Verkauf der Berghütte Lo Valdés?

Die Berghütte Lo Valdés lieber behalten oder doch vielleicht verkaufen? Auf ihrer Jahresversammlung am Donnerstag vergangener Woche diskutierten die Mitglieder vom DAV-Santiago über ein heikles Thema.

 

Die vereinseigene Berghütte Lo Valdés im Cajón del Maipo wurde bisher alle fünf Jahre an Konzessionäre übergeben, die Gastwirtschaft und Unterkunft eigenständig abwickelten und dem DAV dafür eine Nutzungsgebühr entrichteten. Bisher. – Denn nun hat der aktuelle Betreiber, ein Tourismusunternehmen, bereits nach zwei Jahren das Handtuch geworfen und den Vertrag gekündigt. Das Geschäft laufe zu schlecht, es fehlten Gäste, so die offizielle Begründung.

«Wir haben sechs Monate lang nach einem neuen Konzessionär gesucht», erklärte DAV-Präsident Alvaro Vivanco auf der Jahresversammlung. Erfolglos. Zwar hätten sich insgesamt 28 Interessierte gemeldet, doch zu einem Vertragsabschluss sei es nicht gekommen. Die elf Gästezimmer mit einer Kapazität von 30 Personen würden demnächst nicht mehr verwaltet werden, das Restaurant den Betrieb einstellen. Was nun?

Alvaro Vivanco schlug vor, 20 Millionen Pesos in die Infrastruktur der Hütte zu investieren und somit Lo Valdés für potenzielle Betreiber wieder attraktiver zu gestalten. Die Kosten für die Verbesserung der sanitären Anlagen könnten aus dem Sparguthaben des Vereins bezahlt werden. Laut Bilanz der Kassenwartin Natalie Tabensky schloss der DAV sein operatives Geschäftsjahr 2012 mit einem Gewinn von mehr als 24 Millionen Pesos ab. Geld wäre also genügend vorhanden.

Es war das Vereinsmitglied Carlos Fuchs, der in die laufende Diskussion eine selbstkritische Anregung einbrachte: Wenn der DAV in früheren Zeiten seine Hütte viel genutzt habe und jetzt nicht mehr, dann müsste zwangsläufig zur Debatte stehen, ob Lo Valdés verkauft werden sollte. «Die Frage ist doch: Sind wir ein reiner Bergsteigerverein oder verwalten wir Immobilien, die wir selbst gar nicht besuchen?»

Während einige Anwesende meinten, dass die 1932 im alpinen Architekturstil erbaute Berghütte ein Markenzeichen des Vereins sei, mit der eine historische Verbindung bestehe, räumte DAV-Präsident Alvaro Vivanco ein, dass man auf lange Sicht ernsthaft an eine Veräußerung denken müsste. Laut Schätzungen wäre das Anwesen 400 Millionen Pesos wert. Das Guthaben in einen Investmentfonds auf der Bank anzulegen würde über die Zinsen ein regelmäßiges Einkommen sichern.

Andere Vereinsmitglieder wiederum warnten eindringlich vor diesem Schritt. Die zukünftige Asphaltierung der Talstraße bis El Volcán durch AES Gener sowie den Anschluss der Berghütte an eine Stromlinie des Energiekonzerns, der im Cajón del Maipo derzeit das Wasserkraftwerk Alto Maipo baut, würde die Attraktivität von Lo Valdés wesentlich steigern – und somit auch mehr Besucher anlocken.

Letztendlich segnete die Versammlung die erwähnten Bauarbeiten für 20 Millionen Pesos ab und beschloss, das Thema gesondert zu erörtern.

Insgesamt blickt der DAV Santiago auf eine positive Entwicklung der vergangenen Jahre zurück. Alleine 42 neue Bergsteiger und Wanderfreunde kamen 2012 hinzu, die Mitgliederzahl ist – Austritte miteingerechnet – von 111 im Jahr 2009 auf nunmehr 148 gestiegen. Auch die Geschäftszahlen des vergangenen Jahres weisen einen positiven Trend auf, das gesamte Vereinsvermögen konnte auf mehr als 478 Millionen Pesos gesteigert werden. Eine beeindruckende Zahl: Knapp 1.000 Personen nahmen an den Berg- und Wandertouren, den Diavorträgen und sozialen Aktivitäten des Vereins im vergangenen Jahr teil. Einer besonderen Beliebtheit erfreuen sich die Kletterwände im Garten des Vereinssitzes.

Neben der teilweisen Erneuerung von Vorstandsposten durch Wahlen standen auch Ehrungen auf dem Programm der Jahresversammlung. Hervorzuheben sind Pablo Besser, der für seine Expedition durch das patagonische Inlandseisfeld die Auszeichnung «Eispickel in Silber» erhielt, sowie Andrés Zegers, der für seine Besteigung des Aconcaguas über die Südwand mit dem «Eispickel in Gold» geehrt wurde.

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