Albert Einstein – der Jongleur von Raum und Zeit

«Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig», sagte Albert Einstein einmal. Seine Physikkollegen und der Rest der Welt sahen das natürlich anders.

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Einstein revolutionierte mit seinen Ideen über Materie, Raum und Zeit unser Weltbild. Die wohl berühmteste Formel der Welt, E=mc², und die Relativitätstheorie stammen aus der Feder des theoretischen Physikers. Für einige ist er der Inbegriff des Forschers und des Genies. 1921 erhielt er für seine Entdeckungen den Nobelpreis für Physik.

Doch bis es soweit war, musste sich Einstein erst einmal entwickeln. Seine Hochbegabung war zunächst nicht vorherzusehen. Einstein wurde 1879 in Ulm geboren, er stammt aus einer alteingesessenen jüdischen Familie. Kurz nach seiner Geburt zog die Familie nach München. Hier wuchs Albert Einstein auf. Das Kind lernte erst mit drei Jahren sprechen, und in der Schule fiel er nicht durch gute Noten auf, sondern dadurch, dass er ein aufgeweckter, manchmal sogar aufrührerischer Schüler war.

Allerdings konnte man bereits in seiner Schulzeit seine Vorliebe für die Naturwissenschaft erkennen. In seiner Freizeit las Einstein populärwissenschaftliche Bücher und verschaffte sich einen Überblick über den Forschungsstand auf verschiedenen Gebieten.

 

Im zweiten Anlauf

Für sein Abitur, das er in der Schweiz machte, brauchte Einstein zunächst einen zweiten Anlauf. Er hatte sich einem Lehrer quergestellt und war zu trotzig, sich zu entschuldigen. Im Oktober 1896 war es dann aber soweit: Er hatte endlich seine Matura in der Tasche. Aber auch beim Studienbeginn wurden ihm einige Stolpersteine in den Weg gestellt. Die Aufnahmeprüfung am Züricher Polytechnikum bestand er zunächst nicht. Auch hier brauchte er einen zweiten Anlauf, um seinen Studienplatz zu bekommen.

Endlich an der Universität angekommen, fiel er seinen Professoren auf – aber vor allem durch seine Abwesenheit in den Vorlesungen. Als eigenwillig wurde er damals beschrieben. Nur wenige erkannten, dass der junge Einstein außerordentlich begabt war. Denn während er die Vorlesungen schwänzte, zog er sich zurück und dachte lieber über eigene physikalische Gedankenexperimente nach. Einstein war keineswegs faul, sondern ein sehr neugieriger Student. Nur fand er den Unterricht meist zu leicht und langweilte sich. Bereits mit 16 Jahren schrieb er seine erste wissenschaftliche Arbeit.

Im Jahr 1900 verließ Einstein die Universität mit dem Abschluss als Fachlehrer für Mathematik und Physik. Von da an ging es mit der Karriere des Physikers steil bergauf: Im Jahr 1905, mit 26 Jahren, veröffentlichte er seine Arbeit zum photoelektrischen Effekt, für die er später den Nobelpreis erhalten sollte.

Noch im selben Jahr schrieb er seinen Aufsatz zur Frage: Ist die Trägheit eines Körpers von seinem Energieinhalt abhängig? Hier tauchte sie zum ersten Mal auf, die wahrscheinlich berühmteste Formel der Welt. E=mc² bedeutet, dass die Energie gleich der Masse mal Lichtgeschwindigkeit zum Quadrat ist. Das heißt wiederum, dass die Masse und die Energie eines Gegenstands in einem festen Verhältnis zueinanderstehen.

Wofür Einstein außerdem weltberühmt geworden ist, ist seine Relativitätstheorie – eines seiner großen physikalischen Denkexperimente, über die er sich den Kopf zerbrach, wenn er sich zurückzog. Einstein selbst hat die Relativitätstheorie einmal so beschrieben: «Wenn man zwei Stunden lang mit einem Mädchen zusammensitzt, meint man, es wäre eine Minute. Sitzt man jedoch eine Minute auf einem heißen Ofen, meint man, es wären zwei Stunden. Das ist Relativität.»

