Bremen: Kleines Land mit Weltanschluss

29. Juni 2011 von

Bremen ist komplett vom Gebiet Niedersachsens umgeben. Dennoch hat sich das kleinste Bundesland über seine Grenzen hinaus nicht nur mit dem berühmten Bremer Stadtmusikanten und dem steinernen Roland, sondern vor allem mit Bremerhaven als einem der größten Überseehäfen Europas einen bedeutenden Namen verschafft.

In den ersten Jahrhunderten n. Chr. ließen sich Siedler entlang der Bremer Düne nieder. Dieser Dünenrücken verläuft parallel zum Fluss Weser und bot Schutz vor Hochwasser. Im Jahre 150 n. Chr. erwähnte ein Geograph aus Alexandria zuerst eine Siedlung in der Nähe des heutigen Bremens als Brema (lateinisch) oder Bremo (altsächsisch). Dies bedeutet so viel wie Rand, Umfassung oder Franse und könnte auf die geographische Lage an der Düne hinweisen. Der christliche Missionar und erste Bischof Bremens Willehad erwähnte die Stadt Bremen erstmals im Jahre 782.

Blüte durch Handel und Klerus

Aufgrund der Wassernähe unterhielten die Bremer schon im frühen Mittelalter Handelsbeziehungen zu friesischen Händlern. Die Balge, ein kleiner Seitenarm der Weser, der im 19. Jahrhundert zugeschüttet wurde, diente ihnen als erster bedeutender Hafen der Stadt.

Doch auch der kirchliche Einfluss prägte die Stadt: Mitte des 9. Jahrhunderts zog der ehemalige Hamburger Erzbischof Ansgar nach Bremen und baute dort den ersten steinernen Dom. Die Wikinger hatten kurz zuvor den hölzernen Dom, der auf der Höhe der Bremer Düne gethront hatte, zertrümmert. Rund um den Dom erfolgte nun zunehmend die Ansiedlung von Händlern und Bauern. Bereits zu diesem Zeitpunkt etablierten Händler jahrmarkt- und wochenmarktähnliche Tauschgeschäfte in der Bremer Innenstadt.
Im Jahr 965 erteilte Kaiser Otto I. der Stadt Bremen offizielles Münz- und Marktrecht; das heutige Volksfest Bremer Freimarkt hatte dort bereits 1035 seinen Ursprung.

Das Bremer Rathaus und rechts davon der Dom, erbaut nach dem Vorgänger des heutigen Kölner Doms

Der Aufstieg der Stadt nach dem Bremer Brand

Ausgelöst durch den Streit zweier konkurrierender Dompröpste und einer daraufhin folgenden Brandstiftung fiel der Bremer St.-Petri-Dom im Jahr 1041 den Flammen zum Opfer. Das Feuer, das als Bremer Brand in die Geschichte einging, zerstörte weite Teile der Altstadt.

Der von 1043 bis 1072 regierende Adalbert, Erzbischof von Hamburg und Bischof von Bremen, ließ den Dom in Anlehnung an den Stil des Kölner Doms wiederaufbauen und kurbelte die Wirtschaft des Warenumschlagplatzes an; die Bremer trieben Handel mit englischen, norwegischen und niederländischen Kollegen. Durch das sogenannte Holländerrecht halfen niederländische Siedler bei der Nutzbarmachung der landwirtschaftlichen Flächen des schlammigen Hollerlandes östlich von Bremen und erhielten dafür im Gegenzug Privilegien für ihre Landwirtschaft. Der zunehmend florierende Agrarsektor trug zum wachsenden Wohlstand Bremens bei.

Im Jahre 1186 schlug eine der wichtigsten Stunden für die Bremer Bürger: das Gelnhauser Privilieg von Friedrich I. Barbarossa, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, versicherte Bremen im sogenannten cives Bremensis civitatis Unabhängigkeit von der Kirche und direkte Unterstellung unter den Kaiser. Bremen erhielt somit den Titel als Freie Reichsstadt. Die Etablierung eines siebenköpfigen Stadtrates vollendete die Machtposition der bürgerlichen Selbstverwaltung gegenüber dem Erzbistum, das die Stadträte jedoch weiterhin respektierten.

Wahrzeichen der Unabhängigkeit der Stadt ist bis heute der 1404 errichtete Roland. Die gut fünf Meter große Kalksteinstatue stellt Roland, einen Neffen Karl des Großen, dar. Als Wahrzeichen für die Freiheit der Stadt Bremen hält er Schild mit Doppeladlerwappen und ein Schwert in Händen: das eine Zeichen der Reichsunabhängigkeit, das andere Symbol der städtischen Gerichtsbarkeit.

