Tragödie gab Anlass für Schülerversicherung

Ehemalige Schüler der Deutschen Schule Santiago gedachten am Freitag vergangener Woche den Todesopfern eines schweren Busunglücks vor 40 Jahren. Die Tragödie veranlasste die Deutsche Klinik Santiago damals, eine Schülerversicherung für alle Pennäler einzuführen.

4109_p1_2

Eine Klassenfahrt gehört sicherlich zu den schönsten Erinnerungen, die man später als Erwachsener von seiner Schulzeit einmal haben kann. Doch für eine Gruppe von ehemaligen Schülern der DS Santiago verbindet der Gedanke an den Ausflug nach San Pedro de Atacama im Jahr 1974 vor allem zwei Dinge: Dankbarkeit, dass sie den schlimmen Busunfall überlebt haben; und Trauer um die drei dabei umgekommenen Mitschüler.
Der Bus mit den 35 Reisenden der 3. Mittelstufe befand sich am 10. Oktober 1974 auf der Rückfahrt aus Nordchile und näherte sich frühmorgens auf der Autobahn Ruta 5 Norte der Stadt Vallenar. Um 6.50 Uhr passierte es dann: Der Fahrer schlief ein und sackte über dem Lenkrad zusammen. Der Bus kam von der Fahrspur ab und stürzte bei der Huasco-Brücke 30 Meter tief in eine Schlucht, wobei er sich mehrmals überschlug. Drei junge Menschen – Jan Hashagen, Ricardo Gelinek und Hans-Peter Rauh – starben, 24 Schüler erlitten schwere Verletzungen, auch der Busfahrer selbst erlag seinen Verwundungen.
«Jedes Jahr am 10. Oktober erinnern wir uns gemeinsam an dieses grauenvolle Ereignis», erklärt Ricardo Kirsten gegenüber dem Cóndor. Er und weitere Mitschüler trafen sich am Freitag vergangener Woche, um in der Benediktiner-Kirche in Santiago zu diesem Anlass an einem Gottesdienst teilzunehmen. Auch die chilenische Tageszeitung El Mercurio berichtete an diesem Mittwoch über die Trauerveranstaltung.
Doch der damaligen Tragödie folgte noch ein zweiter Schock. Ricardo Kirsten: «Es stellte sich heraus, dass die ausgestellte Versicherung vom Reisebüro nicht echt war. Wir mussten die Behandlungskosten selbst bezahlen.» Ganze vier Monate lang lag Ricardo Kirsten wegen eines Oberschenkelhalsbruchs und weiterer Verletzungen im Krankenhaus. «Die Deutsche Klinik Santiago sagte schließlich: „Das darf nicht sein!“ und initiierte eine Schülerversicherung, die es damals in Chile in dieser Form noch nicht gab.»
Zahlreiche Bildungseinrichtungen schlossen sich diesem Beispiel an. Heutzutage ist es üblich, dass die Schulen in Kooperation mit Hospitälern ihre Pennäler während des Unterrichts, schulischer Veranstaltungen und auf dem Hin- und Rückweg zu diesen versichern.
Doch nicht nur auf Landesebene hatte dieser Unfall weitreichende Folgen. Der damalige Direktor der Deutschen Schule Santiago H. E. Fischers-Worring hob die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung von Vallenar hervor, die bei der Rettung der Opfer tatkräftig mitwirkte. Die Helfer hätten sich in Mitleid und Solidarität selbst übertroffen. Dieses Engagement sowie der Unfall sollte zehn der überlebenden Schüler von damals ganz besonders prägen: Sie schlugen die medizinische Laufbahn ein und sind heute Ärzte.

Arne Dettmann

Print Friendly, PDF & Email

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*