«Der große Schöpfer des deutschen Bündnisses»

Im 19. Jahrhundert war an ein geeintes Deutschland, wie wir es heute kennen, noch nicht zu denken. Vielmehr stellte der Deutsche Bund einen Zusammenschluss loser miteinander verbundener unabhängiger Staaten dar. Unzufriedenheit machte sich breit. Es wurde protestiert. Plötzlich machte die Bevölkerung mit Forderungen wie Bürger- und Freiheitsrechten und der Schaffung eines geeinten deutschen Nationalstaates auf sich aufmerksam. Ein revolutionärer Umbruch stand bevor.

Welche Bedeutung dabei Otto von Bismarck haben sollte, darüber informierte Gonzalo Larios, Doktor der Philosophie und Literatur an der Geschichtsfakultät der Universität Gabriela Mistral, Anfang dieses Monats in seinem Vortrag beim Deutsch-Chilenischen Bund (DCB).

Neben der Vermittlung der Hintergründe dieses Kapitels deutscher Geschichte war es ihm besonders wichtig, sich dem Thema mit großer Ehrfurcht und Einfühlungsvermögen anzunähern. «Schließlich sind die deutschen Besucher viel verbundener mit ihrer eigenen Geschichte», begann Larios seinen Vortrag.

Doch bevor er sich der Person Bismarcks zuwandte, fanden besonders drei Personen Erwähnung, die während der Epoche der Romantik entscheidend das revolutionäre Gedankengut der 1830er Jahre beeinflussten. Nachdem Napoleon die Idee der Nation in den Deutschen geweckt hatte, waren es besonders Fichter, Herder und Görres, die den Volksgeist der Deutschen wieder in Erinnerung riefen. Sprache, Geschichte und Landschaft transportierten im Sinne von Herder deutsche Lebensart und halfen das Bewusstsein der deutschen Kultur wieder zu erlangen, so Larios.

Wichtige darauffolgende Stationen hin zum preußisch-kleindeutschen Reich, waren laut des Philosophie- und Literaturprofessors der deutsche Zollverein und die Frankfurter Nationalversammlung. Bismarck machte das erste Mal von sich reden, als es um die Schleswig-Holstein-Frage ging, merkte Larios an. Der studierte Anwalt und Verfechter der Monarchie ließ den Konflikt mit dem dänischen Nationalstaat um die Besitzverteilung Schleswigs militärisch lösen.

Bald kam es zum Krieg zwischen Preußen und Österreich und schließlich mit Frankreich. Anhand von Bildern des chilenischen Malers Pedro Subercaseaux erklärte Larios die Umstände der zwei Kriege. So war auf einem Bild zu sehen, wie Preußen Österreich in der Entscheidungsschlacht bei Königgrätz (Sadowa) 1866 besiegt.

Nach dem Sieg gegen Frankreich wurde der preußische König Wilhelm I zum deutschen Kaiser gekrönt. «Von diesem Zeitpunkt an und für die nächsten 20 Jahre gilt Bismark als der große Schöpfer des deutschen Bündnisses», erklärte Larios. Einer seiner wichtigsten Dienste während seiner Amtszeit sei die Verbesserung des inländischen Wohlstands sowie die Sicherheit nach außen gewesen. Außerdem habe er gute Beziehungen zu Großbritannien knüpfen und es vermeiden können, dass ein antideutsches europäisches Bündnis entstand.

 

Von Sabrina Greifzu

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