Selbst im kleinsten Dorf gibt es einen

In Chile fehlt eine Vereinskultur, die eine Talentschmiede für den Profisport bildet.

 

Von Daniel Stöcker

 

Sowohl in Chile als auch in Deutschland ist Leuten, ob jung ob alt, längst klar: Sport ist kein Mord. Sport ist gesund, das scheint der Kern der Lebenseinstellung vieler Menschen zu sein. Bewegung ist gesund, gesund ist modern, modern ist gut.

Obwohl Chile fleißig an ersten Fahrradwegen und öffentlichen Outdoor-Fitnessgeräten arbeitet und der Lebensmittelmarkt den Fitness- und Light-Trend längst übernommen hat, ist Sport als Freizeitbeschäftigung weiterhin auf das Engagement des Einzelnen angewiesen. Sei es das Joggen durch den Park, Yoga nach dem Aufstehen oder das Fußballspielen mit Freunden. Organisation und eigene Disziplin sind notwendig, um die regelmäßige Partie «Futbolito» mit Freunden zu spielen.

Zwar gibt es ein paar freie Ligen, in denen Hobbymannschaften am Wochenende gegeneinander kicken und abhängig von der Gemeinde gibt es auch Jugendmannschaften (meist Fußball). Doch die gezielte, breite Förderung junger und alter Sportbegeisterter ist mangelhaft. Was fehlt ist eine Vereinskultur.

In Deutschland gibt es über 90.000 Sportvereine. Diese sind in der Regel gemeinnützig und von Ehrenamtlichen geleitet mit dem Ziel der Förderung sportbegeisterter Menschen. Daher bieten Vereine gegen einen meist geringen Jahresbeitrag die Nutzung eigener Plätze und Geräte an, die für das Ausüben der jeweiligen Sportart nötig sind und oft für den Einzelnen nicht erschwinglich oder nicht zugänglich sind. Eine Wochenstruktur mit festen Zeiten für Kurse oder Trainingseinheiten gibt den Mitgliedern die Möglichkeit regelmäßig teilzunehmen ohne jedes Mal Ort, Zeit und Teilnehmer selbst organisieren zu müssen.

Lokale Verbände wiederum organisieren die einzelnen Vereine in Wettbewerben, in denen sich die Mannschaften messen können. Allein im Jahr 2012 waren über 35 Prozent der deutschen Männer und fast 23 Prozent der deutschen Frauen Mitglieder eines Sportvereins.

Gerade für einen Mannschaftssport wie Fußball, den man nicht gut alleine im Hof ausüben kann, sind die vielen abertausende Vereine – selbst die kleinsten Dörfer in Deutschland haben einen – Talentschmieden für den Profisport. So werden Kinder und Jugendliche von klein auf gefördert und eben auch Talente entdeckt.

Als sich Fußballspieler Mesut Özil gegen die türkische und für die deutsche Nationalmannschaft entschied, schrieb der türkische Kolumnist Ercan Güven, dass dieser nun einmal die gesamte deutsche Sportausbildung durchlebt hat, während in der Türkei keine Nachwuchsförderung existiert und sein Talent verkümmert wäre. «Einige ‚Mesuts‘ müssen hier die Schafe hüten.»

 

 

Die deutsche Nationalmannschaft: Mensch, wo kommst du denn her?

 

Als der kleine Philipp mit sechs Jahren der Jugendmannschaft des Sportvereins FT Gern beitrat, war er eines von vielen Kindern, die nur eins wollten: Fußballspielen wie die Profis. Zu diesem Zeitpunkt konnte sich wahrscheinlich niemand vorstellen, wie die Karriere des kleinen, blonden Jungen weitergehen würde.

Heute ist eben jener Philipp Kapitän der Deutschen Fußballnationalmannschaft sowie Kapitän des FV Bayern München. In diesem Jahr gewann er die Champions League und bestritt sein 100. Länderspiel.

Philipp Lahm hat es geschafft. Und neben ihm auf dem Platz stehen zehn weitere junge Männer, die alle irgendwann bei irgendeinem kleinen Fußballverein angefangen haben. Nur wenige wie Torwart Manuel Neuer haben schon immer bei einem der großen Vereine gespielt. Neuer begann bei den Amateuren des FC Schalke 04, wo er später auch seinen ersten Profivertrag unterschrieb. Doch wo haben die anderen Nationalspieler ihre ersten Schritte mit dem Ball getan? Im Folgenden ein Überblick.

 

Ron-Robert Zieler (TW) – Hannover 96 – SCB Preußen Köln

Per Mertesacker (Ver) – FC Arsenal London – TSV Pattensen

Philipp Lahm (Ver und C) – FC Bayern München – FT Gern

Lukas Podolski (Mit) – FC Arsenal London – FC 07 Bergheim

Mesut Özil (Mit) – FC Arsenal London – Westfalia 04 Gelsenkirchen

Thomas Müller (Mit) – FC Bayern München – TSV Pähl

André Schürrle (Mit) – FC Chelsea – Ludwigshafener SC

Bastian Schweinsteiger (Mit) – FC Bayern München – FV Oberaudorf

Mario Gomez (S) – ACF Florenz – SV Unlingen

Miroslav Klose (S) – Lazio Rom – SG Blaubach-Diedelkopf

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