Der einstige Gigant mit den drei Buchstaben

Vor zwanzig Jahren wurde der einstige Weltkonzern AEG aufgelöst. Das Logo prangt aber noch heute auf Waschmaschinen und anderen Geräten, verschiedene Firmen haben sich die Rechte gesichert.

AEG-Drehstromtriebwagen von 1903
AEG-Drehstromtriebwagen von 1903

Nürnberg (dpa) – Mixen, kochen, spülen, waschen, saugen – das rote kastenförmige AEG-Logo fällt bei der Haushaltsarbeit schnell ins Auge. Ob auf Waschmaschine, Kochfeld oder Toaster: Die Marke hält sich wacker, obwohl es den dazugehörigen ehemaligen Weltkonzern schon seit 20 Jahren nicht mehr gibt. Das einst große deutsche Industrieunternehmen existiert inzwischen nur noch als Marke, die Rechte haben sich verschiedene Firmen gesichert.
Die Unternehmen hat eine lange Tradition. Die Geschichte nimmt 1883 in Berlin mit der Gründung der Deutschen Edison-Gesellschaft für angewandte Elektricität ihren Anfang. Ihre Entstehung geht Emil Rathenau zurück, der damals die Patente an den Erfindungen Thomas Alva Edisons zu Glühlampen für Deutschland erwarb. Einige Jahre später wurde die Firma in Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) umbenannt. Die erfolgreiche Anwendung der Drehstromtechnik durch die AEG war der Beginn der allgemeinen Elektrifizierung mit Wechselstrom im Deutschen Reich und beflügelte den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens.

Emil Rathenau (1. Reihe, 6. von links) besucht am 12. September 1891 mit weiteren Prominenten das erste Drehstromkraftwerk in Lauffen am Neckar, das für die Internationale Elektrotechnische Ausstellung installiert wurde.
Emil Rathenau (1. Reihe, 6. von links) besucht am 12. September 1891 mit weiteren Prominenten das erste Drehstromkraftwerk in Lauffen am Neckar, das für die Internationale Elektrotechnische Ausstellung installiert wurde.

Es folgte ein beispielloser Aufstieg in der deutschen Industriegeschichte. Die AEG wuchs rasend schnell und baute Flugzeuge, Bügeleisen, Lokomotiven, Kraftwerke und Tonbandgeräte. Mit dem Zugpferd Rüstungsindustrie boomte das Geschäft zu Kriegszeiten. Vor und während des Ersten Weltkriegs war die AEG nach Krupp zweitgrößter Rüstungsproduzent und produzierte auch Flugzeuge für das Deutsche Heer. Mit seiner Beteiligung an der 1918 gegründeten Deutsche Werft AG war der Konzern im Schiffbau engagiert.
In den 1930er Jahren entwickelten AEG-Techniker das «Magnetophon» für die Tonaufzeichnung auf Magnetband. Die AEG-Mitarbeiterzahl nach Angaben des Firmenchronisten Peter Strunk im Zweiten Weltkrieg von 55.000 auf 102.000. Nach Kriegsende wurde die Firmenzentrale nach Frankfurt gelegt, es gelang ein rascher Wiederaufbau. In den 1950ern brummte dann das Geschäft mit Haushaltsgeräten, etwa mit dem ersten Waschvollautomaten auf dem Markt: dem «Lavamat». Berühmt wurde auch die Schreibmaschinen der Marke «Olympia». Nach dem Zusammenschluss mit Telefunken stand die AEG 1970 mit 178.000 Mitarbeitern an zwölfter Stelle der Weltrangliste der größten Elektrounternehmen.
Doch dann setzte im Wettrennen mit anderen Firmen der Niedergang ein. Ölpreisschock und Weltwirtschaftskrise machten dem Konzern zu schaffen. Der einstige Firmenslogan «AEG – Aus Erfahrung Gut» verkam im Volksmund zum Spott «AEG: Ausgepackt – Eingeschaltet – Geht nicht». Führungsprobleme und Finanzchaos belasteten die Firma, die jahrelang am Abgrund balancierte.

AEG-Elektroherd Carnfix
AEG-Elektroherd Carnfix

«Die Geschichte der AEG zeigt, dass auch große Unternehmen sterben könne, vor allem dann, wenn sie aus ihrer Geschichte keine Lehren ziehen», schreibt Peter Strunk in seinem Buch über die Konzerngeschichte. 1982 stellte die Konzernführung schließlich den Antrag auf ein gerichtliches Vergleichsverfahren. Damit begann der Ausverkauf von Unternehmensteilen. Am 17. Januar 1996 beschloss der AEG-Aufsichtsrat die Auflösung der AEG.
Die Marke gibt es dank mehrerer Lizenznehmer aber bis heute. Am bekanntesten ist die Hausgerätesparte, die mitsamt den Markenrechten heute dem schwedischen Konzern Electrolux gehört. Dessen Deutschlandzentrale in Nürnberg steuert Verwaltung, Vertrieb und Kundendienst. Das Siegel «Made in Germany» tragen aber nur noch wenige der AEG-Geräte. Das letzte Deutschland-Werk liegt im 70 Kilometer entfernten Rothenburg ob der Tauber. 1.050 Mitarbeiter produzieren dort jährlich rund 2,15 Millionen Herde, Öfen und Kochfelder. Sie werden laut Unternehmensangaben in mehr als 50 Länder der Erde exportiert. «In Europa ist Deutschland der wichtigste Markt für den Electrolux-Konzern und nach den USA und Brasilien der drittwichtigste global», sagt eine Sprecherin.
In Deutschland mit starken heimischen Konkurrenten wie Siemens und Bosch ist die Marke AEG nach Unternehmensangaben die Nummer drei bezogen auf ihren Absatz.

Zeigerschreibmaschine AEG Mignon (um 1930)
Zeigerschreibmaschine AEG Mignon (um 1930)
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