Theater auf dem Berg inszeniert Shakespeares «Macbeth»

Cóndor-Gespräch mit Mónica Kunstmann

Mónica Kunstmann: Beim 60. Bühnenjubiläum Theater auf dem Berg zum ersten Mal mit dabei. Foto: Walter Krumbach
Mónica Kunstmann: Beim 60. Bühnenjubiläum zum ersten Mal mit dabei. Foto: Walter Krumbach

 

Es ist das erste Mal, dass über die Freilichtbühne der Familie von Kiesling ein Werk von William Shakespeare gehen wird.

Von Walter Krumbach

Bisher inszenierte das Theater auf dem Berg nämlich nur Erzeugnisse der deutschsprachigen Literatur (Agatha Christies «Mausefalle» einmal ausgenommen). Die langjährige Tradition bricht nun «Macbeth», eine Tragödie, in der es um Tyrannenmacht, unbeherrschten Ehrgeiz, Aberglauben und höllische Angst geht. Das 1606 uraufgeführte Stück hat unzählige Schöpfer anderer Kunstgattungen angeregt, themenverwandten Werken Gestalt zu geben. Verfilmt wurde es bisher um die zehn Mal, und in der Musikgeschichte der vergangenen vier Jahrhunderte finden sich um die 20 Opern, Tondichtungen und Schauspielmusiken zum Thema.  

Zum ersten Mal mit von der Partie auf dem Amphitheater ist Mónica Kunstmann, eine Nichte des langjährigen Theaterleiters Peter von Kiesling, die bereits als Schülerin der DS Valdivia von sich reden machte, als sie in «Unsere kleine Stadt» von Thornton Wilder, damals ein hochmodern anmutendes Stück, den Spielleiter verkörperte. Mónica lebt in Valdivia und reist der Kunst zuliebe einmal pro Woche zur Probe nach Santiago.

«Es sind jetzt 60 Jahre her, dass meine Großmutter, Elfi von Kiesling, das ‚Spiel unter Freunden‘ ins Leben gerufen hat», erinnert sie sich, «deswegen wollte ich dieses Mal im Andenken an sie mit dabei sein». Mónica Kunstmann spielt die erste Hexe. Es sind deren drei, die der Hauptfigur zu Beginn der Handlung prophezeien, dass er den Thron Schottlands besteigen würde. Die Weissagung erfüllt sich, weshalb Macbeth später wieder die unheimlichen Schwestern aufsucht, um ihrem Orakel zu horchen.

«Macbeth» ist mit seinen fünf Akten, dem komplexen Aufbau und den endlosen Texten sicher keine leichte Kost für ein Laientheater. Wie geht man damit um? «Christiane von Kiesling fand, dass es mal an der Zeit war, Shakespeare zu machen. Sie hat sich eben einfach getraut», meint Mónica Kunstmann. «Die Auswahl des Stücks hängt damit zusammen, was für Schauspieler zur Verfügung stehen. Es gibt Werke, bei denen sehr viele Figuren mitwirken, was für eine beschränkte Gruppe, wie wir es sind, nicht machbar ist». Beim Theater auf dem Berg sind in diesem Jahr 17 Personen mit dabei, wenn man die Licht- und Tontechnik, die Maske und die Kostümfrau hinzuzählt.

Christiane von Kiesling (Lady Macbeth) und Manfred Bräuchle (Macbeth) führen Regie, das Werk wird ohne Pause straff durchgezogen. Die erste Hexe «ist vom Text her keine anspruchsvolle Rolle – ich muss keine langen Monologe auswendig lernen –, und außerdem wollte ich einmal den Spaß haben, mich in eine Hexe hineinzuversetzen, was uns Frauen, wie es heißt, nicht besonders schwer fallen soll», lacht Mónica. «Man kann aus dem Text einiges herausspielen. Außerdem muss man bei diesen Figuren auch die Stimme verstellen können.»

Die Produktion hat sich, «so gut wie es geht» für eine epochengerechte Inszenierung entschieden. «Allerdings hat Christiane nicht die Schlegel-Tieck-Übersetzung verwendet, sondern eine aus den 1950er Jahren. Bei dieser ist das klassische Versmaß nicht so streng», erläutert Mónica, «was Laienspielern die Arbeit erleichtert». Einiges wurde zudem gestrichen, «aber es sind trotzdem noch etwa zwei Stunden insgesamt, die wir ohne Pause durchspielen. Eine Unterbrechung wäre ganz falsch, denn sie würde die Spannung auflockern».

Parallel zum Bühnengeschehen spielt sich auf der Freilichtbühne ein Naturereignis ab: Die Sonne geht über Santiago unter, die Stadt wird von Straßenlampen, Fahrzeugen und Ampeln immer mehr erleuchtet, während das Theater von schwärzester Nacht umgeben ist. Ein außerordentliches Erlebnis, das viele Theaterfreude jedes Jahr aufs Neue veranlasst, einer Aufführung beizuwohnen.

Premiere ist am 24. November um 20 Uhr, die Eintrittsgelder werden Wohltätigkeitszwecken zugutekommen. Näheres über Aufführungstermine bei www.theateraufdemberg.cl.         

Print Friendly, PDF & Email

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*