Unermüdliche Proben mit Qualen und Lachkrämpfen

4114_p7Es ist 10 Uhr morgens und die Mitwirkenden des diesjährigen Theaterstücks «Ingeborg» – eine Komödie von Curt Goetz – trudeln ein. Die Sonne steht schon hoch, wir schützen uns mit Sonnenbrille, Hut und Sonnencreme, die Souffleuse kauert sich unter den schattenspendenden Mandelbaum. Zuerst werden die notdürftigen Proberequisiten aufgestellt: Campingtisch, Teeservice, eine Bank, zwei Stühle. Jeder greift noch mal zu seinem Textbuch und los geht’s.
Der Regisseur nimmt uns ran, wir sind noch nicht ganz textsicher. Aber die Auf- und Abgänge, wann wer wo sitzt oder steht, das klappt schon. Gott sei Dank haben wir den Text ganz gut drauf und Manfred kann mit uns ins Detail gehen. Wie bewegen wir uns, welche Mimik soll gezeigt werden? Wir versuchen uns ganz in die jeweilige Rolle hineinzuversetzen. Das ist so schön beim Theater, man kann plötzlich jemand ganz anderes sein.
Einige Szenen verursachen bei mir Lachkrämpfe: Wie nah soll ich dem Herrn Peter kommen? Der Regisseur macht es vor: je näher desto besser. Doch immer wieder klappt es nicht. Gerd bleibt ganz ruhig, versetzt sich in den flammenden Liebhaber und ich in die kokettierende Ingeborg. Birgitt lacht, Kinder, traut euch doch, noch näher ran, ja, so ist es gut und zack, ein Foto steht.
Uschi übt immer wieder die dominante Tante und Manfred geht in die Feinheiten. Endlich, jetzt sitzt es. Manfred spielt auch mit und quält sich noch etwas mit dem Text. Beim Spielen lernt er ihn, so nebenbei, das ist genial! Na, wer schon so viel Theatererfahrung hat.
Angelika hilft mit dem Text nach, hat Ideen, die sich mit denen von Manfred gut ergänzen, immer wieder kleine Veränderungen und wir wiederholen gewisse Stellen unermüdlich. Aber es macht einfach Spaß. Ein Spiel unter Freunden. Matthias platzt als Herr Konjunktiv ständig rein ins Geschehen und spielt eine Schlüsselrolle, genauso die Tante.
Wir werden müde nach fast drei Stunden Proben, hoch geht’s in Fannys Haus zum schon vorbereiteten Mittagessen auf der Terrasse mit Traumblick auf die Kordilleren. Nach dem Essen heißt es mit Viviana aus dem großen Kostümrepertoire die Kostüme raussuchen. Hier muss ein Kleid ummodelliert werden, dort ein Anzug angepasst werden. Sie hat genug zu tun, packt die Arbeit ins Auto und bringt zum kommenden Wochenende alles fertig mit.
Nach dem Essen Siesta, die meisten lagern auf dem herrlichen Rasen. Der Regisseur verkriecht sich in sein Auto im Schatten unter einem Baum im Vorhof. Ich suche noch diverse Requisiten raus und schon ist es wieder drei Uhr nachmittags und es geht auf die Bühne. Die Hitze ist nun noch drückender, wir trinken literweise Wasser, sind konfus im Text und lachen uns kaputt bei einigen Freud´schen Fehlleistungen. Aber die Laune ist bestens. Wir kommen voran und halten uns diesmal wirklich an das Motto von Curt Goetz: «Die einzigen Dinge, über die es sich lohnt ernsthaft zu sprechen, sind lustige Dinge.»

Christiane Siemens

 

Termine
Das Theater auf dem Berg (Camino Farellones 18.550, km 4, Hacienda las Varas) spielt in diesem Jahr eine pikante Komödie von Curt Goetz namens «Ingeborg». Es geht um erste Liebe, Fantasien und Illusionen. Wir führen auf am 29. und 30. November, am 6., 7. und 8. sowie 13. Dezember jeweils um 20 Uhr. Die Aufführungen am ersten Wochenende werden probeweise mit Untertiteln stattfinden. Wir bitten unsere Gäste, sich reichlich mit warmen Sachen zu versehen und freuen uns auf Ihren Besuch. Es stehen Toiletten zur Verfügung.
Die Einnahmen kommen den SOS Kinderdörfern Chile zugute: Erwachsene 7.000 und Studenten 3.000 Pesos; Karten an der Abendkasse.

Print Friendly, PDF & Email

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*