 

Im Zank mit der Hanse

Der Reichtum der Stadt vergrößerte sich stetig, Markt- und Handelstreiben belebten die Region. 1260 trat die Stadt der Hanse bei, was die wirtschaftliche Situation weiter begünstigte. Dennoch fiel es einigen Händlern schwer, sich an die Handelsbestimmungen der Hanse zu halten, sodass Bremen 1285 erstmals aus dem Bund ausgeschlossen wurde.

In der Zeit zwischen 1351 und 1359 schwächte das Machtgerangel zweier Erzbischofskandidaten die Stadt. In der anschließenden Hoyaer Fehde, einer kriegerischen Auseinandersetzung mit der Grafschaft Hoya, erlitt Bremen eine Niederlage und musste hohe Auslösegelder für die in Gefangenschaft geratenen Ratsmitglieder zahlen.

Da die Bremer Kaufleute einen 1358 von der Hanse verhängten Handelsboykott nicht beachteten, wurde Bremen kurzzeitig erneut ausgeschlossen. Der Wiedereintritt erfolgte nach reumütigen Entschuldigungen der Bremer Abgeordneten. 1427 kam der erneute Ausschluss, da andere Mitgliedsstädte der Meinung waren, die Bremer nähmen die Verfolgung von Seeräubern nicht ernst genug. Den nächsten Rauswurf verzeichneten die Bremer 1563 aufgrund von Streitigkeiten zwischen Reformierten und Lutheranern. 1576 wurde der Ausschuss wieder einmal rückgängig gemacht und dauert bis 1669 an.

Die Reformation hatte auch in Bremen den Streit zwischen Reformierten und Lutheranern entfacht. Im Jahre 1522 hielt Heinrich von Zütphen, ein vertriebener Augustinermönch, in Bremen die erste reformatorische Predigt. Letztlich war der Erzstift Bremen zwar lutherisch, die Stadt Bremen jedoch calvinistisch.
Der Westfälische Frieden säkularisierte die Stadt und brachte 1648 das Herzogtum Bremen (Teile des heutigen Niedersachsens und Bremen) hervor, welches gemeinsam mit dem Herzogtum Verden an Schweden überging. Den Status der Freien Reichsstadt behielt es in dieser Phase bei. Nach einem Hin und Her zwischen schwedischer und dänischer Herrschaft wurde das Herzogtum Bremen im Jahre 1715 an das Kurfürstentum Braunschweig- Lüneburg verkauft. Napoleon schließlich ernannte Bremen zur Hauptstadt des französischen Departements Wesermündungen (1811-1814).

Auf dem Wiener Kongress im Jahre 1815 erhielt Bremen als Teil des Deutschen Bundes den Status eines souveränen Staates, bis die Stadt 1866 dem von Preußen angeführten Norddeutschen Bund beitrat. Nach Reichsgründung im Jahre 1871 festigte Bremen seinen Titel als Freie Hansestadt und konnte sich besonders durch den Beitritt zum Deutschen Zollverein 1888 und die Eröffnung des ersten deutschen Freihafens eine kleine machtpolitische Stellung sichern.

 

Bremerhaven

Das 1949 entstandene Bundesland Freie Hansestadt Bremen besteht neben der Stadt Bremen auch aus dem 60 Kilometer entfernten Bremerhaven an der Nordsee. Als die Versandung der Weser im 19. Jahrhundert zunahm, kaufte der damalige Bürgermeister Johann Smidt 1827 dem Königreich Hannover ein Stück Land an der Wesermündung ab und sicherte somit die Handelsanbindung Bremens. Hochseefischerei war zudem sehr ertragreich.

Bremerhaven ist die einzige deutsche Großstadt, die direkt an der Nordsee liegt. Heute ist Bremerhaven ein wichtiges Exportzentrum der Bundesrepublik. Bereits im 19. Jahrhundert verfügte Bremerhaven über Handelsbeziehungen mit den USA und nach China. Von diesem Hafen aus verließen im 19. Jahrhundert über sieben Millionen Emigranten das Land und segelten in die Neue Welt, einige darunter auch nach Chile.

Die Bombardierungen während des Zweiten Weltkriegs vernichteten 1944 über 60 Prozent der historischen Altstadt Bremens wie beispielsweise die St. Ansgarii-Kirche und beschädigten sowohl den Bremer St. Petri-Dom als auch die Kirchen St. Martini und St. Stephani schwer. Dem Roland baute man im Krieg einen bombensicheren Schutzmantel, so dass das Wahrzeichen der Freiheit der Stadt überlebte.

Nach dem Krieg entschieden britische und amerikanische Alliierte, Bremen und Bremerhaven, welches zwischenzeitlich den Namen Wesermünde oder Geestemünde trug, mit dem Stadtkreis Wesermünde zu einem Verwaltungsgebiet zu vereinigen. 1949 wurde die Freie Hansestadt Bremen als ein Bundesland der Bundesrepublik aus der Taufe gehoben.

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