Ein belgischer Pater forscht in San Pedro de Atacama

Eine der touristischen Hauptattraktionen von San Pedro de Atacama in der II. Region ist das Museo Arqueológico Gustavo Le Paige. Das Museum trägt den Namen eines belgischen Jesuiten, der einen Großteil seines Lebens der Suche, Sammlung und Studie von archäologischen Überresten der Zone gewidmet hat.

Die Geschichte des Priesters beginnt in Belgien. Gustavo Le Paige wird am 24. November 1933 in Tileur geboren. Er ist eines der elf Kinder von Teresa Walque und Ubric Le Paige, dem Leiter einer Sternwarte, Historiker und Experte für Wappenkunde. Gustavos Großvater väterlicherseits betätigt sich als Professor für Mathematik und Astronomie. Sein Großvater mütterlicherseits ist auf Mineralogie, Paläontologie und Naturwissenschaften spezialisiert. Le Paige wächst somit in einem äußerst intellektuellen Umfeld auf, welches wohl sein Interesse an Naturwissenschaften prägt.

In der Ordensschule der Jesuiten wird seine Leidenschaft für Humanwissenschaften geweckt: Er erlernt Griechisch und Latein. Da er sich zum Dienste im Namen Gottes berufen fühlt, tritt er 1922 ein Noviziat im Jesuitenorden von Arlon an. In dieser Probezeit absolviert Le Paige an der Université catholique de Louvain sein Philosophie- und Theologiestudium. Dieses unterbricht er für drei Jahre, um in einer Schule im damaligen Belgisch-Kongo zu missionieren. Nach seiner Priesterweihe kehrt er 1936 nach Belgisch-Kongo zurück. Dort bleibt er bis 1952, als er die Kolonie wegen Differenzen mit den kolonialen Aufsehern verlässt.

 

Missionsreise nach Chile

Im August 1953 tritt er auf Empfehlung des ersten Oberen seines Ordens eine Missionsreise nach Chile an, wo sein ehemaliger Studienkollege und Ordensbruder Alberto Hurtado kurz zuvor verstorben war. Nun hat Le Paige die Stelle in der Pfarrei des nördlichen Chuquicamata inne. In seinen ausgedehnten Spaziergängen durch die Zone realisiert er das außerordentliche archäologische Potenzial der Landschaft.

Ein Jahr später wechselt er zur Pfarrei von San Pedro de Atacama und kommt dort erneut mit einer ländlichen Gemeinde in Kontakt. 25 Jahre seines Lebens widmet er der gründlichen Erforschung der atacamenischen Kultur. Auf seinen Besuchen in Dörfern, prähistorischen Friedhöfen und ehemaligen Schauplätzen kultischer Rituale führt er eine historisch wertvolle Sammlung an archäologischen Fundstücken zusammen.

Die ersten Funde werden noch in seiner Pfarrei ausgestellt, solange bis deren Kapazität irgendwann ausgeschöpft ist. Mit Hilfe der örtlichen Gemeinde errichtet Le Paige das Museo Arqueológico de San Pedro im Adobe-Baustil, welches sich bis heute nahe der Plaza von San Pedro befindet.

Finanziell unterstützt wird er dabei von der Universidad Católica del Norte, damals noch jesuitisch und nur Universidad del Norte genannt. Heute ist die Universität im Besitz des Museums. Die Kollektion zeigt die Entwicklung der atacamenischen Kultur über mehrere Tausend Jahre hinweg und zählt 380.000 Ausstellungsstücke aus dem Atacamagebiet, darunter Mumien und vorkolumbische Exponate aus Keramik, Stoffen und Metallen.

Le Paige verfasste außerdem vier Bücher über die Geschichte der Atacamenier und veröffentlicht zahlreiche Artikel, die neue Impulse gaben, die indigenen Bevölkerungen besser kennen zu lernen und zu erforschen. In der Atacamaregion gewann er aber vor allem wegen seiner Entwicklungsarbeit an großer Beliebtheit: Er veranlasste den Bau von Krankenhäusern, Schulen, Straßen, Spielplätzen, Gasthäusern und Systemen der Wassergewinnung. Nicht nur das Museum, sondern auch eine Hauptstraße San Pedros ist heute nach ihm benannt.

Für seine Dienste verlieh ihm die chilenische Regierung aus Dankbarkeit die Staatsbürgerschaft. Zudem würdigten ihn die Universidad del Norte, die Universidad Católica und die Universidad de Chile mit dem Titel des doctor honoris. Gustavo Le Paige verstarb am 19. Mai 1980 im Kloster seines Ordens in Santiago. Sein letzter Wille, in San Pedro de Atacama beigesetzt zu werden, wurde ihm erfüllt.

 

Von Lena Pirzer

 

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