Wieder Messe in Sankt Michael

Der Gemeinderat freut sich über den Neubeginn: Gabriele Frings, Eva Friederichs, Osvaldo Avendaño, Pfarrer Erich Hauck, Eduardo Böhm, Gilberto Rudolph, Hildegard Munski, Jutta Weick, Ingo Braun und Monika Friederichs.
Der Gemeinderat freut sich über den Neubeginn: Gabriele Frings, Eva Friederichs, Osvaldo Avendaño, Pfarrer Erich Hauck, Eduardo Böhm, Gilberto Rudolph, Hildegard Munski, Jutta Weick, Ingo Braun und Monika Friederichs.

«Dies ist ein kleines Wunder», freut sich Gemeindemitglied Jutta Weick über den Neuanfang der Pfarrei Sankt Michael. Der durch Erzbischof Ricardo Ezzati vermittelte Pfarrer Erich Hauck hielt am zweiten Aprilsonntag erstmals die Messe. Die Gemeinde verwaltet künftig in Eigenregie die Kirchenräume in der Avenida Salvador. Monsignore Peter Lang, Leiter des deutschen Katholischen Auslandssekretariates, sichert dem neuen Gemeinderat seine Unterstützung zu.

Von Silvia Kählert

Noch im Januar hieß es, dass die Pensionierung des seit 28 Jahren in der Pfarrei tätigen Pfarrers Bruno Romahn das Aus für die Pfarrei bedeute. Es gab keinen Nachfolger und auch keine Gelder mehr vom Katholischen Auslandssekretariat der Deutschen Bischofskonferenz. Laut den Statuten der Pfarrei müssen die Kirchengebäude auf dem 900 Quadratmeter großen Grundstück an das Erzbistum Santiago übergeben werden, sobald sich die Gemeinde auflöst.

«Das wollten wir so nicht akzeptieren, wenn man bedenkt, wieviel Aufwand viele deutsch-chilenische Familien geleistet haben, um die vorhandene Infrastruktur und die Einrichtungen zu schaffen», erklärte Eduardo Böhm, der sich künftig als Kassenwart um die Finanzen der Kirche kümmert. Das habe viele Gemeindemitglieder motiviert, sich nun gemeinsam für die vor 60 Jahren gegründete Kirche St. Michael in Providencia einzusetzen.

«Deutschsprachige Katholiken sollen weiterhin in Santiago Gottesdienst auf Deutsch besuchen können.» Dies sei das wichtigste Anliegen der Gemeinde, betont Eduardo Böhm. «Dazu gehören nicht nur die Deutsch-Chilenen, sondern auch Deutsche, die in Chile ihre zweite Heimat gefunden haben, zunehmend auch deutschsprachige Touristen und Expatriierte, die von ihren Firmen nach Chile geschickt werden.»

Ein erster wichtiger Schritt für das neue Gemeindeleben war die Zusage des vor kurzem pensionierten Pfarrers Erich Hauck. «Ich habe den Vorschlag des Kardinals gerne angenommen», sagt  der gebürtige Franke. 1970 ging er als Missionar nach Südamerika. Er wirkte in Ecuador, Chile und Puerto Rico, bevor er sich endgültig in Chile niederließ, denn: «Dort fühle ich mich am wohlsten.»

Seit 1994 arbeitete er in einem Neubaugebiet von Quilicura. «Es war damals für mich eine große Herausforderung, eine Pfarrei sozusagen aus dem Nichts aufzubauen», erzählt er. Ende 2000 wurde sie offiziell mit dem Titel Sagrada Familia de Quilicura bestätigt und anerkannt. Nun ist er gespannt auf die Aufgabe in Sankt Michael: «Es ist ein ganz neues Erlebnis für mich, nach 45 Jahren Zusammenarbeit mit Menschen in Lateinamerika öffentlich eine deutsche Messe zu feiern und mit einer deutsch sprechenden Gemeinde zusammen zu sein.»

Rund 50 Besucher kamen zu seinem Begrüßungsgottesdienst – eine für die Gemeinde hohe Zahl. Bei Kaffee und Kuchen anschließend im Pfarrsaal herrschte Aufbruchsstimmung. «Nachdem nun klar ist, dass es weitergehen kann, freuen wir uns auf neue Gesichter und neue Ideen», fasst Monika Friederichs die Erwartung des neuen Gemeinderats zusammen. Wie bei vielen Mitgliedern der Pfarrei wurden hier schon ihre Eltern getraut und ihre drei Kinder getauft. «Diese Gemeinde und Pater Bruno sind für unsere Familien ein wichtiger Teil unseres Lebens.»

«Kardinal Ricardo Ezzati hat uns sehr freundlich unterstützt. Auch die katholische Nachbargemeinde San Crescente sagte uns ihre Hilfe zu», berichtete Osvaldo Avendaño Kunstmann. Der zweifache Familienvater lernte Pfarrer Bruno Romahn als Religionslehrer seiner Kinder kennen. Der Pfarrer unterrichtete an der Thomas-Morus-Schule, der Marienschule, der Schweizer sowie der Deutschen Schule und konnte so viele Kontakte aufbauen.

Auch die katholische Kirche in Deutschland begrüßt den Neustart der Gemeinde. Monsignore Peter Lang, Leiter des Katholischen Auslandssekretariates, will ihre Arbeit künftig weiter unterstützen: «Dazu gehört unter anderem die Vermittlung von Zuschüssen des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland und eventuell auch eine finanzielle Unterstützung.»

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