Sollte es täglichen Sportunterricht geben?

«Jugend debattiert in Südamerika» an der DS Osorno

Alle Teilnehmer des Debattier-Wettbewerbs der Deutschen Schulen
Alle Teilnehmer des Debattier-Wettbewerbs der Deutschen Schulen

 

Ob nun als Symposion in der Antike, politischen Diskursen im Fernsehen der Gegenwart oder schlicht in familiären Kreisen – Debatten sind allgegenwärtig präsent und fester Bestandteil unseres gesellschaftlichen Lebens geworden.

 

Von Margaux Grimmont und Veronika Schwarzmann
Kulturweit-Freiwillige an der DS Valdivia und DS Chillán

Über die Sinnhaftigkeit von Debatten lässt sich wohl kaum streiten. Seit es gesellschaftliche Zusammenschlüsse von Menschen gibt, existiert diese friedlich-verbale Diskussionsform, die die Auseinandersetzung mit vielfältigen Themen in einem rationalen Rahmen ermöglicht. Umso größer ist ihre Bedeutung für unsere heutige Gesellschaft. Als Sinnbild demokratischer Entwicklung und der friedlichen Auseinandersetzung mit sozialen, politischen und gesellschaftlichen Themen regt die Debatte als Medium politischer Kultur zur Auseinandersetzung mit gegenwärtigen Problemen an, schärft das Politikbewusstsein ihrer Bürger und fördert darüber hinaus die sprachliche Entwicklung der jeweiligen Debattanten.

Dass sich dieses Format hervorragend zur Jugendbildung ausformen lässt, führte dazu, dass 2002 «Jugend debattiert», 2005 «Jugend debattiert international» und 2016 «Jugend debattiert in Südamerika» ins Leben gerufen wurde.  

Diskutieren auf hohem Niveau: die Finalisten der Kategorie Muttersprachler
Diskutieren auf hohem Niveau: die Finalisten der Kategorie Muttersprachler

Dieses Jahr läutete in Chile zum mittlerweile fünften Mal das «Jugend-debattiert»-Glöckchen – Gastgeber war die Deutsche Schule in Osorno. In jeweils drei Debattierrunden gaben 34 Schüler aus insgesamt 12 Schulen aus ganz Chile ihr Bestes, um zwei Deutschlandstipendien oder die Teilnahme am Wettbewerb «Jugend debattiert in Südamerika» in Sao Paulo, Brasilien, zu gewinnen.

Die Veranstaltung begann mit einem herzlichem Empfang durch die Direktorin der DS Osorno, Natcha Galarce Godoy, und dem Deutschfachleiter, Roman Feltscher. Nach einem Mittagsessen im Club Alemán nahmen die Schüler an einem Vorbereitungsworkshop unter der Leitung von Lea Pehent, Kulturweitfreiwillige aus Santiago, und weiteren Kulturweitfreiwilligen teil. Damit nichts falsch läuft, diskutierten die Schüler in Probedebatten und wiederholten die Regeln und Abläufe dieses Debattier-Wettbewerbes.

Am nächsten Morgen begannen die Vorrunden. Hier sollte jeder Schüler in zwei 24- minütigen Debatten sein Können vor einer dreiköpfigen-Jury aus Lehrern der Deutschen Schulen Chiles unter Beweis stellen. Der Ablauf ist genau strukturiert und überall gleich, um Fairness des Wettbewerbs zu gewährleisten.

Auch ein Stadtrundgang in Osorno stand auf dem Programm
Auch ein Stadtrundgang in Osorno stand auf dem Programm

Jeweils 30 Minuten vor der Debatte bekommt jeder die Namen der drei Mitdebattanten genannt sowie ob sie für oder gegen die jeweilige Streitfrage argumentieren. Nach Ablauf einer Vorbereitungszeit werden sie in den Debattensaal geführt, in dem der Vorsitz der Jury Pro1 das Wort erteilt. Nun hat jeder Bewerber in der Eröffnungsrede zwei Minuten Zeit seinen Standpunkt zu erläutern und mit Argumenten zu belegen. Danach beginnt die zwölfminütige freie Aussprache, in der der eigentliche Diskurs erfolgt. Im Anschluss hat jeder Debattant eine Minute Zeit seine Meinung nochmals zusammenzufassen und das für ihn wichtigste Argument hervorzuheben.

