Familiengeschichte um das «weiße Gold»

Georg Christian Hilliger, der Salpeter-Millionär (Teil 2)

Franz Fromm, Schwiegersohn von Georg Christian Hilliger, im Garten seiner Villa Freischütz in Meran/Südtirol. Ihn begleiten seine Tochter Luisa Isabel und deren Ehegatte, der spätere italienische General Enea Navarini. (Slg.Dr.Waldner, Meran)
Franz Fromm, Schwiegersohn von Georg Christian Hilliger, im Garten seiner Villa Freischütz in Meran/Südtirol. Ihn begleiten seine Tochter Luisa Isabel und deren Ehegatte, der spätere italienische General Enea Navarini. (Slg.Dr.Waldner, Meran)

 

Der Bericht im «Cóndor» vom 1. September 2017 über das Leben des Salpeterhändlers Georg Christian Hilliger, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Iquique ein beachtliches Vermögen ansammeln konnte, verursachte ein unerwartetes Echo. Hier folgt der zweite Teil der Geschichte.
 
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Von Dietrich Angerstein

Die Besetzung von Iquique durch chilenische Truppen und der Einzug einer chilenischen Verwaltung im Jahre 1880 trennte die politischen Ansichten im Hause Hilliger Vernal. Herkunft und Geschichte ließen Frau Rosa die Stellung der Peruaner vertreten, während Georg Christian sich mehr der neuen chilenischen Obrigkeit zuneigte.

Schließlich einigte man sich, Georg Christian gab nach, Geld besaß er ja, einem Ortswechsel standen die Finanzen beiderseits nichts entgegen. Frau Rosa erklärte unter einer chilenischen «Besetzung» nicht leben zu können, sie wünschte in einem Ort mit warmer Witterung ihre Tage zu verbringen in dem Spanisch gesprochen wurde und so siedelte die ganze Familie mit Tochter Luisa, gerade 22 Jahre alt, im Jahre 1885 nach Barcelona in Spanien um.

Dort erhielt Vater Georg Christian die Gelegenheit, einen Teil seiner Millionen in profitbringenden Unternehmen anzulegen, wurde Mitglied des Deutschen Hilfsvereins, zeitweise dessen Präsident, widmete sich der Astronomie und der Dichtkunst, betätigte sich auch sonst rege im gesellschaftlichen Umfeld. Zwar hatten sich Georg Christian und Rosa dem Vernehmen nach getrennt, eine Ehescheidung gab es aber weder in Peru noch in Chile und erst recht nicht in Spanien. Sie lebten jedoch weiter unter dem gleichen Dach in der calle Diputación in Barcelona.

 

Hochzeit in Genf

Kaum in Europa angekommen, heiratete Tochter Luisa Hilliger Vernal den Herrn Franz Fromm, Sohn eines renommierten Flanellfabrikanten aus Küllstedt im Eichsfeld/Thüringen. Die Hochzeit fand in Genf in der Schweiz statt. Der junge Mann war Halbbruder von August Greve, einem alten Bekannten aus Salpeterzeiten in Iquique und Besitzer einer Jute-Spinnerei in Lindau bei Northeim in Hannover. Der wiederum war Vater des Kunstmalers Georg Greve-Lindau, einem zu Beginn des 20 Jahrhunderts bekannten Vertreter des Impressionismus, leider heute in Vergessenheit geraten. Ihm werden wir später noch einmal begegnen.

Vom Unglück verfolgt stand die junge Ehe Fromm-Hilliger unter keinem guten Stern. Hier mag die stets angeschlagene Gesundheit von Luisa eine große Rolle gespielt haben, die trotz mehrfacher Besuche bei Fachärzten in Wien keine Besserung erfuhr.  Der Ursache dafür und für die aus der jungen Ehe hervorgegangenen behinderten männlichen Nachkommen dürfte in einer Infektion zu finden sein, die der junge Georg Christian sich in seinen Junggesellenjahren in den Hafenstädten Valparaíso und Iquique geholt haben mag und für die es damals noch keine wirksamen Gegenmittel gab.

Im Jahre 1913 – noch gehörte Meran zu Österreich – feierte die Familie Fromm Hilliger die Firmung ihres Sohnes Francisco im Schloss Rametz in Meran. Francisco war 1898 im Hause Hilliger in Barcelona geboren, dadurch spanischer Staatsbürger. Er starb 1959 in München. (Slg.Dr. Waldner, Meran)
Im Jahre 1913 – noch gehörte Meran zu Österreich – feierte die Familie Fromm Hilliger die Firmung ihres Sohnes Francisco im Schloss Rametz in Meran. Francisco war 1898 im Hause Hilliger in Barcelona geboren, dadurch spanischer Staatsbürger. Er starb 1959 in München. (Slg.Dr. Waldner, Meran)

Nun lebte man  zusammen in Barcelona. Schwiegersohn Franz Fromm betätigte sich im Weinhandel und begann eine private Kunstsammlung aufzubauen. Mit Wohnsitz in Barcelona stellte Señora Rosa im Juli 1903 ihr recht umfangreiches Testament auf, umfangreich, denn es ging um die Verteilung eines großen Vermögens. So mancher Verwandte, Bekannte, Freunde und Dienstpersonal kamen auf die Liste.

