Gigant der Meere

Wird die Fusion mit der chilenischen CSAV perfekt, steigt die Hamburger Containerreederei Hapag-Lloyd in der weltweiten Rangliste weiter auf. Deutschlands größte Reederei blickt auf eine eindrucksvolle Geschichte zurück.

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Die «Hamburg Express» (13.169 TEU) unter der Hamburger Köhlbrandbrücke.

In der Zentrale am Ballindamm in Hamburg laufen die Gespräche über die anstehende Fusion mit der chilenischen Reederei CSAV auf Hochdruck, berichtet das Hamburger Abendblatt. Mit dem sich anbahnenden Zusammenschluss – der größten Fusion in der Branche seit Jahren – würde sich Hapag Lloyd einen Markt erschließen, der mit zehn Prozent der Transportkapazitäten der Reederei bisher nur schwach bedient wurde.

Im südamerikanischen Markt haben Hamburg Süd (Oetker-Konzern) sowie das chilenische Transportunternehmen Compañía Sud Americana de Vapores (CSAV) die Nase vorn. Eine Fusion zwischen Hapag-Lloyd und Hamburg Süd scheiterte 2013, nun könnte man gemeinsam mit CSAV auf 17 bis 20 Prozent Transportvolumen im Südamerikahandel kommen.

Laut dem Hamburger Abendblatt dürfte Hapag-Lloyd aber auch die vielen Kühlcontainer von CSAV interessieren. Denn nach Kupfer sind Fleisch und Früchte wichtige Exportgüter aus Chile. Und für einen solchen Transport sind herkömmliche Container nicht geeignet.

 

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Albert Ballin (1857-1918) machte die Hapag zur größten Schifffahrtslinie der Welt. Sein Wahlspruch: «Mein Feld ist die Welt.»

Die Ära Albert Ballin

Nicht Kupfer und auch nicht Fleisch sowie Früchte, sondern vielmehr Passagiere bildeten die Fracht, mit der die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft am 27. Mai 1847 in Hamburg ihren Aufstieg begann. Zu den Gründern des abgekürzt kurz Hapag genannten Unternehmens gehörten so namenhaften Kaufleute und Reeder wie Ferdinand Laeisz und Carl Woermann.

Die «Deutschland» war ein Großsegler und das erste Schiff der Hapag, dass 200 Auswanderer in die Neue Welt brachte. Der Liniendienst zwischen der Hansestadt und New York lief gut, so dass schon bald der Bau weiterer Segelschiffe in Auftrag gegeben wurde. Später folgten dann Dampfer, die ab 1868 vollständig die Segler ablösten.

Unterdessen hatte die Hapag aus dem eigenen Land gehörig Konkurrenz bekommen. Der 1857 gegründete Bremer Norddeutsche Lloyd sowie die Transatlantische-Schifffahrtsgesellschaft mit Sitz in Hamburg ließen die Gewinne schrumpfen, die Hapag stand sogar kurz vor dem Zusammenbruch. Dass der Reederei dieses Schicksal erspart blieb, ist wohl einem Mann zu verdanken: Albert Ballin.

Der Hamburger wurde 1857 als jüngstes von 13 Geschwistern geboren, stieg nach dem Tod des Vaters mit nur 17 Jahren in das Geschäft der Auswandereragentur Morris & Co. ein und übernahm 1886 die Leitung des Passagedienstes der Hapag. Schon zwei Jahre später wurde er in den Vorstand berufen, ab 1899 war er Generaldirektor und machte aus der Hapag die größte Schifffahrtslinie der Welt.

Die Flotte wurde in den 1890er Jahren im großen Maßstab aufgebaut, auf Albert Ballins Anregung hin entstanden Zwischendecks auf den Passagierschiffen, um die Auswanderer billiger und besser transportieren zu können. Auf der Elbinsel Veddel schuf Ballin «Auswandererhallen» mit Schlafpavillons und Speisehallen, die als ein Vorbild an Sauberkeit und Effektivität galten. Zudem erfand er die Kreuzfahrten zur besseren Auslastung der Schiffe und entwickelte neuartige Kühlschiffe für den Bananentransport.