Über die genaue Einhaltung der Redezeit wacht der Zeitwächter. Überzeugend muss ein Debattant in Kriterien wie Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft sein. Grammatikfehler sowie unkorrekte Formulierungen werden dahingegen nicht bewertet.

In diesem Jahr wurden in den Vorrunden die Themen «Sollte es täglichen Sportunterricht an Schulen geben?» und «Sollte die Anzahl der Pkw pro Privathaushalt auf ein Auto begrenzt werden?» diskutiert.

Am Abend wurden dann die Teilnehmer ausgerufen, die sich für das Finale qualifizierten. Abschließend wurde jedem Debattanten von Anna Hendrischk-Seewald, der Fachberaterin der Zentralstelle für Auslandsschulen in Chile, und Roman Feltscher eine Teilnehmerurkunde überreicht.

Freitagmorgen fand im Auditorium Baquedano der DS Osorno das Finale statt. Nun traten die letzten zwölf Teilnehmer zur Streitfrage an: «Soll die industrielle Massentierhaltung verboten werden?». Jedem Zuschauer wurde eine Abstimmungskarte mit Pro oder Contra auf den Sitz gelegt, mit dem sie im Anschluss an die Debatte ihre Meinung zum Thema sagen sollten.

In der Kategorie Muttersprachler konnte Violetta Carvajal-Heckele vom Colegio Alemán Carlos Anwandter in Valdivia die Jury überzeugen. Der zweite und dritte Platz gingen jeweils an Aaron Refisch und Lara Wuergler. In der Fremdsprachenkategorie werden Felipe Davis Reyes (DS Valdivia), Florencia Hemmelmann Hott (DS Osorno), Josefa Hidalgo Gudenschwager (DS Temuco) und Maria Teresa Salles (DS Valparaíso) Chile beim internationalen Wettbewerb «Jugend debattiert in Südamerika» in Sao Paulo vertreten. Anna Sofia Barrera Voeltz (DS Valdivia) und Sofia Zawels Rojas (DS La Serena) gewannen das vierwöchige Deutschlandstipendium des Pädagogischen Austauschdienstes (PAD) gefördert durch Mittel des Auswärtigen Amtes. 

Am Ende des Wettbewerbs lobten alle die tolle Atmosphäre und vor allem den fairen Umgang untereinander. «Dieser Wettbewerb ist eine der größten Herausforderungen, der ich mich bisher gestellt habe. Debattieren ist eine Kunst und bedeutet nicht nur die Sprache zu beherrschen, sondern auch Argumente überzeugend darzulegen. Ich ermutige auch zukünftige Generationen daran teilzunehmen – sie werden es nicht bereuen. Es gibt tolle Preise zu gewinnen und ich glaube, dass es zu schaffen ist», strahlte die Gewinnerin Sofia Barrera.

Anna Hendrischk-Seewald überreichte am Ende als Dank an die gastgebende Schule der Schulleiterin Natacha Galarce die Original Jugend-debattiert-Glocke und betonte in ihrer Abschlussrede den demokratischen Grundgedanken dieses international anerkannten Wettbewerbs.

Auch der Deutschfachleiter der DS Osorno, Roman Feltscher, freut sich über den gelungenen Wettbewerb: «Wir arbeiten seit Ende letzten Jahres mit dieser Organisation zusammen, unsere Erwartungen wurden voll erfüllt. Am besten ist, dass alle Teilnehmer ein beispielhaftes Verhalten an den Tag gelegt haben und zufrieden mit der Erfahrung sind.»

Nun heißt es Daumen drücken für Sao Paulo und warten auf nächstes Jahr, wenn das «Jugend-debattiert»-Glöckchen in Valdivia läuten wird.

 

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