Stolzes Jubiläum der Dritten Feuerwehrkompanie „Germania“ zu Temuco

Die Dritte Feuerkompanie „Germania“ zu Temuco feiert am 25. Juni ihr 120. Bestehen. Bis heute folgt sie treu und erfolgreich ihrem deutschen Traditionsspruch „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“.

Von Dietrich Angerstein

Die öffentliche Sicherheit auf Gemeinschaftsbasis ist die Grundlage eines jeden Gemeinwesens und die Kernaufaugabe des Bürgers. Das mögen die ersten 16 deutschen Siedler gedacht haben, als sie nur vier Jahre nach ihrer Ankunft am Ende der damals gerade eröffneten südlichen Verkehrswege durch ein neues Land an die Gründung einer Feuerwehrkompanie gedacht haben und dafür sogar den Traditions-Leitspruch der deutschen Feuerwehren wählten: „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“.

Schon zuvor hatten einmal die Väter der gerade gegründeten Stadt die Absicht verfolgt, eine Feuerwehr in Temuco zu gründen, bildete doch die einzig verwendete Holzbauweise geradezu eine Herausforderung an die allgegenwärtige Macht des Feuers, eine Absicht, die leider nicht mit  Erfolg gesegnet war. Es mussten die ersten deutschen Siedler sein, die dann das Thema wiederaufnahmen: Sie wurden zum Schirmherren der Sicherheit.


Stolz sehen wir hier die Angehörigen der 3. Kompanie. Sie begeht am 25. Juni ihr 120. Jubiläum, wirklich ein Grund zum Feiern. Im Gegensatz zu anderen Institutionen klagt die Feuerwehr nicht über ein Fehlen von  Nachwuchs, offenbar sehen viele Jugendliche noch immer in der Feuerwehr die ersten Helfer im Notfall.

Nun ist es ja nicht nur mit der Gründung einer Feuerwehr getan, auch Geräte und Material mussten beschafft werden. Die dafür notwendigen Mittel konnten bald bereitgestellt werden, was beinahe ausschließlich von den Siedlern selbst geschah. Und so war die Freude groß, als schon im Jahre 1900 die erste handbediente Feuerspritze aus Deutschland eintraf. Nun konnte man mit Energie dem Feuer ins Auge schauen.

Noch grösser war die Freude am Tage des Eintreffens der ersten Dampf-Feuerpumpe. Endlich, im Jahre 1907 stand am Schlauch der Druck bereit, der es erlaubte, mit voller Kraft dem „Roten Hahn“ zu begegnen. Viele Jahre später, als schon Hochleistungspumpen der neuen Fahrzeuge bereitstanden, gelangte es der alten Temucaner Mannschaft sowohl die Handspritze als auch die Dampfpumpe der Nachwelt als Museumsstücke zu erhalten. Sie stehen heute im Gerätehaus der Feuerwache und können bei ganz besonderen Anlässen sogar in Betrieb genommen werden.


Das im regulären Einsatz nicht mehr verwendete Fahrzeug mit der Bezeichnung R301 dient heute nach vielen aktiven Dienstjahren der Ausbildung der jugendlichen Nachwuchs-Floriansjünger, obwohl wir dieses Mal  hinter der Scheibe Feuerwehrmänner der alten Generation erblicken.

Der demografische Wandel der letzten Jahrzehnte, das Auftreten neuer technischer Gefahren, die massive Motorisierung des Verkehrs hat die Fachleute der letzten Jahre zunehmend beschäftigt, eine Dienstleistung, die heute als „nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr“ bezeichnet wird. Dafür stehen die Feuerwehren an empfindlicher Stelle. Ein wichtiger Schritt dabei ist die Bildung der Jugendgruppen, die seit Jahren von beinahe allen deutschen Feuerwehren des Landes mit Nachdruck betrieben wird. In Temuco war es Direktor Alfred Grimm, der sich diesem Thema seit 1962 mit voller Kraft widmete. Heute lernen die Jugendlichen beider Geschlechter nicht nur, was sie später einmal, wenn sie das vorgeschriebene Alter erreicht haben, zum Wissen eines ausgebildeten Feuerwehrmannes oder -frau benötigen, sondern wie sie auch zuhause oder in der Schule auf Sicherheit und Brandschutz achten können. Dafür steht der Jugendgruppe in Temuco ein Mercedes Benz-Fahrzeug zu Verfügung, das unter der Bezeichnung 301 ausschließlich der Ausbildung dient. Das beste Gedankengut finden unsere jungen Männer und Frauen dabei in virtuellen und praktischen Ausbildungsstunden.

