Scouts der Thomas Morus Schule besuchen das Estontenco Bundeslager in Deutschland

Chilenische Pfadfinder auf Deutschlandreise

Spiel, Spaß und Kultur: Die chilenischen Scouts der Thomas-Morus-Schule vor dem Brandenburger Tor in Berlin
Spiel, Spaß und Kultur: Die chilenischen Scouts der Thomas-Morus-Schule vor dem Brandenburger Tor in Berlin.

 

Alle vier Jahre findet in Deutschland ein großes Scout-Treffen statt, an dem Pfadfinder vom ganzen Land, aber auch ausländische Teilnehmer zusammenkommen. Dieses Mal durften 23 Scouts von der Thomas-Morus-Schule dabei sein.

 

Von Fernanda Neißkenwirth

Angefangen hat das Ganze rein durch Zufall, als 2015 Caroline Linw, eine deutsche Praktikantin an der Thomas-Morus-Schule, vorschlug einen Austausch zwischen ihrer Scout-Gruppe und der chilenischen zu machen. Nur ein paar Monate später kündigte Caroline dem chilenischen Scouts-Leiter an, dass ihre Gruppe die Flugtickets gekauft habe und im Oktober 2016 nach Chile kommen würde. So begann das Abenteuer.

Die deutschen Pfadfinder aus Reinbek hatten finanzielle Unterstützung vom Staat erhalten, verbunden mit der Auflage, dass die Chilenen auch einmal nach Deutschland reisen sollten.

María Ignacia Guiñez, die älteste Leiterin, erzählt, dass sie über Verlosungen das Geld für den Aufenthalt zusammen bekamen, aber den Flug musste jeder Einzelne zahlen. So entstand die Gruppe von 23 chilenische Scouts, im Alter von12 bis 24 Jahren, die später das Estontenco-Lager besuchen sollten, das wiederum vom Bund der Pfadfinder organisiert wurde. Dieses fand vom 26. Juli bis zum 4. August in Großzerlang, 110 Kilometer nördlich von Berlin statt.

Im Juli flog die chilenische Gruppe nach Reinbek. Dort blieb sie die erste Woche bei den Gastfamilien der Pfadfinder und machte täglich Ausflüge nach Hamburg und zur Nordsee.

Danach folgten sie der lokalen Tradition machten sich teilweise per Zug, aber meistens zu Fuß in Richtung Bundeslager Estontenco auf. In Zehnergruppen liefen sie fünf Tage lang 200 Kilometer, bis sie einen Tag vor Beginn des Zeltlagers, dem sogenannten Jamboree, am Ziel eintrafen.

Maria Ignacia erzählt, was es für eine Herausforderung bedeutete, Tage lang zu laufen. «So etwas machen in Chile nur die ältesten der Gruppe.» Ganz anders waren auch die Zelte der Deutschen. Sie bestanden aus einem dicken Stoff, sahen aus wie Militärzelte, waren sehr schwer und gar nicht wasserdicht.

Das durfte natürlich nicht fehlen: ein Besuch beim Chilehaus in Hamburg
Das durfte natürlich nicht fehlen: ein Besuch beim Chilehaus in Hamburg

Im Lager blieben sie zehn Tage, dort verbrachten sie die Zeit mit 5.000 anderen Menschen, die meisten aus Deutschland, es gab aber auch Gruppen aus Litauen, Nepal, China, Luxemburg und Polen. Aus Südamerika war auch eine kleine Gruppe Pfadfinder von Valdivia angereist, eine andere aus Ecuador.

Die Tage fingen mit einer Morgenrunde mit Spielen an. Danach hatten sie Zeit, Leute kennenzulernen und an den Aktivitäten wie Workshops teilzunehmen.

An einem Tag durften die internationalen Pfadfindergruppen einen Ausflug nach Berlin machen. Davon waren vor allem die Jüngsten begeistert. Alles, was sie bis dahin im Geschichtsunterricht über Deutschland gelernt hatten, war da zu sehen, unter anderem ein Rest der Mauer sowie den Checkpoint Charlie.

Die Leiter Matías, Maria Ignacia und der Gruppenführer Clemente Cortés sind sich einig, dass die Erfahrung unglaublich war, selbst wenn die deutschen Pfadfindersitten ganz anders als die chilenischen sind. Die Reise und die Zeit dort haben alle Erwartungen übertroffen. Glücklich sind sie auch über die enge Freundschaft, die sie mit den Scouts aus Reinbek geschlossen haben.

«Wir wissen, dass wir eine Geschwistergruppe in Deutschland haben, die uns immer willkommen heißen wird. Ich hoffe, dass unsere Pfadfindergruppe auch beim nächsten Bundeslager dabei ist», sagt Matías.

María Ignacia ist stolz auf die Leistung des Teams und erwähnt «Wir wissen, dass wir keine Grenzen mehr haben, dass wir uns mehr zutrauen und wir in der Lage sind, so eine Reise zu planen. Jetzt öffnet sich für die Gruppe die Möglichkeit so viel mehr zu sehen und zu machen.»

Sie sind auch den Eltern sehr dankbar, dass ihnen die Kinder anvertraut werden konnten. Für alle, die dabei waren, ist klar, dass die Gruppe noch nie so zusammengehalten hat, und diese Erfahrung werden sie nie vergessen.

Unterschiede zwischen den Scouts

Pfadfinder gibt es überall auf der Welt, aber das heißt nicht, dass sie in jedem Land gleich sind. Für die Chilenen war es spannend zu sehen, dass sie viel mehr tanzen und singen als die Deutschen, die anderen aber dafür aber am Lagerfeuer mit jeglichen Instrumenten Musik spielen, während man hier höchstens eine Gitarre dabei hat. Was auch anders ist, sind die Halstücher, denn in Deutschland gibt es nur eins fürs ganze Land und in Chile hat jede Gruppe ein eigenes Muster.

Was sind Scouts?

Der Leiter der Gruppe Clemente Cortés erklärt, dass die Scouts, wie der Name es schon sagt, eine Gruppe Menschen ist, die gemeinsam einen Weg für eine bessere Zukunft suchen. Sie ist hierarchisch und nach Altersstufen aufgeteilt, daher haben die Leiter die Aufgabe, den Jüngeren Mitgliedern zu helfen, deren physische, intellektuelle, emotionale, soziale und spirituelle Kapazitäten zu fördern.

Pfadfinder sind sehr aktiv, sie organisieren mehrere Lager und Ausflüge in der Natur, vor allem sind sie sehr umweltbewusst. Ihre Werte liegen im sozialen Bereich, sie setzten sich für eine friedvolle Zukunft ein, schätzen das Familienleben, pflegen Freundschaften, streben für Loyalität und engagieren sich für Menschen in Not. Die Teilnahme ist natürlich freiwillig, aber man erwartet dafür Selbstständigkeit und kompromissbereite Mitglieder, da pausenlos Teamwork verlangt wird.

Sie tragen ein graues Hemd mit einem Halstuch, dessen Farbe von der Gruppe abhängt (in Chile). Der englischen Gründer dieser Bewegung, Robert Baden-Powell, versprach im Jahr 1908 eine Verpflichtung gegenüber Gott, den Mitmenschen und sich selbst zu haben. Seitdem gibt es das Pfadfinderversprechen, was jeder Scout abgeben muss. In Santiago de Chile verfügt die Thomas-Morus-Schule über eine Scoutgruppe mit 120 Mitgliedern, die Deutsche Schule hat 100 und die Schweizer Schule 75 Scouts.

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