«Sie sind Brücken zwischen den beiden Ländern»

Erst seit knapp zwei Monaten ist Rolf Schulze als deutscher Botschafter in Chile im Amt. Doch der Diplomat ließ es sich nicht nehmen, bei der Jahresversammlung des DCBs in Villarrica dabei zu sein.

Der deutsche Botschafter Rolf Schulze und René Focke, Vorsitzender des Deutsch-Chilenischen Bundes.
Der deutsche Botschafter Rolf Schulze und René Focke, Vorsitzender des Deutsch-Chilenischen Bundes.

Von Arne Dettmann

«Sie sind Brücken zwischen den beiden Ländern.» Mit diesen Worten begrüßte Rolf Schulze die 90 Gäste beim Gala-Abend im Park Lake Hotel am vergangenen Sonntag. Der deutsche Botschafter hatte die Einladung des Deutsch-Chilenischen Bundes angenommen und war zur traditionellen Medaillenvergabe am Villarrica-See erschienen. Und er äußerte sich ausgesprochen positiv gegenüber dieser Institution.
«Wenn es den DCB nicht seit 99 Jahren gäbe, dann müssten wir ihn heute erfinden.» Schulze betonte die speziellen und sehr engen Verbindungen zwischen Deutschland und Chile, wobei es seine Pflicht sei, diese zu vertiefen. Und er versprach: «Die Tür der deutschen Botschaft in Santiago steht stets für Sie offen.»
Bereits am Vortag hatte der Botschafter an der Jahresversammlung des DCBs im Kulturzentrum von Villarrica teilgenommen – seine erste Reise außerhalb Santiagos, wie der DCB-Vorsitzende René Focke bei dieser Gelegenheit erklärte. Schulze, der die vergangenen acht Jahre diplomatisch in Bangkok und Hanoi tätig gewesen war, bezeichnete Chile als Wahlstation, die seine Ehefrau und er ganz bewusst ausgesucht hätten. «Wir haben es nicht bereut.»
Der Botschafter ging dann auf das historisch bedeutsame Jahr 2015 ein: 70 Jahre Kriegsende, das Ende des Holocausts sowie 25 Jahre Wiedervereinigung. Der Tag der deutschen Einheit sei ein Datum, das einen Rückblick auf mutige Menschen erlaube, deren Freiheitswillen Diktaturen ins Wanken brachte. Für ihn selbst habe der 3. Oktober auch eine persönliche Bedeutung, da seine Mutter aus West- und der Vater aus Ostdeutschland stammen. «Für uns ging die Teilung nicht nur durch die Politik, sondern auch durch die Familie.»
Angesichts Hunderttausender Flüchtlinge, die derzeit nach Deutschland kommen, stelle sich nun aber wieder die Frage, ob Deutschland dieser neuen Herausforderung gewachsen ist. Der Mut und das Selbstvertrauen von damals würden gebraucht. «Das ist eine Herkules-Aufgabe. Und es gibt keine Lehrbücher, wie Lösungen aussehen.»
Asylsuchende aufzunehmen sei nicht nur ein Gebot der christlichen Nächstenliebe, sondern müsse auch ganz pragmatisch angegangen werden. «Wir können doch nicht sagen: „Liebe Flüchtlinge, sucht euch doch bitte ein anderes Ziel aus.“» Es sei unmöglich, so Rolf Schulze, einen großen Zaun um Deutschland zu ziehen. Da aber die Aufnahmefähigkeit nicht grenzenlos sei, müsse die Europäische Union zu einer besseren Lastenverteilung kommen. «Es geht nicht, dass einige EU-Länder bei der Geldvergabe ganz vorne anstehen, aber bei der Lastenverteilung zur Hintertür verschwinden.»
Viele Flüchtlinge kämen nach Deutschland, weil sie wüssten, dass die Bundesrepublik ein Rechtsstaat sei. Doch jede Medaille habe zwei Seiten. Die Gleichberechtigung der Frauen, Meinungsfreiheit sowie Unabhängigkeit der Gerichte müssten von Asylsuchenden angenommen werden. In diesem Zusammenhang begrüßte der deutsche Botschafter die Entscheidung der chilenischen Regierung, Flüchtlinge des syrischen Bürgerkriegs aufzunehmen.

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