Viel zu schade, um nur vorbeizufahren

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Die Gründer und Seelen des Auto-Museums Moncopulli, das Ehepaar Bernardo und Ruth Eggers, vor dem Glanzstück der Ausstellung, einem Studebaker Commander Typ Speedstar Baujahr 1955. Glänzt wie neu, da frisch renoviert.

Von Dietrich Angerstein

Unweit der Stadt, an der gerade neu trassierten und generalüberholten Autostraße 215 nach Puyehue und zur argentinischen Grenze, inmitten der idyllisch grünen, von sauber blitzenden Seen durchsetzten südchilenischen Landschaft, aus der uns schwarzweiße und rotbunte Kühe wiederkäuend anblicken, hatte vor 20 Jahren Familie Eggers den rechten Platz für das Automuseum Moncopulli gefunden. Mehr als 160 Fahrzeuge der unterschiedlichsten Jahrgänge und Marken stehen hier wohlverwahrt und trocken, jedermann zugänglich. Und wer gern Einzelnes wissen will, kann sich anhand einer ausführlichen Beschilderung oder gar direkt durch Bernardo Eggers unterweisen lassen.

Ansicht der großen Studebaker-Halle am Tag der Jubiläumsfeier. Mehr als 200 geladene Gäste gaben sich ein Stelldichein, sogar aus Argentinien fanden Freunde alter Autos den Weg nach Moncopulli, hinzu gesellte sich eine Gruppe US-Amerikaner.
Ansicht der großen Studebaker-Halle am Tag der Jubiläumsfeier. Mehr als 200 geladene Gäste gaben sich ein Stelldichein, sogar aus Argentinien fanden Freunde alter Autos den Weg nach Moncopulli, hinzu gesellte sich eine Gruppe US-Amerikaner.

 

Studebaker, der Favorit
Schon als Kind hatte Bernardo Eggers seine große Liebe zu Studebaker entdeckt. Leider musste im Jahre 1965 dieser renommierte amerikanischen Autofabrikant die Produktion einstellen, ein harter Konkurrenzkampf, der ihm von den großen Herstellern wie General Motors und Ford aufgezwungen worden war, lieferte die Ursache. Studebaker hatte in der technischen und der gestalterischen Entwicklung seinen Konkurrenten stets eine Naslang voraus gelegen und das passte natürlich nicht den anderen.
Heute hat Bernardo Eggers der eingegangenen Marke Studebaker ein würdiges Denkmal gesetzt, es soll eines der größten weltweit sein. Sechzig Fahrzeuge, beinahe alle tadellos restauriert, zieren die Halle, warten auf Besuch. Schon steht mindestens ein Auto pro Modell und Jahrgang der letzten 40 Jahre zur Schau.

Ein seltenes Stück aus der allgemeinen Fahrzeugsammlung: Eine Camioneta, auf Neudeutsch «Pick Up», Ford Baujahr 1949, einst das Standard-Fahrzeug der Landwirte unseres Südens, robust und nicht klein zu kriegen.
Ein seltenes Stück aus der allgemeinen Fahrzeugsammlung: Eine Camioneta, auf Neudeutsch «Pick Up», Ford Baujahr 1949, einst das Standard-Fahrzeug der Landwirte unseres Südens, robust und nicht klein zu kriegen.

 

Aber auch andere Fahrzeuge laden ein
Es hat sich ganz von selbst ergeben, dass auch andere Fahrzeuge vieler Arten und Hersteller ihren Weg nach Moncopulli gefunden haben, Gedanken an Einseitigkeit oder Langeweile kommen nicht auf. Leicht wird die Zahl der Studebaker-Autos durch andere Marken verdoppelt, es darf daher nicht wundern, wenn ein jugendlicher Besucher bei der Vielzahl der Fahrzeuge in lautes Rufen ausbricht: «So ein Auto hat mein Opa gehabt.» Schon das ist eine Reise wert.

Erwin Finsterbusch aus Temuco stiftete dem Museum zwei Traktoren der Marke Johne Deere, Baujahr 1946, reparierte sie vollständig und führte sie wie neu dem überraschten Publikum vor. «Seminuevo» nennen das gewiefte Santiaguiner Autohändler.
Erwin Finsterbusch aus Temuco stiftete dem Museum zwei Traktoren der Marke John Deere, Baujahr 1946, reparierte sie vollständig und führte sie wie neu dem überraschten Publikum vor. «Seminuevo» nennen das gewiefte Santiaguiner Autohändler.

 

Die Überraschung
Im November trafen sich Freunde, Verwandte, Gäste und Vertreter der Behörden zur Feier des 20-jährigen Bestehens des Auto-Museums Moncopulli. Zählen wir die Jahre, die Fahrzeuge, die unzähligen Exponate aus allen Gebieten und was es noch alles gibt zusammen, so kommen wir leicht auf tausend Gründe, das Jubiläum mit Bernardo und Ruth Eggers bei einem reichhaltigen Büfett zu feiern, wobei die Tür zum letzten Grund sich erst gegen Ende öffnete:
Eine Modelleisenbahn, vom Chronisten gestiftet und aufgebaut. Mehrere Züge bewegen Güter- und Personenwagen, Tankwagen werden in einer Raffinerie beladen, rote und grüne Signale blinken, aus dem Lokschuppen mit selbstverständlich dazugehörender Drehschreibe gucken sechs Dampfloks heraus. Weiter hinten verschwindet der Schnellzug im Tunnel.
Fazit: Moncopulli ist eine Reise wert.

Aus der Vogelperspektive betrachtet liegt vor uns das Betriebswerk der Modelleisenbahn, daran schließt ein geschäftiges Industriegebiet an. Man spürt es deutlich: Hier ist was los. Hier ist noch keine Wirtschaftsflaute zu spüren.
Aus der Vogelperspektive betrachtet liegt vor uns das Betriebswerk der Modelleisenbahn, daran schließt ein geschäftiges Industriegebiet an. Man spürt es deutlich: Hier ist was los. Hier ist noch keine Wirtschaftsflaute zu spüren.

 

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