Der größte Brand aller Zeiten

Der Bombenteppich, den die angloamerikanischen Flieger in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar auf Dresdens Innenstadt legten, entwickelte auf den Straßen derart hohe Temperaturen, dass der Asphalt kochte. Zahllose Flüchtlinge blieben darin stecken und fingen Feuer.

Beim ersten Angriff setzten 244 Lancaster Maschinen 75 Prozent der Altstadt in Brand.
Beim ersten Angriff setzten 244 Lancaster Maschinen 75 Prozent der Altstadt in Brand.

Es breitete sich ein Brand riesigen Ausmaßes aus, der alles verschlang, was sich ihm näherte. Im Kern des Feuers war der Sauerstoffverbrauch so groß, dass in den nahegelegenen Straßen ein Sog wie ein Taifun entstand: der Feuerstrom.
Ursula Elsner, damals 14, versuchte ihm zu entkommen: «Als wir den Schritt aus dem Haus getan hatten, da kam ein orkanartiger Feuersturm, der packte uns in dem Moment, und mein Bruder und ich hielten uns krampfhaft an meiner Mutter fest. Der Feuersturm trieb uns irgendwo in eine Richtung. Meine Mutter zog uns dann in die Mitte des Neumarktes. Da stand eine Laterne an der Straßenbahnhaltestelle. Da wollten wir hin, aber der Sturm lässt einen ja nicht, der treibt einen ja dorthin, wo er will. Wir haben nun versucht, an die Laterne zu kommen. Dort stand eine alte Frau, die rief: Hierher, hierher, haltet euch fest, haltet euch fest! Mit letzter Kraft sind wir an die Laterne und an die alte Frau gekommen. Wir haben ihr bald die Kleider vom Leib gerissen, so haben wir uns an sie geklammert. Sie sagte immer wieder: Haltet euch fest! Da haben wir gehangen, ein kleines Häuflein Menschen, voller Verzweiflung und um ihr Leben kämpfend.»
Eine Flüchtlingsfrau aus Schlesien, die von ihrem Mann keine Nachricht hatte, hatte in ihrer Verzweiflung Dresden aufgesucht: «Für meinen Säugling hatte ich nicht eine einzige Windel, kein Jäckchen. Ich wusste ja, dass der Bahnhofskeller, der einem Irrgarten glich, erhalten war; die Menschen waren dort unten erstickt. Es war aber dort alles von der SS abgesperrt, denn es herrschte Typhus. Ich erreichte es dann aber doch, dass ich in den Keller durfte, begleitet von einem Bahnbeamten mit einem Arm, der mich warnte und meinte: ,Das halten Sie nicht aus; es liegen da unten noch tausende Tote, und ich kann Ihnen nicht helfen!‘ Was ich dort unten gesehen habe, ist wahrhaft ein Gräuelmärchen, dazu schemenhaft beleuchtet von der Laterne des Bahnmannes. Die Menschen dort unten glichen ledernen Gestalten.»