Wer Temuco kennt, ist sicher schon einmal am Wachgebäude der 3. Kompanie „Germania“ in der Calle Prieto vorbeigekommen. Im Jahr 1953 vom stadtbekannten Architekten und Mitglied der 3. Kompanie Horst Baumann erbaut, stellt es heute ein Wahrzeichen der Stadt dar. In den letzten Jahren musste es mehrfach erweitert und umgebaut werden, um den Anforderungen der neuen Zeit gerecht zu werden.

Ein solches Wachgebäude soll ja nicht nur der Verwaltung Platz, sondern auch Raum für praktische Lehrgänge bieten, deren Besuch regelmäßig den „Floriansjüngern“ aus Temuco auferlegt ist. Entsprechend eingerichtete Räume stehen zur Verfügung, ebenso wie die Schlafräume der Nachtwachen, die täglich besetzt werden, denn gerade über Nacht ist stetes Bereitsein Pflicht. Jeder Feuerwehrmann kommt einmal an die Reihe und aus Erfahrung weiß so mancher „alter Herr“ von den Einsätzen zu berichten, an denen er zu später Stunde teilzunehmen hatte.

Eigentlich ist der Name „Feuerwehr“ schon längst nicht mehr zutreffend für das, was eine Feuerwehr heute leisten muss. Die Zahl der Brände macht nur noch einen kleinen Anteil ihrer Dienstleistungen aus. Weitaus größer ist der Anteil der technischen Hilfeleistungen. Die 3. Deutsche Feuerwehrkompanie zu Temuco konnte schon frühzeitig auf ein Rettungsfahrzeug zählen, das für alle Fälle der technischen Dienstleistungen die notwendige Ausrüstung besaß und schon aus der Ferne durch seine zitronengelbe Farbe auffiel. Zwar wurde dieser „Erstling“ inzwischen durch ein Mercedes-Benz-Rettungsfahrzeug des Typs 1117 abgelöst. Doch durch seine erweiterte Ausstattung für Einsätze bei Fahrzeugunfällen konnte aber jetzt die Leistung der Temucaner Feuerwehrleute erheblich verbessert werden. Es ist leider heute eine traurige Realität, dass im ganzen Land die Zahl der Einsätze bei Verkehrunfällen die der Brände übersteigt.

In den letzten Jahren hat die 3. Feuerwehrkompanie zu Temuco noch weiteren Zuwachs erhalten. Zwei Mercedes-Benz-Fahrzeuge mit Aufbau der bekannten österreichischen Spezialfirma Rosenbauer haben Einzug in den Maschinenraum gefunden: eines für die Brandbekämpfung und eines für den Einsatz bei Bränden und Fahrzeugunfällen. Es ist also ein Sonderfahrzeug für gemischten Einsatz.


Anlässlich des Jahrestages der deutsch-chilenischen Feuerwehren in Temuco zeigte die 3. Kompanie ihre Fahrzeuge. Das Fahrzeug mit der Bezeichnung RX-3 kommt nur in Rettungsfällen und bei technischen Hilfeleistungen zum Einsatz.

Menschen, Länder, Ideen: Wo Feuerwehrleute zusammen kommen, werden Einsätze analysiert, Technik begutachtet und neue Ideen geboren. Naturkatastrophen, Verkehrsunfälle, Gasexplosionen bis hin zum verängstigten Hund, der in Unkenntnis moderner Gefahren um Hilfe winselt, sie alle gehören zum täglichen Brot unserer Feuerwehren. Voller Stolz kann die 3. Freiwillige Feuerwehrkompanie in Temuco auf 120 Jahre erfolgreiche Arbeit für die öffentliche Sicherheit blicken.

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