Sportlehrer auf der Zielgerade

Seit 43 Jahren arbeitet Michael Köbrich als Sportlehrer an der Deutschen Schule Santiago. Heute ist er an der Abteilung Las Condes tätig, nachdem er die Schulen in Ñuñoa, Antonio Varas und – die meiste Zeit – Vitacura betreut hat. Nun steht der erfolgreiche und allgemein beliebte Pädagoge kurz vor seiner Pensionierung. Aus diesem Anlass sprach der Cóndor mit ihm.

 

Die Ex-Schüler M. Koch, G. Laissle, der Sportlehrer Michael Köbrich, sowie C.M. Schulz, A. Stoehrel, P: Schulz und unten im Foto C. de la Maza.
Die Ex-Schüler M. Koch, G. Laissle, der Sportlehrer Michael Köbrich, sowie C.M. Schulz, A. Stoehrel, P: Schulz und unten im Foto C. de la Maza.

Cóndor: Du nimmst zum letzten Mal am Sportwettkampf Karsten Brodersen teil. Was bedeutet das für Dich?
Michael Köbrich: Viel Nostalgie und Erinnerungen an die vielen Wettkämpfe, die an den verschiedensten Schulen stattgefunden haben und bei denen ich dabei sein konnte. Ich erinnere mich auch gerne an den ersten Wettkampf Deutscher Schulen im Jahre 1968 auf der alten Aschenbahn des Club Manquehue, wo ich als Richter dabei war.

Wie hast du dich daran beteiligt?
Meistens als Trainer, ein paar Mal so wie jetzt als Veranstalter, da so eine Durch-führung mit viel Aufwand und Vorbereitungen verbunden ist.

Was hat sich in den vergangenen 35 Jahren im Sportunterricht verändert? Was ist dir dabei aufgefallen?
Ohne Zweifel vieles: die Umwelt und alles in ihr hat sich in dieser langen Zeit sehr verändert. Heute sind die Schüler spontaner, aufgeschlossener, lockerer, aber auch manchmal zerstreuter, eigenwilliger, kompromisslos, verwöhnt und unreif. Früher waren die Möglichkeiten an der Schule begrenzt. Es wurde geturnt oder Leichtathletik gemacht. Spiele in der Gruppe waren Mangelware. Heute sieht das ganz anders aus und die Spielsportarten wie Basketball, Volleyball, Fußball, und andere spielen eine wesentliche Rolle. In der Gruppe macht es mehr Spaß. Das bezieht sich auf Freizeitgestaltung und auch Sportunterricht. In vielen Dingen war es früher einfacher. Konflikte wurden leicht behoben, nicht alles musste schriftlich festgehalten werden. Ein Mann, ein Wort.

Wie steht es mit der Teilnahme der Schüler? Sind sie heute sportbegeisterter als früher?
Da habe ich keine genaue Statistik; das heutige vielseitige Angebot der Schule wird auch nach Belieben ausgewählt und die Nachfrage ist schon enorm. Die Teilnahme ist bewusster, doch die Verpflichtung hat seine Grenzen: Man engagiert sich schon, aber so, dass die persönliche Freiheit nicht zu sehr beschränkt wird. Früher fuhren am Wochenende die wenigsten außerhalb Santiagos. Heute sind es viele und da kommt der Wettkampf zu kurz. Der Wohlstand spielt schon eine Rolle.

Es heißt, immer mehr Kinder haben heute Übergewicht. Wie wirkt sich das auf den Sportunterricht aus?
Übergewicht hält sich bei uns in Grenzen. Es ist eher ein geringer Prozentsatz, der darunter leidet. Es wird auf Nahrung geachtet, obwohl der Konsum von Süßigkeiten und Getränken schon steigt. Das gewöhnliche Pausenbrot ist unpopulär, «uncool», aber unbedingt gesünder. Die meisten aus diesen Schulkreisen sind nachmittags sehr aktiv, machen Vereinsport und sind körperlich aktiv. Übergewicht ist noch kein Thema, obwohl man sich darüber für die Zukunft schon Gedanken machen sollte.

Du hast in dieser langen Zeit der Schule und den Schülern viel gegeben. Was hast du dafür erhalten?
Dass wir immer wieder auf Ehemalige treffen, die sich gerne an die gemeinsamen Schul- und Sporttätigkeiten mit uns Lehrern erinnern. Das man auf beliebige Hochzeiten von Ex-Schülern eingeladen wird, ist doch bestimmt nicht selbstverständlich. Es besteht ein Kontakt, der nie verloren geht und auch gepflegt wird. Ich denke mit Dankbarkeit und auch Zufriedenheit an die lange Zeit an der Schule. Schule bedeutet Menschen, und mit vielen habe ich Freundschaft geschlossen, die keine Grenzen hat, besonders mit einigen Kollegen in Deutschland. Die Zeit an der Schule prägt und gilt als unvergessliches Lebenskapitel.

Wann gehst du in Rente?
Wie geplant Ende des Jahres. 2015 beginnt mein Ruhestand, ohne bestimmte Pläne oder Verantwortungen. Ich bin einfach etwas müde, da ich schon mit 20 Jahren angefangen habe zu arbeiten. Jetzt ist Schluss und Ruhe sehr willkommen. Es gibt auch eine Zeit ohne Schule, und ich freue mich sehr darauf.

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Walter Krumbach

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