Tempelburg am Kap Arkona gibt neue Geheimnisse preis

Sie war ein zentrales Heiligtum der Slawen an der Ostseeküste. Im Jahr 1168 wurde die Tempelburg am Kap Arkona von den Dänen zerstört. Neue Befunde belegen, dass die Wikinger die Burg bereits 100 Jahre früher gestürmt hatten.

Kap Arkona (dpa) – Bereits vor der gewaltsamen Eroberung der Tempelburg am Kap Arkona im Jahr 1168 durch die Dänen gab es blutige Auseinandersetzungen um die als Kultstätte der Slawen errichtete Anlage an der Nordküste Rügens. In der aktuellen Grabungskampagne haben Archäologen eine Wikinger-Streitaxt und rund 50 benutzte Pfeilspitzen aus Eisen im Brandschutt zweier Häuser gefunden. «Die Fundstücke wurden in einer Schicht entdeckt, die auf Mitte des 11. Jahrhunderts zu datieren und damit rund 100 Jahre älter ist als die Eroberung der Burg durch die Dänen», sagt Grabungsleiter Fred Ruchhöft.

Dass die Gegenstände friedlich – also per Handel – nach Rügen kamen, schließen die Archäologen aufgrund der Nutzspuren an den Pfeilen und der Kriegsaxt und des Fundortes aus. Ein Teil der Pfeilspitzen war verbogen, die Wikinger-Kriegsaxt hatte Nutzspuren.

Die Tempelburg, in der zwischen dem 6. und 12. Jahrhundert die Slawen dem Gott Swantevit huldigten, sei ein kulturhistorisches und archäologisches Denkmal europäischen Ranges, wie Ruchhöft sagt. «Die Arkona-Burg war wichtigstes und auch letztes Heiligtum der westlichen Slawen.»

Die heute mit Gras überwachsene Anlage steht in 43 Metern Höhe direkt an der Kliffkante von Rügens Steilküste, die sich aufgrund von Abbrüchen über die vergangenen Jahrhunderte Stück für Stück verschoben hat. Seit September 2012 werden in einer Notgrabung die kliffnahen und vom Absturz bedrohten Bereiche der Anlage systematisch abgesucht.

«Die gefundene Streitaxt und Pfeilspitze zeigen, dass es vor dem Überfall der Dänen im Jahr 1168 zumindest einen Eroberungsversuch mit erheblicher Zerstörung gegeben haben muss», sagt Ruchhöft. Es sei davon auszugehen, dass bei dem Übergriff die gesamte Anlage zerstört wurde. Was den Forschern bislang Rätsel aufgibt: Der Überfall ist in den historischen Quellen aus Skandinavien nicht erwähnt.

Sie vermuten daher, dass es sich um eine damals als eher belanglos eingeschätzte Auseinandersetzung in einer von Kriegen gezeichneten Zeit gehandelt haben muss. Die Archäologen glauben, dass die Wikinger sich entweder auf Beutezug an der Küste Rügens befunden hatten oder aus reinem Machtinteresse die Slawenburg überfielen.

«Anders als 100 Jahre später spielten religiöse Motive für den Überfall der Wikinger offenbar keine Rolle», sagte der Historiker. Mit dem Angriff der Dänen auf die Slawenburg im Jahr 1168 fiel die letzte Bastion des Heidentums im westlichen Ostseeraum. Die Dänen, denen Arkona als «schauriger Hort der Abgötterei» galt, brachten das Christentum nach Rügen.
Auf der Grabungsfläche von insgesamt rund 1.000 Quadratmetern entdeckte das Team Siedlungsreste wie Knochen und Scherben, einen bronzenen Reitersporn und die Knaufstange eines Schwertes aus dem 9. Jahrhundert sowie eine Wikinger-Bronzefibel aus dem 8. Jahrhundert.

Die Archäologen stießen auch auf einen nahezu unzerstörten steinzeitlichen Siedlungsplatz und sicherten rund zwei Zentner Feuersteinartefakte, darunter Dolche, Schaber und Beile. Die Funde stammen aus der angehenden Jungsteinzeit rund 2.200 Jahre vor Christus. Sie seien Beleg dafür, dass der später den Slawen heilige Ort bereits vor 4.000 Jahren zeitweilig als Siedlungsplatz genutzt wurde.

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