Einstein machte 1906 seinen Doktor, im Jahr 1911 vervollständigte er seine wissenschaftliche Karriere. Er wurde Professor der theoretischen Physik an seiner alten Universität in Zürich.

 

Berliner Jahre

Lange hielt es den Physiker aber dort nicht. Denn er wurde Mitglied in der Preußischen Akademie der Wissenschaften, damals ein sehr angesehenes Forschungsinstitut. Deshalb zog er nach Berlin um. Hier fand er endlich die nötige Zeit und Ruhe, sein großes Werk zu Ende zu bringen – die allgemeine Relativitätstheorie. Denn bisher hatte er nur die spezielle Relativitätstheorie veröffentlicht. Er suchte aber nach einer Theorie, die für alle Fragestellungen in der Physik gilt.

Zwei Jahre grübelte er, dann kam er endlich auf das Ergebnis und veröffentlichte die allgemeine Relativitätstheorie. Heute findet man sie in jedem Physikbuch. Einstein stand damals am Höhepunkt seiner wissenschaftlichen Karriere. 1917 wurde er sogar zum Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts.

Seine Berliner Jahre waren aber nicht nur durch seinen Karrieresprung gekennzeichnet. Sie prägten auch seine politische Entwicklung. Einstein war bekennender Pazifist und Sozialist. Wahrheit, Freiheit, Demokratie und Ethik waren die Themen, für die er sich einsetzte und über die er Aufsätze schrieb.4062_p13b

Durch seinen Karrieresprung wurde der junge Wissenschaftler immer beliebter und bekannter. Jeder wollte Einstein persönlich erleben. Deshalb hatte er die Möglichkeit, auf diverse Forschungsreisen zu gehen. Er hielt Vorlesungen auf der ganzen Welt und bekam mehrere Ehrendoktorwürden, darunter von der bekannten Princeton University in New Jersey, USA. Von nun an beschloss er, je eine Jahreshälfte in Princeton und in Berlin zu verbringen.

Wie sich später herausstellte, war das eine weise Entscheidung. Denn als Hitler 1933 an die Macht kam, befand sich der deutsch-jüdische Wissenschaftler in den USA. Seitdem kehrte er nicht mehr nach Deutschland zurück. Sämtliche Kontakte nach Deutschland brach Einstein ab. Er trat aus allen deutschen Akademien und Institutionen aus. 1934 wurde in Deutschland seine Identität gelöscht: Er wurde strafausgebürgert, alle seine Schriften wurden vernichtet. Einstein verhalf unterdessen zahlreichen bedrohten jüdischen Künstlern und Wissenschaftlern zur Ausreise aus Deutschland in die USA.

 

Auf der Suche nach der Weltformel

Einstein forschte in Princeton akribisch weiter. Sein neues Projekt: Die Vereinigung der Gravitation mit der des Elektromagnetismus. Ein schwieriges Vorhaben. Aber wenn sich der Wissenschaftler einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, löste er es in der Regel auch. Bis auf ein großes Rätsel: Bis zu seinem Tode suchte er vergeblich nach einer Weltformel, die alle Zusammenhänge auf einmal erklärt. Doch das ist bis heute noch keinem Forscher gelungen.

Auch im hohen Alter engagierte sich Einstein für den Weltfrieden. Zusammen mit zehn weiteren Wissenschaftlern unterzeichnete er das Russel-Einstein-Manifest, um die Welt für die Abrüstung zu sensibilisieren.

1955 starb Albert Einstein im Alter von 76 Jahren. Was nur wenige wissen: Der Pathologe im Krankenhaus in Princeton stahl bei der Obduktion das Gehirn des Wissenschaftlers. Und er fand bei der Untersuchung heraus, was bereits viele dachten: Einstein war ein Genie. In seinem Gehirn fand der Pathologe zwar nicht mehr graue Zellen als bei einem normalen Menschen. Aber die Nervenzellen untereinander waren viel stärker vernetzt, was es ermöglicht, schneller zu denken und Zusammenhänge herzustellen.

 

Von Katrin Ewert

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