Die Wiedervereinigung als roter Faden

Nach sechs Jahren intensiver Arbeit trat Jürgen Leibbrandt auf der diesjährigen Synode der Evangelischen Kirche im Ort Chamiza, nahe bei Puerto Montt, von seinem Amt als Vorstandsvorsitzender zurück. Walter Dümmer, der seit mehreren Jahren im Direktorium tatkräftig mitwirkt, wurde zu seinem Nachfolger gewählt.

Synode in Chamiza 2015, die teilnehmenden Pfarrer: Hinten: Alejandro Zegers (Chamiza), Andreas Handstein (Puerto Montt), Esteban Alfaro (Stgo.), Carlos Neibirt (Frutillar), Bischof Siegfried Sander, Hemir Angel Ochoa (Valdivia), Eduardo Rojo (Temuco), Vorne: Kurt Gysel (Stgo.), Eduardo Silva (Llanquihue), Vikar Miguel Angel Núñez (Valparaíso), Rodolfo Olivera (Valparaíso). Foto: Daniel Lenski
Synode in Chamiza 2015, die teilnehmenden Pfarrer: Hinten: Alejandro Zegers (Chamiza), Andreas Handstein (Puerto Montt), Esteban Alfaro (Stgo.), Carlos Neibirt (Frutillar), Bischof Siegfried Sander, Hemir Angel Ochoa (Valdivia), Eduardo Rojo (Temuco); Vorne: Kurt Gysel (Stgo.), Eduardo Silva (Llanquihue), Vikar Miguel Angel Núñez (Valparaíso), Rodolfo Olivera (Valparaíso).
Foto: Daniel Lenski

 

