Jakob Fugger – Großunternehmer der ersten Stunde

Albrecht Dürer malte dieses Porträt von Jakob Fugger wahrscheinlich um 1519.
Albrecht Dürer malte dieses Porträt von Jakob Fugger wahrscheinlich um 1519.


Beim Übergang vom Feudalismus hin zum Frühkapitalismus im ausgehenden 15. Jahrhundert war er einer der ersten Großunternehmer: Jakob Fugger baute in Europa ein gigantisches Imperium von Weltgeltung auf.

Von Arne Dettmann

Wer war der reichste Mensch, der jemals gelebt hat? Vielleicht der Mongolenherrscher Dschingis Khan, dessen Eroberungen sich von Asien bis nach Europa erstreckten? Oder Microsoft-Gründer Bill Gates mit schätzungsweise 79 Milliarden US-Dollar Vermögen?

Immer wieder bemühen sich Ranglisten auf diese Frage eine Antwort zu geben. Doch das Anliegen gestaltet sich meist als schwierig, denn Reichtum ist ein relativer Begriff. Riesige Ländereien einfach zu besitzen sagt noch nichts darüber aus, ob ein materieller Nutzen daraus gezogen wird. Und viel Zaster auf dem Konto zu haben bedeutet nicht zwangsläufig auch viel Macht ausüben zu können.

Der US-Journalist Greg Steinmetz behauptet in seinem Buch «The Richest Man Who Ever Lived», dass weder der Erdöltycoon John D. Rockefeller noch der deutsch-britische Bankier Nathan Mayer Rothschild an Jakob Fugger (1459-1525) heranreichten. Dafür gibt es gute Gründe. Denn der deutsche Kaufmann besaß nicht nur ein schier unvorstellbar großes Vermögen – eine Schätzung geht von heute umgerechnet 300 Milliarden Euro aus –, sondern beeinflusste auch maßgeblich die europäische Politik. Zu seinen Kunden zählten Könige, Kaiser und Päpste.

Fugger verbrennt Schuldscheine des Kaisers: Im Jahr 1521 beliefen sich die Schulden Karls V. bei Jakob Fugger auf 600.000 Gulden. Der Kaiser entschädigte den Kaufmann durch die Tiroler Silber- und Kupferproduktion.
Fugger verbrennt Schuldscheine des Kaisers: Im Jahr 1521 beliefen sich die Schulden Karls V. bei Jakob Fugger auf 600.000 Gulden. Der Kaiser entschädigte den Kaufmann durch die Tiroler Silber- und Kupferproduktion.

Der Sohn aus einer Augsburger Handelsfamilie baute innerhalb weniger Jahrzehnte seine Firma zu einem international agierenden Unternehmen aus. Stand zunächst der florierende Baumwollhandel mit Italien im Vordergrund, stieg Jakob Fugger später in den Gewürzhandel, Bergbau und Banksektor ein. Sein Montankonzern erwarb zeitweilig eine dominierende Stellung im europäischen Kupfermarkt. Seine mehr als 50 Handelsniederlassungen erstreckten sich von Mailand über Lissabon bis nach Lübeck und Danzig.

Mit den sprudelnden Einnahmen finanzierte Fugger den Aufstieg Maximilian I. von Habsburg zum Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, der aufgrund seines prunkvollen Lebensstils tief bei dem Kaufmann in Kreide stand und immer neue Kredite benötigte. Auch die Wahl dessen Enkels Carlos I. beziehungsweise Karl V. zum König von Spanien und Kaiser ging auf die finanzielle Unterstützung Fuggers zurück.

Und fast wäre noch die wirtschaftliche Ausbeutung der neuen spanischen Eroberungen in Peru und Chile ins Portfolio hinzugekommen. Doch der überseeische Handel Fuggers beschränkte sich auf einige wenige, äußerst vorsichtige Beteiligungen. Das bedeutet allerdings nicht, dass der deutsche Manager zaghaft und risikoscheu war, glaubt Steinmetz. Im Gegenteil: Fugger habe Fähigkeiten besessen, die noch heute jeden erfolgreichen Unternehmer auszeichnen: die Schwäche der Konkurrenz zum eigenen Vorteil ausnutzen, sich und seine Firma unentbehrlich machen und in schweren Zeiten Nervenstärke zeigen.

