzte Name des Bundeslandes weist allerdings darauf hin, dass die beiden zuvor eigenständigen Einheiten schon lange vorher existierten. So taucht das Wort Mecklenburg erstmals in einer Urkunde im Jahr 995 auf. Es bezeichnete damals eine slawische Burg im heutigen Dorf Mecklenburg bei Wismar und bedeutet so viel wie Große Burg. Die Anlage ist heute nicht mehr erhalten, nur noch ein Erdwall zeugt von dem Hauptsitz der Fürsten und Herzöge von Mecklenburg.

Die Karte zeigt im Jahr 1934 das Land Mecklenburg sowie die beiden preußischen Provinzen Pommern und Brandenburg sowie im Jahr 2008 den deutsch-polnischen Grenzverlauf an der Oder. Der westliche zu Deutschland gehörende Teil des Pommerns bildet mit Mecklenburg an das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern.

Einwanderung der Slawen

Im Zuge der Völkerwanderung ab dem 4. Jahrhundert waren germanische Stämme aus dem Ostseeraum ausgewandert. Der wahrscheinlich kaum bevölkerte Landstrich wurde dann ab dem 6. und 7. Jahrhundert von den aus Osten einwandernden Slawen besiedelt. Zu den Stämmen zählten die Wilzen sowie die Obodriten, die ihre erwähnte Hauptburg im heutigen Dorf Mecklenburg anlegten. Der Name der Obodriten bedeutet Nachkommen des Obodr, des sehr Wachsamen.

Die beiden westslawischen Volksverbände lagen aufgrund von Erbfeindschaft in dauerndem Krieg. Ende des 8. Jahrhunderts setzten sich die Obroditen schließlich im Bündnis mit den Franken unter Karl dem Großen gegen die Wilzen erfolgreich durch. Doch nach der Beendigung der Sachsenkriege rückte die fränkisch-deutsche Reichsgrenze unmittelbar an das Gebiet der Nordwestslawen heran und brachte auch die Obodriten in Bedrängnis.

Die deutschen Expansionsabsichten mittels Burgenbau und Christianisierung scheiterten zwar 983 zunächst am großen Slawenaufstand. Aber mit dem Tod des Obodritenfürsten Niklot im Jahr 1160 zerfiel dessen Staat endgültig. Das Herrschaftsgebiet der slawischen Fürsten zu Mecklenburg wurde nach einer dänischen Besetzung dauerhaft in das Heilige Römische Reich Deutscher Nation eingegliedert.

Es folgte die Kolonisierung mit zehntausenden deutschen Siedlern aus Westfalen, Niedersachsen, Friesland und Holstein. An Stelle der slawischen Burg Zuarin wurde die Stadt Schwerin gegründet, es entstanden planmäßig und großflächig angelegte Dörfer. Ein wichtiges bis heute bestehendes Kulturgut war die niederdeutsche Sprache, die sich mit den Siedlern sowohl in ihrer westfälischen, als auch ihrer nordniedersächsischen Ausprägung in Mecklenburg ausbreitete.

Das Land erfuhr zwar drei Teilungen, wurde aber bis auf eine zweijährige Ausnahme, als während des Dreißigjährigen Krieges der kaiserliche Feldherr Wallenstein von 1628 bis 1630 als Herzog das Staatssystem reformierte, vom Herrschergeschlecht der Obodriten regiert. Erst mit dem Sturz der Monarchie 1918 erlangten die mittlerweile zwei Landesteile Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz den Status eines Freistaats ohne Monarchen. Auf Druck der Nationalsozialisten wurden die beiden Teile wieder zum Land Mecklenburg vereinigt.

 

Pommern: am Meer gelegen

Wie im Fall Mecklenburgs waren auch für die Region Pommern die Slawen ausschlaggebend für die Namensgebung. Den das slawische po more bedeutet am Meer gelegen und meint einen Streifen an der Ostsee, der bis zu 200 Kilometer weit ins Binnenland reicht und sich vom Nordosten des heutigen Deutschlands bis zum Nordwesten des heutigen Polens erstreckt. Nachdem die germanischen Einwohner dieses Gebiet im Zuge der Völkerwanderung verlassen hatten, nahmen Slawen ihren Sitz ein. Östlich des Flusses Oder siedelnde Slawen wurden Pomoranen genannt.

Auch diese Slawen gerieten ab dem 10. Jahrhundert in den Einflussbereich ihrer starken, christlichen Nachbarn mit deren expansiven Interessen: Aus dem Westen drohten ihnen die deutschen Landesfürsten des Heiligen Römischen Reichs, vom Norden her die Dänen und aus dem Südosten die polnische Herrscherdynastie der Piasten, Nachkommen des Stammes der Polanen (altslawisch Feldbewohner). Die Pomeranen waren zwar stets bemüht, ihre Unabhängigkeit zu wahren, wurden aber schließlich doch in drei Feldzügen von den Polen Anfang des 12. Jahrhunderts unterworfen. Zeitweilig wurde das Gebiet zudem von Dänemark besetzt.

Mit der Eingliederung Pommerns in das römisch-deutsche Reich setzte im 12. und 13. Jahrhundert wie in Mecklenburg eine massive, systematische Besiedlung von deutschen Kolonisten ein, gefördert durch die regionalen Fürsten und Herzöge, die die Steuerkraft und Einwohnerzahl ihres Lehens steigern wollten. Pommern wurde Teil des niederdeutschen Sprachraums. Die Küsten- und Handelsstädte erlebten bald nach ihrer Gründung durch die Hanse einen bis zu deren Niedergang anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung.

 

Übergang an Preußen und Teilung

Die Neutralität Pommerns im Dreißigjährigen Krieg nützte dem Land nicht viel. Pommern wurde wechselseitig von den kaiserlichen Truppen unter Wallenstein und den Schweden unter Gustav II. Adolf geplündert. Pommern verlor in den Auseinandersetzungen fast zwei Drittel der Bevölkerung. Das Land war wirtschaftlich schwer angeschlagen, ein Teil stand unter schwedischer Besatzung, ein Teil gehörte zu Brandenburg. Nach einer zweimaligen französischen Eroberung in den Jahren 1807 bis 1810 sowie 1812/13 ging das Gebiet als Provinz Pommern an Preußen.

Nach dem Ersten Weltkrieg blieb Pommern von den Konsequenzen des Versailler Vertrages weitgehend verschont. Nur ein winziger östlicher Teil von nicht einmal zehn Quadratkilometern ging an Polen verloren. Das wurde mit der Eroberung durch die Rote Armee und dem Ende des Zweiten Weltkriegs anders: Mit der Festlegung der deutsch-polnischen Grenze entlang der Oder-Neiße-Linie (siehe Infokasten) wurde Pommern geteilt.

Gebiete östlich der Oder kamen unter polnische Verwaltung, später fiel die westlich der Oder gelegene Provinzhauptstadt Stettin ebenfalls an Polen. Aus dem in Deutschland verbliebenen westlichen Teil, genannt Vorpommern, wurde dann, wie bereits erwähnt, mit dem Freistaat Mecklenburg das Land Mecklenburg-Vorpommern gebildet.

Verwandte Artikel

Share