Erstickungstod im Keller
Dresden hatte sich in ein Inferno verwandelt. Um einem qualvollen Erstickungstod in den Luftschutzkellern zu entgehen, liefen Frauen, Kinder, Greise und Männer zwischen den einstürzenden Mauern umher, verzweifelt nach einem Ausweg suchend. Einige hatten Glück, wie der jüdische Politiker und Philologe Victor Klemperer, der mit seiner Frau die Angriffe mit geringen Verletzungen überlebte. Später schrieb Klemperer: «Am Abend dieses 13. Februar brach die Katastrophe über Dresden herein: die Bomben fielen, die Häuser stürzten, der Phosphor strömte, die brennenden Balken krachten auf arische und nichtarische Köpfe, und derselbe Feuersturm riss Jud und Christ in den Tod.»
Der Redakteur der «Dresdner Nachrichten», Ernst Köhler-Haußen, entkam der Flammenhölle. Er dokumentierte seine Flucht in einem Brief: «Der Brand des Zöllnerplatzes war furchtbar, namentlich durch den wütenden Sturm, den ja jeder größere Brand hervorruft! Niemand konnte heraus, so eine Glut war auf dem engen Platze. Als ich mich als Erster hinauswagte, war der ganze Platz eine einzige lodernde Wanne. Ich kämpfte mich, immer ganz kurz durch den an die Nase gedrückten Schnurrbart (ein vorzüglicher Luftfilter) atmend, sehr mühsam über Trümmer, Balken und Steine, manchmal von quer über die Straße blasenden Flammen weitergejagt, matt von der Nacht und meinem unhandlichen Bettpack und der manuskriptschweren Aktentasche, bis zum Stephanieplatz. (…)
Durch die Hänelstraße sah ich, dass viele ihre Wohnungseinrichtung, Betten und ähnliches in die Vorgärten gebracht hatten. Alles verbrannte, vom Funkenflug angezündet. Nackte Leichen lagen, vom Phosphor entkleidet, überall herum. Ein älterer weinender Mann kniete neben einer jungen weiblichen Leiche und streichelte sie.»
In England liefen unterdessen die Vorbereitungen zum dritten Schlag auf die sächsische Metropole. Die Besatzungen von über 1.350 Boeing-B-17-Fliegenden-Festungen und Consolidated-B-24-Liberators frühstückten, wie üblich vor den Einsätzen, kaltes Eipulver und Kaffee, um ab 4.40 Uhr eingewiesen zu werden. 450 Fliegende Festungen, die schwersten Bomber mit dem größten Fassungsvermögen, sollten über Dresden eingesetzt werden, die restlichen wurden nach Magdeburg, Wesel und Chemnitz abkommandiert. Sie wurden von 72 P-51-Mustang-Jägern eskortiert.

Der dritte Schlag
Am Aschermittwoch, dem 14. Februar, warfen die Angreifer ab 12.17 Uhr während einer knappen Viertelstunde 1.800 Sprengbomben und 136.800 Stabbrandbomben auf das Reichsbahnausbesserungswerk, wiederum auf den Bahnhof, auf das Krankenhaus in Friedrichsstadt und die umliegenden Wohnbezirke. Unmittelbar nach dem Angriff ging die A-Gruppe der Jäger hinunter, um über sogenannte «Gelegenheitsziele» herzufallen. Sie schossen mit den Maschinengewehren auf die aus der Stadt entströmenden Menschen und auf die Flüchtlinge, die sich entlang der Elbufer in Sicherheit wähnten. Eine P 51 flog derartig tief, dass sie in einen Wagen raste und explodierte.
Wenn die Bombardierungen einen gewaltigen psychologischen Effekt auf die Bevölkerung ausgelöst hatten, so war die Wirkung der Mustang-Jäger niederschmetternd. Sie schossen im Tiefflug mit Maschinengewehren und Bordkanonen auf die Lastwagenkolonnen, die mit ihrer humanitären Ladung in Richtung Stadt fuhren. Einige Flieger feuerten auf die Menschenmengen, die sich am Flussufer angesammelt hatten. Die Überlebenden des Kreuzchores hatten in der Tiergartenstraße Schutz gesucht. Der Dirigent wurde schwer verletzt, ein Chorknabe getötet.
Der Feuersturm entwurzelte Bäume, ergriff Menschen und schleuderte sie in die Flammen. Der Orkan war so heftig, dass er sogar Eisenbahnwagen umstürzte. Die wenigen noch einsatzfähigen Löschtrupps waren angesichts dieser Kraftentfaltung nicht mehr imstande, den Herd zu bekämpfen, weder um ihn einzudämmen oder schon gar nicht um ihn unter Kontrolle zu bringen.
Das Feuer ließ am folgenden Tag nicht nach. Über zwanzig Quadratkilometer Dresdens waren verwüstet worden. Vergleichsweise zerstörte die deutsche Luftwaffe nicht ganz 2,4 Quadratkilometer Londons während des ganzen Krieges.

