Mutig seinem Gewissen gefolgt

75. Todestag von Claus Schenk Graf von Stauffenberg (Teil 1)

Als ein Schlüsselereignis der jüngeren deutschen Geschichte gilt das gescheiterte Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944. Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg steckte hinter dem Attentat, wurde noch in der selben Nacht hingerichtet und gilt heute als Vorbild. Wer war der schwäbische Adelige, der vom Bewunderer Hitlers zu dessen größten Gegner wurde?

Geschichte 50 Jahre Stauffenberg
Claus Schenk Graf von Stauffenberg mit seiner Familie

Claus und seine Brüder Berthold und Alexander wuchsen in einer adligen Familie mit militärischer Tradition auf. Ihr Vater war höchster Hofbeamter des Königs von Württemberg gewesen, ab 1918 dann der Verwalter der verbliebenen Güter des letzten Königs und nach seinem Tod 1921 verwaltetet er sie im Namen der herzoglichen Familien. Die Mutter war eine geborene Gräfin Üxküll. Die Familie hatte in der Vergangenheit mehrere höhere Offiziere in österreichischen oder deutschen Diensten gestellt.

Nationalgefühl und Heldentum

Alle drei Brüder fühlten sich zum Dienst für das Vaterland berufen. Claus, der 1907 geboren wurde, begann seine Militärkarriere mit 19 Jahren. Die Stauffenbergs wurden stark von den nationalen Gedanken des Dichters Stefan George geprägt, zu deren Freundschaftskreis sie zählten. Der Dichter erweckte in ihnen auch das Heldentum, so dass auch besonders Claus den Sinn des Lebens in einer Heldentat fürs Vaterland, für das Reich zu erkennen meinte. Der Soldat müsse sein Leben für die Nation opfern, wenn es nötig ist. 

Viele der Gedanken des Dichters und seiner Freunde deckten sich auch mit dem Tenor der nationalsozialistischen Ideenwelt, so wundert es denn auch nicht, dass die Stauffenberg-Brüder zunächst auch nichts gegen die Führerfigur an sich hatten und von einem  neuen starken deutschen Reich träumten. 

Vom begeisterten Offizier zum Hitlergegner

1926 startete Claus seine militärische Laufbahn im Bamberger Reiter Regiment 17. Bis 1938 absolvierte er seine Offiziersausbildung und zählte 1944 zu den besten Offizieren. Praktische Kriegserfahrungen erlangte er bei der Besetzung des Sudetenlandes, beim Überfall auf Polen und im Frankreichfeldzug. Beim Einsatz in der 10. Panzerdivision in Afrika Anfang 1943 wurde er schwer verwundet, wobei er ein Auge, die rechte Hand und zwei Finger der linken Hand verlor. 

Mit seiner Beförderung zum Oberst am 1. Juli 1944 wurde er Chef des Generalstabs beim Befehlshaber des Ersatzheeres Generaloberst Fromm. Damit hatte er direkten Zugang zu Hitler anlässlich von Lagerbesprechungen im Hauptquartier Wolfsschanze. 

Zuvor hatte sich jedoch seine Haltung zum Führer und zum Nationalsozialismus grundlegend geändert. Er erkannte bereits im Herbst 1943 zunehmende Fehlentscheidungen Hitlers und eine Eskalation der Verbrechen durch die SS. Der Oberst stand in Verbindung zum Kreis der Militäropposition, die nur noch in einem Attentat gegen Hitler, wenn möglich auch gegen Hermann Göring und Heinrich Himmler, eine Beendigung dieser verheerenden Kriegspolitik erblickten.

Der Kreis um Carl Goerdeler und Ex-General Ludwig Beck hatten den Umsturz schon länger geplant und einen Entwurf einer Regierungserklärung nach dem Sturz Hitlers ausgearbeitet. Mit Claus Stauffenberg stand nun ein Offizier in direktem Kontakt zum Führer, der ein Attentat ausüben könnte.     

«Operation Walküre»

Alles war durchgeplant, man wollte nur noch den rechten Augenblick abwarten. Die ersten Gelegenheiten am 6., 11. und 15. Juli 1944 wurden nicht genutzt, denn zu diesen Terminen waren die gefährlichsten Männer nach Hitler, der Reichsmarschall Hermann Göring und der Reichsführer SS Heinrich Himmler, nicht anwesend. Ziel war es bis dahin alle drei gleichzeitig auszuschalten. Die Zeit aber drängte, denn die Lage Deutschlands wurde immer bedrohlicher, der Krieg schien bereits verloren. Stauffenberg wollte nun entschlossen wenigstens ein moralisches Zeichen setzten und begnügte sich auch mit einem Attentat allein gegen Hitler.

Ein Zwölfpunkteprogramm sollte nach dem Attentat verlesen werden, indem man wieder das Recht in Deutschland aufstellen wollte. Meinungs- und Pressefreiheit sollten wieder gewährt werden, eine Neuordnung der Verwaltung war vorgesehen, um die Korruption zu beenden und die christliche Gesinnung sollte das Fundament der neuen Staatlichkeit bilden. 

In dem Operationsplan «Walküre» hatten General Friedrich Olbricht gemeinsam mit Stauffenberg und seinem Freund Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim Verbindungen zu vertrauenswürdigen Offizieren an wichtigen Schaltstellen geknüpft, um die Ordnung nach Bekanntgabe des Attentats und Umsturzes zu sichern.     

Alles lief zunächst nach Plan. Oberst Stauffenberg flog am frühen Morgen des 20. Juli 1944 vom Militärflugplatz Rangsdorf bei Berlin nach Rastenburg in Ostpreußen, wo er in der Wolfsschanze zum Vortrag beim Führer erwartet wurde. Wieder fehlten zwar Göring und Himmler, aber man wollte dennoch an diesem Tag handeln. Vor der um 12.30 Uhr angesetzten Lagebesprechung entschärfte Stauffenberg eine der beiden mitgebrachten Bomben in seiner Aktentasche in einem der Aufenthaltsräume. Die unter einem massiven Eichentisch abgelegte Aktentasche explodierte dann um 12.42 Uhr. Stauffenberg hatte sich zuvor mit seinem Adjutanten Haeften unter einem Vorwand entschuldigt und konnte 13.15 Uhr nach Berlin zurückfliegen.

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