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Hapag-Werbung aus dem Jahr 1860: Die Reederei beförderte zunächst hauptsächlich Auswanderer.

Besaß der Norddeutsche Lloyd damals zwar noch die größten und schnellsten Schiffe der Welt, so war das Geschäft der Hapag doch das profitabelste. Und bei der Indienststellung 1905 der «Amerika» und 1906 der «Kaiserin Auguste Viktoria» konnte die Hapag dann auch Größenrekorde feiern. Mit dem Schiff «Imperator», das 4.000 Passagieren Platz bot, begann 1913 eine neue Superlative. Es folgte das Schwesternschiff «Vaterland» und mit der «Bismarck» die dritte Einheit der Imperator-Klasse, erbaut auf der Werft Blohm & Voss.

Am Vorabend des Ersten Weltkriegs verfügte die Hapag dank dieses Expansionskurses über 175 Schiffe mit über einer Millionen Bruttoregistertonnen. Die Reederei unterhielt 73 Liniendienste in aller Welt, 400 Häfen wurden angelaufen, beim Unternehmen arbeiteten 22.500 Menschen.

 

Weltkriege

Der Höhenflug wurde abrupt beendet. Im Zuge des Ersten Weltkriegs verlor die Hapag die Hälfte der Flotte. Albert Ballin sah sein Lebenswerk in die Brüche gehen und nahm sich am 9. November 1918 das Leben. Aufgrund der Bestimmungen im Versailler Vertrag musste die Hapag alle Überseeschiffe mit mehr als 1.600 Bruttoregistertonnen an die Entente-Mächte ausliefern.

Der deutsche Geschäftsmann Carl Josef Wilhelm Cuno übernahm die Nachfolge von Ballin und baute die Reederei nach dem Krieg wieder auf. Die Liniendienste nahmen den Betrieb auf, und auch auf anderen Geschäftsfeldern wurde die Hapag aktiv: Gemeinsam mit dem Norddeutschen Lloyd wurden die Luftfahrtinteressen im Deutschen Aero Lloyd gebündelt, über den die Reedereien schließlich 1926 die Lufthansa gründeten.

Bis zum Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929 war die Tonnage der Hapag-Flotte mit mehr als 100 Schiffen wieder auf über eine Million Tonnen angestiegen. Die weltweite Rezession führte dann dazu, dass ein Großteil der Flotte vorzeitig verschrottet und die Reederei vom Staat subventioniert werden musste.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wiederholte sich das Szenario, das bereits 25 Jahre zuvor stattgefunden hatte: Der Großteil der 108 Schiffe überstand den Krieg nicht, der Rest musste an die Alliierten ausgeliefert werden. Die Hapag bestand praktisch nur noch auf Papier.

 

Fusion mit dem Norddeutschen Lloyd

Und erneut wurde der Aufbau in Angriff genommen, wenn auch langsam und in kleinen Schritten. Zu Beginn der 60er Jahre kam es zur einer maßgeblichen Veränderungen in der Schifffahrt: Der Container revolutionierte den Transport. Für die Umstellung waren hohe Investitionen notwendig, sodass die ehemaligen Konkurrenten Hapag und Norddeutscher Lloyd ab 1965 in einer gemeinsamen Containerlinie ihre Kräfte vereinten. Am 1. September 1970 fusionierten die beiden Reedereien schließlich zur Hapag-Lloyd.

Die neue Aktiengesellschaft brachte 1981 mit der «Frankfurt Express» das damals größte Containerschiff aufs Wasser; es konnte 3.045 Standardcontainer (TEU) transportieren. Die ab 2012 gebaute Hamburg-Express-Klasse weist nunmehr eine Tragfähigkeit von 13.000 Containern auf und zwar 19 Containerreihen in der Breite und 20 übereinander.

Insgesamt umfasst die Flotte von Hapag-Lloyd derzeit 152 Containerschiffe, ein Teil sind eigene Schiffe, die anderen gechartert; hinzu kommen Kreuzfahrtschiffe. Größter Eigentümer der Reederei ist die Stadt Hamburg mit einem Anteil von 36,9 Prozent, gefolgt von Kühne Maritime (28,2 Prozent), dem Reisekonzern Tui (22 Prozent) und weiteren Investoren.

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