Federico Alberts Kampf gegen die «fliegenden Sände»

Chanco ist eine Ortschaft an der Küste der Maule-Region, die zwischen Constitución und Pelluhue liegt und heute um die 9.000 Einwohner zählt. Sie wurde 1849 direkt am Meer gegründet. Die Lage erwies sich als unvorteilhaft, da im Laufe der Zeit die vorstoßenden Dünen die Anpflanzungen schwer beschädigten und das Dorf zu begraben drohten.

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1890 entsandte die Regierung den jungen deutschen Naturwissenschaftler Federico Albert nach Chanco, um den Ort zu retten. Albert war vor Kurzem in Chile eingetroffen. Der gebürtige Berliner (1867-1928) war ein Mitglied jener Gruppe von jungen Gelehrten, der auch Juan (Hans) Steffen, Federico (Friedrich) Hansen, Federico Johow und Rodolfo (Rudolf) Lenz angehörten. Die Regierung Balmaceda hatte sie in Deutschland unter Vertrag genommen, um in Santiago ein Pädagogisches Institut (Instituto Pedagógico) zu gründen und zu entwickeln.
Federico Albert stellte vor Ort fest, dass der Sand bereits großen Schaden angerichtet hatte. Nach einer eingehenden Untersuchung des Küstenstreifens zwischen Llico und Constitución kam er zu dem Schluss, dass die Prognose alles andere als gut war. Jeden Sommer verloren die Landwirte Bodenflächen im Wert von 30.000 Peso damaliger Währung, errechnete Albert. Außerdem lief das Dorf Gefahr, von den Dünen eingehüllt zu werden. Schnelles Handeln war angesagt, um einer Katastrophe vorzubeugen.
Albert wies die Bewohner an, Staudämme zu bauen sowie Bäume und Büsche anzupflanzen. So entstand ein 300 Meter breiter Streifen zwischen dem Meer und der Ortschaft. Alberts Anbau hielt die «fliegenden Sände», wie er die Dünen damals nannte, in der Tat auf.

Naturschutzgebiet
Die erfolgreiche Aufforstung kann man gegenwärtig noch beobachten. Heute ist die Gegend nach seinem Namen benannt: Das Naturschutzgebiet Reserva Nacional Federico Albert, das 1981 ins Leben gerufen wurde, ist ein 145 Hektar großer Landstrich der Gemeinde Chanco, der auf zwischen 25 und 70 Metern über dem Meeresspiegel gelegen ist. Es ist eher ebenes Land mit relativ mildem Klima. Die Winterzeit ist regnerisch, mit einem durchschnittlichen Niederschlag von 800 Millimetern pro Jahr. Der Sommer ist dagegen trocken und die Jahresdurchschnittstemperatur liegt um die 14 Grad Celsius.
Die angepflanzten Baumarten sind größtenteils Eukalypten (eucaliptus globulus), Kiefern (pinus radiata), Zypressen (cupressus macrocarpa) und Akazien (acacia melanoxylon). Die meistvertretenen einheimischen Pflanzenarten sind Boldo (peumus boldus), Peumo (cryptocarya alba), Corcolén (azara celastrina) und Maqui (aristotelia chilensis).
Auf dem Gebiet leben Säugetiere wie der Culpeo-Fuchs (pseudalopex culpaeus), der Chilla-Fuchs (pseudalopex griseus), der Chingue (conepatus chinga), der Quique (galicitis cuja), sowie die Hasenarten lepus capensis und oryctolagus cuniculus. Zahlreiche Vogelarten sind auf dem Areal beheimatet, zum Beispiel die Ringeltaube (columba araucana), der Tucúquere (bubo virginianus), die weiße Eule (tyto alba), das chilenische Rebhuhn (nothoprocta perdicaria), der Yeco (phalacrocorax olivaceus), der Huairavo (nycticorax nycticorax), der Adler (geranoetus melanoleucus), der Tiuque (milvago chimango) und der Treile (vanellus chilensis).
Zum Naturschutzgebiet gelangt man über die Landstraße M-50. Es liegt auf dem Streckenabschnitt Cauquenes-Chanco. Wer zelten will, kann einen der 17 eingerichteten Standorte wahrnehmen. Sie verfügen über Duschgelegenheiten, Trinkwasser, Strom und Feuerstellen. Drei Pfade lassen die Naturfreunde besonders auf ihre Kosten kommen: «El eucalipto», «Las dunas de Federico Albert» und «Camino al bosque». Sie eignen sich hervorragend zur Beobachtung der Flora und Fauna und bescheren den Fotografen unter den Besuchern eine besonders reiche Ernte.

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Pionier des Naturschutzes
Federico Alberts Wirken in Chile ist auf dem Gebiet des Naturschutzes richtungweisend. Er erforschte die paläontologische Vergangenheit des Landes und erstellte dabei eine große Sammlung von Fossilien, die er dem Museo de Historia Natural (Naturhistorisches Museum Chile) übergab. Er nahm an den erfolgreichen Akklimatisierungsversuchen von bestimmten ausländischen Arten, wie zum Beispiel dem Lachs, teil. Dieser Fisch ist heute bekanntlich ein begehrtes Exportprodukt.
Einheimische Tierarten wie die Chinchilla und den Juan-Fernández-Hummer nahm er unter seine Forscherlupe und rief zu deren Schonung auf. Albert veranlasste die Gründung der Inspección General de Bosques, Caza y Pesca. Eines der Hauptziele dieser Einrichtung, die heute noch existiert, ist der Schutz der einheimischen Fauna.
Der Gelehrte veröffentlichte um die 130 Abhandlungen, darunter verschiedene Bücher, über Gegenstände wie die chilenischen Vogelarten, die Wälder des Landes, die Chinchilla, die Gehölze und das Problem der Überfischung.
Im Jahr 1910 verlieh die Regierung dem herausragenden Naturwissenschaftler die chilenische Staatsbürgerschaft. Federico Albert unternahm während des Ersten Weltkriegs noch eine Reise in seine deutsche Heimat und verstarb 61-jährig am 9. November 1928 in Chile.

Walter Krumbach

 

 

Federico-Albert-Zitate

«Waldreichtum ist der Wohlstand der Nation. Ein Volk, das seine Wälder zerstört, zerstört seine eigenen Naturschätze.»

«Wer einen Wald anpflanzt, wird seinen Reichtum und den seiner Kinder vergrößern.»

«Wer einen Baum zerstört, tötet ein Lebewesen.»

«Wer einen Baum pflanzt, genießt seine Erträge und gibt kommenden Generationen ein Zeichen seines Erdendaseins.»

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