Die zerstörte Frauenkirche mit dem gestürzten Lutherdenkmal
Die zerstörte Frauenkirche mit dem gestürzten Lutherdenkmal

Großeinsatz auf Chemnitz
Die englischen Besatzungen, die nach ihrem nächtlichen Sturm auf Dresden morgens um 9.00 schlafen gegangen waren, wurden bereits vor 15.00 Uhr geweckt und darüber informiert, dass sie in der folgenden Nacht erneut an einem Großeisatz teilnehmen würden. Die 1. Bomberflotte erhielt die Weisung: «Heute Nacht ist Chemnitz Ihr Ziel. Wir greifen die Flüchtlinge an, die sich besonders nach dem Angriff auf Dresden in der letzten Nacht dort sammeln.»
An die Besatzungen der 3. Bomberflotte erging ein ähnlicher, allerdings deutlicher formulierter Befehl: «Chemnitz ist eine Stadt etwa 60 Kilometer westlich von Dresden und ein viel kleineres Ziel. Sie fliegen heute Nacht dorthin, um alle Flüchtlinge zu töten, die aus Dresden entkommen sein mögen. Sie werden die gleichen Bombenladungen mitnehmen…»
Das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) stellte am Vormittag des 15. Februars fest: «Erstmalig Tagesangriff aller amerikanischen viermotorigen Bomber vom Westen gegen Dresden, wo nach diesem und dem Nachtangriff Feuerstürme entstanden. Der Hauptbahnhof ist unbenutzbar. Bei einer Einwohnerschaft von 650.000 Köpfen, die durch Flüchtlinge stark erhöht war, zurzeit 500.000 Obdachlose.»

Der vierte Schlag
Am 15. Februar erfolgte um 11.51 Uhr erneut ein zehnminütiger Angriff auf Dresden. 211 amerikanische Fliegende Festungen vom Typ Boeing-B-17 warfen 460 Tonnen Bomben auf das Gebiet zwischen Meißen und Pirna. Die Zerstörung war nun derart tiefgreifend, dass die Stadt vollkommen lahmgelegt wurde. Es gab keine Stromversorgung, kein fließend Wasser mehr. Wohin man schaute Ruinen, Feuer, Rauch und Leichen. Die wenigen unverletzt Überlebenden reichten nicht aus, um die Toten zu bestatten.
Der amerikanische Pilot Donald Nielsen erinnert sich: «Der Royal Air Force zu folgen war eine ungewöhnliche Mission. Uns wurde das Ziel genannt und wir bekamen den Auftrag, Gleise und solche Dinge zu bombardieren. Aber unsere Bomben landeten 250 Fuß voneinander entfernt. Sie wurden gestreut. Wenn man normalerweise ein bestimmtes Ziel anfliegt, werden alle Bomben auf einmal entladen. In diesem Fall wurden sie Stück für Stück abgeworfen. Mir war von Anfang an klar, dass Dresden kein militärisches Ziel war. (…) Wir sollten einfach Gebäude zerstören und Menschen töten. Und das war nicht richtig. Ich habe Gott mehrmals um Vergebung gebeten.»
Die Kunde der furchtbaren Luftangriffe verbreitete sich rasch. Als die Maschinen des dritten Schlages noch im Anflug waren, hatten sich bereits in ganz Mitteldeutschland Kolonnen von Helfern zusammengetan, die nach Dresden eilten, um den Menschen zu Hilfe zu kommen.
Auf einem Platz in Dresden-Neustadt traf der Hilfszug «Hermann Göring» mit Sanitätswagen und Feldküchen ein. Ebenso war der Hilfszug «Goebbels» nach Dresden-Seydnitz unterwegs.
Die Parteiorgane und das Deutsche Rote Kreuz setzten alle Hebel in Bewegung, um die jungen Mütter mit Babynahrung und Milch zu versorgen. Der Bund Deutscher Mädchen und die Frauenschaft richteten hierfür an den Bahnhöfen Hilfsstellen ein. Eine ausgebombte Frau mit einem zehn Tage alten Baby sprach anerkennende Worte aus: «Auf allen Bahnhöfen habe ich es als Wohltat empfunden, dass es Babynahrung und warme Getränke und Brote für Erwachsene gab.»