Nur zwei Monate später starb sie in Lonres in Frankreich. Tochter Luisa Fromm folgte ihr im Jahr darauf, wenige Tage nachdem auch ihr Vater ein Testament aufgesetzt hatte. Als dritter im gestandenen Alter von achtzig Jahren verließ diese Welt der Salpetermillionär Georg Christian Hilliger in Barcelona im Jahre 1905.

 

Neuanfang in Meran/Südtirol

Blicken wir zurück, überfällt uns der Gedanke, dass es hier regelrecht zu einer Kettenreaktion gekommen sein mag. Schwiegersohn und Witwer Franz Fromm blieb zurück mit vier Kindern: ein Junge Alfonsito war bereits 1900 im Alter von sechs Jahren gestorben; und zwei männliche, leicht behinderte Jorge und Francisco und zwei Frauen Luisa Isabel und Zoila. Diese beiden Frauen – es bewahrheitete sich wieder einmal die Sage vom wirklich starken Geschlecht – erfreuten sich einer guten Gesundheit.

Mit dieser Familie, zwei Gouvernanten, vier Dienstboten und einer umfangreichen Kunstsammlung aus seinem und dem Besitz seiner Schwiegereltern reiste er 1905 auf der Suche nach einem Wohnsitz mit angenehmen Klima reiste  nach Meran in Südtirol, dem Residenzstädtchen der k.u.k. österreichischen Monarchie. Dort zog er von Schloss zu Schloss, bis er endlich im Jahre 1922 ein neues Zuhause, eine endgültige Bleibe in der im Heimatstil erbauten Villa Freischütz fand, die auch seiner mit Leidenschaft zusammengetragenen internationalen Kunstsammlung ausreichend Platz bot.

Im Hause Villa Freischütz in Meran kam Franz Fromm nach vielen Aufregungen zur Ruhe, trotz zweier Kriege und der Teilung des Kaiserreiches. Als Verlust nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg musste Österreich Südtirol und damit Meran an Italien abtreten. Franz Fromm starb 1941 in seiner Villa Freischütz.

 

Im Gedenken an General Navarini und Oberst Ugarte

Doch hier müssen wir wieder das starke Geschlecht unter den Nachkommen des Salpetermillionärs Georg Christian Hilliger hervorheben. Luisa Isabel Fromm Hilliger, Enkelin des Mannes, dem in Iquique Fortuna gelacht hatte, konnte sich trotz schwieriger Zeiten durchsetzen. Befreundet mit Isabel Ugarte, Schwester des bei der Verteidigung des Morro de Arica gefallenen peruanischen Volkshelden Alfonso Ugarte, (Isabel Ugarte starb 1938 in Paris) und Ehefrau des italienischen Generals Enea Navarini, dem der «Wüstenfuchs» General Rommel Tapferkeit und Zuverlässigkeit auf dem nordafrikanischen Kriegsschauplatz bestätigt hat, verwandelte die Villa Freischütz in ein Museum. Ihre Tochter, also Urenkelin von Georg Christian Hilliger, trug dieses schließlich in eine Stiftung ein, gab ihr den Namen Navarini-Ugarte-Stiftung. Das Museum steht ab Herbst 2018 dem Besucher in Meran/Südtirol offen. Luisa Isabel starb 1978, hinterließ zwei Kinder, die Stiftungsgründerin Rosamaria Navarini Fromm, verstorben im Jahre 2013 und Paolo, der auch nicht mehr unter uns weilt.

Schwester Zoila heiratete im Alter von 43 Jahren ihren Vetter zweiten Grades, den verwitweten Kunstmaler, Vertreter des Impressionismus Georg Greve-Lindau. Sie starb 1982, hinterließ keine Nachkommen.

Mit Luisa Isabel und Zoila Fromm Hilliger verließen uns Zeugen einer Generation, die dem «weißen Gold» von Iquique ihren Wohlstand verdankte. Sie brachte Männer hervor wie Hermann Conrad Fölsch, Friedrich Martin, Henry Sloman und viele andere, die einst bei Georg Christian Hilliger in Iquique in die Lehre gegangen waren.

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