Bartholomäus Blümlein: «El alemán» auf Eroberungsfeldzug

Nicht nur Spanier dienten unter dem Konquistadoren Pedro de Valdivia: Der Deutsche Bartholomäus Blümlein besaß große Landgüter, gründete die erste Getreidemühle im Land und betrieb Weinbau.

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Als 1520 Karl V. zum Kaiser vom Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gewählt wurde, erwarb sich die reiche Familie Fugger aus Augsburg über ihre bedeutende finanzielle Unterstützung des Herrschers Anrechte über die Entdeckungen und Eroberungen der neuen Ländereien der Spanier. Und so könnte die Frage gestellt werden: Hätte sich die deutsche Präsenz in Chile noch viel früher bemerkbar gemacht, wenn die Fuggers damals ihr Anrecht vehement eingefordert hätten?

Schon 1520, als Ferdinand Magellan die nach ihm benannte Meeresstraße entdeckte, begleiteten ihn in seiner Mannschaft zwei Deutsche namens Georg und Hans, deren Nachnamen von Antonio Pigafetta, Chronist dieser ersten Weltumseglung, leider nicht erwähnt werden. Sie müssen also die ersten Deutsche gewesen sein, die das spätere chilenische Gebiet betraten – und zwar 16 Jahre bevor Diego de Almagro Chile 1536 entdeckte.

Als vier Jahre danach Pedro de Valdivia sich in Peru aufmachte, «um Gelände für die Ehre und Glanz Spaniens zu erobern», half ihm dabei ein gebürtiger Deutscher. Barthel Blümlein, auch als Bartholomäus Blumen oder Blumenthal erwähnt, hatte unter Francisco Pizarro als Waffenmeister gedient und besaß dank seiner mühevollen Arbeit und Sparsamkeit ein bedeutendes Kapital, das er Valdivia und dessen Eroberungsplänen zur Verfügung stellte.

Blümlein wurde 1505 in Nürnberg als Sohn des Deckenwebers Hans Blümlein und seiner Frau Agathe Weltzer geboren. In seinem Testament nennt er sich selbst als «gebürtig im Deutschen Reich». Er kam über Sevilla in Spanien nach Santo Domingo in Mittelamerika, wo er Handel mit Pferden und europäischen Waren aller Art betrieb. Nach vorübergehendem Aufenthalt im späteren Nicaragua ging er 1536 nach Peru und stellte sich unter Befehl von Pedro de Valdivia. Er hatte mittlerweile seinen Namen in Bartolomé Flores hispanisiert, blieb aber trotzdem bis zu seinem Tode noch als «El alemán» bekannt.

Er meldete sich freiwillig als Mitglied des Unternehmens und fügte 30 «yanaconas», eingeborene Sklaven, und einige erstklassige Pferde dazu. Außerdem steuerte er Valdivia 12.000 Goldpesos zu, um das Ganze zu finanzieren. Man bedenke, dass damals eine Kuh ungefähr zwei Goldpesos kostete.

Ein Chronist der damaligen Zeit weiß zu berichten, dass Blümlein zwei Kinder in Peru hinterließ: Bartola und Bartolo; dieser soll später wegen des Erbes seines Vaters nach Chile gekommen sein.

Am 12. Februar 1541 wurde Blumen auch einer der Gründer der Stadt Santiago. Auf dem ersten Stadtplan wurde die heutige Straße «Catedral» damals mit dem Namen «Calle de Flores» versehen, da er zu der Zeit der angesehenste Mann war, der dort wohnte.

Blümlein wurde schon bei den ersten Zusammenstößen mit den indigenen Ureinwohnern für seinen Mut und seine Kaltblütigkeit bekannt. Überliefert ist seine Hilfe bei der Verteidigung der neugegründeten Stadt am 11 September dieses Jahres. Der Deutsche stand Inés de Suárez bei, die die angreifenden Picunches unter dem Kaziken Michimalonco damit abschreckte, dass sie die Köpfe von sieben gefangen genommenen Kaziken auf Piken ausstellte. Blümlein selbst kam bei der Auseinandersetzung mit drei Wunden davon. Eine Schlucht in der Nähe von Concepción, wo er tapfer gegen die Araukaner gekämpft hatte, wurde ihm zur Ehre «La quebrada del alemán» genannt.

Blümlein zeigte sich stets loyal gegenüber der Obrigkeit und beteiligte sich an keiner Verschwörung. Er wurde von Valdivia als Sachwalter der Stadt (Procurador) ernannt und später Vermögensverwalter (Mayordomo). Er war übrigens einer der Wenigen, die damals lesen und schreiben konnten.

Bei der Verteilung der Indianerlehen 1544 durch Pedro de Valdivia erhielt Flores alias Blümlein das Gebiet des Kaziken von Tala Kanta (Talagante). Der Picunchehäuptling ließ sich auf den Namen Bartolomé christlich taufen. Mit dessen einziger Tochter Elvira verband sich Flores, auch wenn die damaligen Gesetzte eine Ehe nicht zuließen. Nach dem Tod des Kaziken erbte Doña Elvira weite Ländereien, und so wurde Flores einer der reichsten Landbesitzer Chiles, dessen Gebiet von den Cauquenes-Thermen im Süden bis nach Valparaíso reichte. In der Nähe der heutigen Hafenstadt besaß er die «Hacienda del árbol copado». Die Weingärten, die Flores dort anbauen ließ, wurden bekannt als «Viña del Alemán» und wechselten mit der Zeit zum Namen «Viña del Mar».

Er züchtete nebenbei Pferde, Schweine und Geflügel und versah den Statthalter bei größeren Feldzügen unentgeltlich mit Reittieren. Auch war er ein begabter Zimmermann und baute die ersten zweirädrigen Karren, um den Dienstindianern das Lastentragen zu erleichtern. Aus seiner Werkstatt gingen die Bänke für den Ratssaal hervor. Anlässlich einer geringen kirchlichen Verfehlung musste er außerdem mit anderen Zimmerleuten die Kirchentüren liefern.

Im Jahr 1548 baute er in der Nähe vom heutigen Cerro Santa Lucía, damals noch «Cerro Huelén» die erste Weizenmühle im Land. In seinem Testament 1574 vermachte er sie dem Hospital «Nuestra Señora del Socorro».

Bartholomäus und Elvira hatten nur eine Tochter, die nach der Mutter von ihm Agathe Weltzer – auch Águeda – genannt wurde. Er starb 1585 für damalige Zeit im sehr hohen Alter von 80 Jahren, anerkannt als «ein Mann von Gut und Ehre».

 

Emil-Held-Archiv

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