Schon mit 14 Jahren erlernte Fugger in Venedig das Kaufmannsgeschäft von der Pike auf und vervollkommnete es. Anders als die Mitbewerber, so Steinmetz, habe der Augsburger erstmals sorgfältig Buchhaltung über seine Geschäfte geführt, in der Bilanz Aktiva und Passiva gegenübergestellt und so auf Heller und Pfennig genau gewusst, wie es um Einnahmen und Ausgaben in seinem Konzern stand. Und Fugger nahm es sehr genau. Seinem Cheflobbyist in Rom, Johannes Zink, gab der Unternehmer an dessen Sterbebett zwar noch sein letztes Geleit. Die Schulden erstattete er ihm allerdings nicht. Steinmetz: «Geschäft ist Geschäft.»

Die Fuggerei in Augsburg ist die älteste bestehende Sozialsiedlung der Welt. Die Reihenhäuser stiftete Jakob Fugger 1521. Foto: Wolfgang B. Kleiner
Die Fuggerei in Augsburg ist die älteste bestehende Sozialsiedlung der Welt. Die Reihenhäuser stiftete Jakob Fugger 1521. Foto: Wolfgang B. Kleiner

Die englische Ausgabe des Buches über Jakob Fugger erschien im August vergangenen Jahres, nun kommt das Werk «Der reichste Mann der Weltgeschichte» Anfang Juni auch auf Deutsch heraus. Die Lektüre gestaltet sich nicht nur aufgrund der lockeren Erzählweise als spannend. Fugger selbst ist eine schillernde Gestalt innerhalb der Historie.

Sein Netz aus Handelsniederlassungen, Bergwerken, Gewerben und Beteiligungen kam der Hanse ins Gehege – Fugger leitete den Niedergang des einst so mächtigen Handelsbündnisses ein. Der deutsche Kaufmann finanzierte nicht nur die bis heute bestehende Schweizer Garde im Vatikan, sondern beteiligte sich auch am Handel mit den Ablassbriefen der Kirche – sein berühmtester Widersacher Martin Luther kritisierte das Vorgehen und löste schließlich die Kirchenspaltung aus.

Vom berühmten Reformator ist das Zitat überliefert: «Man müsste wirklich dem Fugger und dergleichen Gesellschaft einen Zaum ins Maul legen.» Dass der süddeutsche Raum bis heute katholisch, der Norden vorwiegend protestantisch geprägt ist, liege auch an Jakob Fugger, der die Niederschlagung der Bauernaufstände unterstützte.

Allerdings ließ Jakob Fugger auch ab 1516 eine Siedlung für bedürftige Augsburger Handwerker und Tagelöhner errichten, die Fuggerei, die heute älteste bestehende Sozialsiedlung der Welt.

Was war also der reichste Mensch der Weltgeschichte: Ein rücksichtsloser Großkapitalist, der mit Wucherzinsen immer mehr Geld raffte? Oder auch ein frommer Unternehmer mit sozialer Verantwortung?

Fugger sei ohne Zweifel geldgierig gewesen, habe Arbeiter ausgebeutet und Kriege angezettelt, erklärt Steinmetz. Aber er habe auch Jobs geschaffen und Nachfrage bedient. Dass ihn stets der eigene Gewinn angetrieben habe, könne ihm nicht zum Vorwurf gemacht, denn letztendlich beruhe auf diesem Mechanismus die kapitalistische Welt und ihr Wohlstand.

Die horrende Verschuldung der damaligen Königshäuser habe der tüchtige Geschäftsmann nicht erfunden, sondern nur zu seinem Vorteil ausgenutzt und ausgereizt. Fugger lebte zu einer Zeit, als die Herrscher noch abhängig von einigen wenigen Geldgebern waren. Heute würden sich die Staaten Geld von Versicherungen und Pensionsfonds leihen, also letztendlich den Spareinlagen der Bürger. Steinmetzt: «Wir alle sind irgendwie Fugger.»

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