Von Walter Krumbach

Am Wochenende des 17. Oktober widmete die Versammlung nach einem festlichen Gottesdienst mit Heiligem Abendmahl den ersten Tag einzig der Bestätigung der neuen Satzungen des CILCH (Consejo de Iglesias Luteranas en Chile). Die Wahl fiel vorteilhaft aus, die Statuten wurden somit offiziell anerkannt. Allerdings steht noch ihre Bestätigung durch die Iglesia Evangélica Luterana en Chile (IELCH) aus.
Im Folgenden schritt man zur Neuwahl des Vorsitzenden und der Sekretärin des Vorstandes. Außer Leibbrandt gab auch Rosemarie Junge ihren Posten auf. Als Nachfolger ernannte die Vereinigung Walter Dümmer zum Präsidenten und Pfarrer Eduardo Rojo zum Sekretär. Zusätzlich wurden Rosemarie Junge, Monserrat Madariaga und Sylvia Menzel zu Stellvertretern vor dem CILCH gewählt.
Der scheidende Vorsitzende Jürgen Leibbrandt wies in seinem Bericht auf «unser Hauptziel als Kirche» hin, nämlich «das Evangelium zu verkünden», weshalb sie zum Beispiel darum Sorge zu tragen hat, dass jede Gemeinde mit ihrem bevorzugten Pfarrer rechnen kann. Der Arbeit mit den Kindern maß er besondere Wichtigkeit bei. «Es gibt auf diesem Gebiet noch viel zu tun.»
Außerdem erklärte Leibbrandt, dass die Zusammenarbeit mit dem CILCH harmonisch und wirksam voranschreite. «Dieser Vorgang ist einer der längsten und intensivsten für unsere Gemeinden und den Synodalrat gewesen.» Der Vorsitzende lobte den Zeitaufwand und die Gründlichkeit, die die Präsidenten der Gemeinden an den Tag legten, um die Satzung des CILCH auszuarbeiten, die «ein Beispiel zur Wiedervereinigung der Chilenen» darstelle. Er sprach seine Hoffnung aus, dass auch die IELCH sie anerkennen möge.
Bischof Siegfried Sander warf in seinem Bericht die Frage auf, wie die Lutherische Kirche in Chile der Herausforderung der gegenseitigen Akzeptanz und Aufnahme gerecht wird, wo doch im Inland die Anzeichen von Misstrauen sehr hoch seien. Im Folgenden benachrichtigte er die Anwesenden über die neuen Bestimmungsorte beziehungsweise -gemeinden der Pfarrer. In die Erlösergemeinde von Santiago nahm die Kirche die im März 2014 ordinierte Pfarrerin Hanna Schramm auf. Hemir Ochoa übernahm die Gemeinde in Valdivia, Miguel Núñez ist als Vikar in Valparaíso und Viña del Mar tätig und Pablo Catrileo studiert gegenwärtig mit dem Rückhalt der ILCH Theologie.
Bischof Sander unterstrich drei Schwerpunkte seiner Tätigkeit im vergangenen Jahr. Auf internationaler Ebene begann die Beschäftigung mit den geplanten ökumenischen Festlichkeiten zur 500-Jahrfeier der Reformation im Jahre 2017. Auf nationaler Basis wurde das Projekt des CILCH bearbeitet, einen Lutherischen Kirchenbund zu gestalten, «um ein glaubhafteres Zeugnis in der chilenischen Gesellschaft abzugeben», und drittens warf er die Frage auf: Was tun wir zur religiösen Bildung unserer Kinder?
Einen Höhepunkt habe der Kirchentag 2014 in Santiago dargestellt: «Es glückte, ein ansprechendes, attraktives, vielseitiges Programm vorzustellen, das eine offene lutherische Kirche gezeigt hat», in dem zahlreiche Personen mit interessanten Darlegungen teilgenommen haben und wobei anregende Diskussionen geführt werden konnten. Schließlich sprach Sander das Thema der gegenseitigen Akzeptanz von ILCH und IELCH an: «Es ist für mich sehr schwer zu verstehen, weshalb die Wiedervereinigung der beiden Bruchstücke der geteilten Kirche so schwer ist. Warum herrschen bei einigen Personen Haltungen vor, die von Furcht und Misstrauen motiviert sind?»
Schatzmeister Marcelo Tapia konnte in seinem Bericht einen normalen Zustand der Finanzen bestätigen. Er unterbreitete allerdings den Vorschlag, ab dem kommenden Jahr die Beiträge der Gemeinden um zehn Prozent zu erhöhen, da sie in den vergangenen vier Jahren nicht hinaufgesetzt wurden.
Die Fundación Luterana ist eine Einrichtung, welche die Kirchen auf verwaltungstechnischen Gebiet unterstützt. Ihre Leiterin Helga Koch informierte die Versammlung von einer Erbschaft, die der Erlösergemeinde zugutekam. Es handelt sich um einen Gesamtbetrag von 195 Millionen Pesos, der behinderte beziehungsweise mittellose Kinder unterstützen soll. Zwei Drittel der Gabe gingen auf Wunsch des Spenders an die Schule Arcoiris von Quillota. Der Restbestand floss an die Schule Albert Schweitzer von Puente Alto, an das Hogar Luterano von Valdivia, an die Fundación Luterana in Quilpué, an das Puerto-Fonck-Lagerprojekt sowie als Unterstützung der Verwaltungsarbeiten der Fundación Luterana.
Sabine Köhler, Vorsitzende der Corporación Educacional Albert Schweitzer, verwies in ihrem Vortrag auf das nunmehr 12-jährige Bestehen der Schule, die gegenwärtig 220 Schüler hat. Dank Spenden aus der Schweiz und dem Inland konnte ein Klassenzimmer für den Prä- und den Kindergarten gebaut werden, das 35 Kinder aufnehmen wird. Sie verkündete, dass ab 2018 das erste Oberstufenjahr (I medio) sich in das siebte Grundschuljahr (7º básico) verwandeln wird. Daher steht die Entscheidung offen, «ob die Schule mit der Oberstufe weitermachen wird».
Peter Schauenburg, Vorsitzender der Fundación Hogar Luterano von Valdivia, machte die Gesellschaft darauf aufmerksam, dass die Kindernothilfe, eine Organisation der Evangelischen Kirche Deutschlands, sich von Chile zurückzieht, um in anderen Länder, wo größere Not herrscht, ihre Hilfe zu fokussieren. Aus diesem Grund hat die Einrichtung unter dem Motto «Valdivianer Herzen für Kinder von Valdivia» eine Aktion gestartet, um Spenden zu erhalten. Diese hat laut Schauenburg «bereits Früchte getragen und jetzt wollen wir auch Firmen und Industrien sensibilisieren, um Spenden zu erhalten». Die Organisation ist seit 48 Jahren zugunsten der ungeschützten Kinder im Einsatz, äußerte ihr Leiter, «und wir vertrauen auf Gott, dass wir diesen Weg weiter beschreiten können»
Synoden hält die Evangelische Kirche alle zwei Jahre ab. Die nächste wird somit im Lutherjahr 2017 stattfinden. Als Austragungsort ist Santiago vorgesehen.

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3 Comments

  1. REINER SIMON

    ICH WÜRDE MICH FREUEN HERRN SIGFRIED SANDER PERSÖNLICH SPRECHEN ODER AUCH NUR KONTAKTIEREN ZU KÖNNEN!!!ICH BIN DEUTSCHER , MEINE MUTTER STAMMT AUS LAUTERECKEN, PFALZ UND VIELES MEHR WAS ICH GERNE MIT HERR SANDER BESPRECHEN WILL!?
    VORAUS GESETZ ER INTERESSIERT SICH FÜR MEINE ODER UNSER BEIDER GESCHICHTE!! REINER SIMON;;CORONEL__CHILE

  2. REINER SIMON

    Diese Nachricht soll bitte Herr Sander zugestellt werden! Vielen dank,Reiner Simon!!

  3. Pingback: Die Geschichte der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Chile und deren Spaltung 1974/75 – Familia Vetsch en Chile

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