«In der Innenstadt war alles zerstört»
Aus Berlin kam General Erich Hampe, Leiter der Notausbesserungsarbeiten von Gleisanlagen. Er berichtete: «Ich konnte nicht sofort zum Hauptbahnhof gelangen, weil der Weg in die Stadt völlig blockiert war. Das erste Lebewesen, das ich beim Eintreffen in der Stadt sah, war ein großes Lama. Es war anscheinend aus dem Zoo ausgebrochen. In der Innenstadt war alles zerstört, aber mein Interesse galt nur dem Hauptbahnhof und den Gleisanlagen. Keiner der führenden Eisenbahnbeamten war zur Stelle. Ich musste einen leitenden Reichsbahnbeamten aus Berlin kommen lassen, um das Durcheinander zu entwirren und um notwendige Maßnahmen zu besprechen, wie der Verkehr wieder in Gang gebracht werden könnte.»
Erstaunt stellten Fachleute fest, dass die Marienbrücke über die Elbe nicht getroffen worden war. General Hampe meinte dazu: «Wenn tatsächlich der Verkehr durch die Stadt unterbrochen werden sollte, hätte man sich nur auf diese Brücke zu konzentrieren brauchen; ihre Instandsetzung hätte viele Wochen gedauert, und während dieser Zeit hätte der gesamte Eisenbahnverkehr auf langen Umleitungen abgewickelt werden müssen.» Hampe und sein Personal schafften es bereits nach drei Tagen harter Arbeit, ein Doppelgleis für den Eisenbahnverkehr instand zu setzen. Durch Dresden-Neustadt fuhren schon am 15. Februar regelmäßige Züge.
Am 22. Februar 1953 veröffentlichte die «Süddeutsche Zeitung» einen Leserbrief, in dem es heißt: «Die Verlautbarung des amerikanischen Außenministeriums, dass Dresden 1945 auf Anforderung der Sowjets bombardiert wurde, um zu verhindern, dass Truppenverstärkungen durch Dresden geleitet wurden, widerspricht den Tatsachen. Zu diesem Zweck hätte man sich auf das Eisenbahnnetz beschränken können. Wer die Lage um Dresden kennt, weiß, dass die Eisenbahnlinie an und von der tschechischen Grenze (und um diese handelt es sich) zwischen einem Höhenzug und der Elbe hinführt. Diese Linie so zu zerstören, dass sie für den weiteren Krieg ausfällt, wäre gewiss für die ziel- und treffsicheren englischen Bomber ein leichtes gewesen.»
Und weiter: «Im Gegenteil, man musste staunen, mit welcher absoluten Genauigkeit ausschließlich sämtliche Wohnviertel zerstört wurden, ohne wichtige Anlagen zu treffen. Der Hauptbahnhof Dresdens in seinem Gebäudeteil sah Berge von Leichen, die Schienenanlagen dagegen waren nur unwesentlich getroffen und nach ganz kurzer Zeit wieder befahrbar.»
Unterdessen mussten tausende Überlebende chirurgisch behandelt werden. Es war ein hoffnungsloses Unterfangen. Die Verarztung ging äußerst langsam vor sich, weshalb zahlreiche Kranke und Verletzte in diesen Stunden starben.

Symbol der Hoffnung
Die herrlichen Baudenkmäler Dresdens hatten sich nunmehr in Ruinen verwandelt. Von der Semperoper war lediglich die ausgebrannte Fassade übriggeblieben. Nur der Turm der Frauenkirche stand noch – ein Symbol der Hoffnung für viele angsterfüllte Passanten. Im Keller des Gotteshauses hatte das Luftfahrtministerium eine große Menge Filmarchive verwahrt. Am 15. Februar entflammte die Hitze das Zelluloid, was eine gewaltige Detonation zur Folge hatte, und um 10.15 Uhr stürzte die Kuppel ein.
48 Stunden nach dem ersten Angriff begannen endlich die Rettungsarbeiten. Soldaten gruben verzweifelt nach Überlebenden, die in den verschütteten Kellern eingeschlossen waren. «Vier Männer wurden gebraucht, um einen verwundeten Überlebenden wegzutragen», erinnerte sich ein Soldat. «Manchmal hatten 20, manchmal mehr Leute Schutz vor den Bomben gesucht. Das Feuer hatte ihren Sauerstoffvorrat aufgebraucht, und die Hitze muss sie furchtbar gequält haben. Wir hatten Glück, hier und da noch einen oder zwei Überlebende zu finden. So ging es stundenlang weiter. Überall auf dem Boden lagen diese Leichen, die in der intensiven Hitze auf etwa einen Meter Länge zusammengeschrumpft waren.» Im größten Brand aller Zeiten waren sie wehrlos zugrunde gegangen.
Wie viele Menschen sind in Dresden umgekommen? Die wahre, richtige Zahl ist bisher nicht ermittelt worden und wird wahrscheinlich auch in Zukunft nicht festgestellt werden können. Von zahlreichen Toten ist aufgrund der hohen Temperaturen, die der Feuersturm entwickelte, nicht einmal ein Häuflein Asche übriggeblieben. Eine präzise Zählung war daher unmöglich. Die gefundenen Leichen wurden eingeäschert beziehungsweise beerdigt. Im nördlichen Dresden wurde ein Massengrab errichtet, auf dem die Inschrift steht:

«Wie viel starben? Wer kennt die Zahl?
An deinen Wunden sieht man die Qual
der Namenlosen, die hier verbrannt
im Höllenfeuer aus Menschenhand.»

Walter Krumbach

 


Zeitreise in eine zerstörte Stadt

70 Jahre nach der Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg erinnert der Künstler Yadegar Asisi an das Grauen des Krieges. Und noch immer halten sich überkommene Vorstellungen bezüglich der Bombardierung hartnäckig.

Dresden0038-Kopie_webneu

Die Ausstellung «Dresden 1945 – Tragik und Hoffnung einer europäischen Stadt» führt im Maßstab 1:1 auf eine Zeitreise in die Elbmetropole unmittelbar nach den Bombardements 1945. Vom Rathausturm erschließt sich die zerstörte Stadt, aus der noch Rauchsäulen aufsteigen.
Das Projekt, welches in engem fachlichem Austausch mit dem Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden entstanden ist, thematisiert Tragik und Hoffnung in Europa. Es zeigt nicht allein die Tragödie von Dresden, sondern verweist auch auf die Wechselwirkungen in der kriegerischen europäischen Geschichte. 1945 wurden neben zahlreichen deutschen Städten auch viele europäische Städte wie Rotterdam, Coventry, Stalingrad oder Warschau zerstört.
Eine Einführung in die Zeit gibt die begleitende multimediale Ausstellung. Asisi zollt auch dem Wiederaufbau – unter Einbeziehung von Zeitzeugen – Respekt. Dresden sei ein wegweisendes Beispiel für den Wiederaufbau der Stadt zu DDR-Zeiten und nach der Friedlichen Revolution. Die Stadt verkörpere den unbändigen Lebenswillen ihrer Bewohner und steht für den immerwährenden Aspekt der Hoffnung.
Etwa zwei Jahre lang hat der Künstler Yadegar Asisi an dem Panorama gearbeitet. Für die Umsetzung griff er auch auf private Fotos zurück. Er hatte die Dresdner dazu aufgerufen, in ihren Foto- und Filmarchiven zu stöbern.
In der Nacht zum 14. Februar 1945 war die Dresdner Innenstadt bei der Bombardierung der Westalliierten fast völlig zerstört worden. Bei dem schwersten Luftangriff auf eine Stadt im Zweiten Weltkrieg verloren bis zu 25.000 Menschen ihr Leben.
Doch noch immer ist die Zerstörung Dresdens von einem Mythos umgeben, so Oberst Matthias Rogg vom Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Dresden in einem Interview mit der Zeitung «Die Welt». «Zu den Mythen gehört, dass auf Dresden Phosphor abgeworfen wurde. Das ist aber bei den Luftangriffen auf Deutschland nur einmal passiert, beim Feuersturm in Hamburg – in Dresden definitiv nicht», erklärt der Militärhistoriker. Das Gleiche gelte für die Tieffliegerangriffe. «Die können wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausschließen. Es gibt keine stichhaltigen Hinweise.»
Zwar geht auch Matthias Rogg davon aus, dass der massive Angriff nach der Haager Landkriegsordnung ein Kriegsverbrechen darstellt. Doch angesichts der Opfer, die die vorherige Bombardierung Coventrys und Londons forderte, hätten sich die Briten einer Diskussion über Recht und Unrecht wohl kaum gestellt. «Alles, was dazu diente, den Krieg zu verkürzen und die eigenen Soldaten wieder nach Hause zu holen, war im Grunde legitimiert.» Die deutschen Behörden und die deutsche Bevölkerung in Dresden hätten lange Zeit geglaubt, dass sie verschont werden würden. «Das hat den Opfermythos von Dresden verstärkt. Heute wissen wir, dass Dresden ein wichtiger Rüstungsstandort war.»

Print Friendly, PDF & Email

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*