Schwere Zeiten, gute Projekte

Die Leitung des Deutsch-Chilenischen Bundes hatte sich für die diesjährige Jahreshauptversammlung ein neues Schema einfallen lassen. Statt der üblichen Ortsvertretervorträge, von denen nur einer gehalten wurde, kamen verschiedene Institutionen zu Wort, mit denen der Bund zusammenarbeitet und gemeinsame Ziele verfolgt.

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Die Vorsitzende Dr. Bettina von Dessauer begrüßte am 15. August, morgens um 9 Uhr, die Gäste und wies gleich eingangs auf die Schwierigkeiten hin, den DCB zu erhalten. Sie sprach ungeschminkt ihren Wunsch aus, im Jahr 2016 das 100. Jubiläum gebührend feiern zu können, ohne vorher schließen zu müssen. Das Image der Einrichtung sei in den letzten Jahren gewachsen, «aber die Mitgliederzahl nicht».

Geschäftsführer Christian Kroneberg gab anschließend seinen Jahresbericht ab. Nach einem kurzen geschichtlichen Umriss und einer Zusammenfassung des Organisationsschemas setzte er die Anwesenden von einer Umfrage in Kenntnis, die der DCB seinen Mitgliedern zukommen ließ. Hierbei erhielt er «interessante Ergebnisse», so zum Beispiel, an wie viel Veranstaltungen die Befragten in den vergangenen zwölf Monaten teilgenommen hatten, wie hoch der Zufriedenheitsgrad ist und welche Arten von Veranstaltungen in den Regionen erwartet werden.

Ferner ging es um Deutschunterricht, Märchenkreis, Jugendtreffen, Schüleraustausch und Sommerlager. Der Kulturbeauftragte Carlos Díaz berichtete von einem Abkommen, das mit den Berliner Philharmonikern getroffen wurde, welches am kommenden 9. November in Kraft tritt, wenn zum Jahrestag des Mauerfalls das weltberühmte Orchester Beethovens 9. Sinfonie aufführen wird. Der DCB wird dieses künstlerische Ereignis als Streaming-Livesendung empfangen und wiedergeben.

Schatzmeister Ricardo Steffens wies in seiner Ausführung darauf hin, dass am Ende des laufenden Jahres die Kasse einen Negativbestand von circa 15 Millionen Pesos aufweisen wird. Steffens führte die Notwendigkeit vor Augen, neue Einnahmequellen zu erschließen beziehungsweise die vorhandenen zu optimieren. Dr. Bettina von Dessauer fügte hinzu, dass künftig Mitglieder gefragt seien, «die Zugehörigkeitsgefühl zur Gemeinschaft haben». Sie erbat, die Mitgliedsbeiträge anzuheben, was von der Versammlung sogleich bewilligt wurde.

Javier Vernier referierte über die Zusammenarbeit mit den Ortsvertretern. 70 Prozent der DCB-Mitglieder leben in Santiago, das Potenzial in den Regionen sei jedoch groß. Der DCB müsse als nationales Projekt angefasst werden, wobei die gemeinsame Arbeit grundlegend und die Unterstützung dringend nötig sei.

Der Vorstand stellte das kürzlich ernannte Ethik-Komitee vor. Ihm gehören Reinhild von Thadden, Dr. Otto Dörr, Klaus Benkel, Jürgen Leibbrandt und Dr. Carlos Eggers an. Dr. Eggers hielt eine Ansprache, in der er betonte, das besagtes Komitee «eine Körperschaft der letzten Instanz» sei, worauf alle fünf Mitglieder das Amt annahmen.

Vier Vorstandsmitglieder – Dr. Bettina von Dessauer, Andrea Scheffelt, Marcelo Muñoz und René Focke –, die ihre Periode beendet hatten, stellten sich zur Wiederwahl. Sie taten ihr Interesse kund, Projekte, die sie ausgearbeitet und in Angriff genommen hatten, zu beenden. Die Begründung hatte sofort das Wohlwollen der Versammlung zur Folge, weshalb das Anliegen der Kandidaten sogleich durch Zuruf angenommen wurde.

Nach einer Kaffeepause kamen verschiedene Vertreter in- und ausländischer Einrichtungen zu Wort. Zunächst erläuterte Dr. Barbara May, Kultur- und Pressereferentin der Deutschen Botschaft, ihren Aufgabenbereich. Sie definierte die Gestaltung der deutschen Außenpolitik, fasste die Arbeit der Botschaften und Konsulate zusammen und beschrieb Schwerpunkte der Kulturarbeit, die im Inland durchgeführt wird.

Matthias Reinarz, Direktoriumsmitglied des Manquehue-Sportvereins, unterrichtete die Versammlung über die Geschichte, Prinzipien, Organisation und Verwaltung des Klubs: «Wir wünschen uns, von unseren Mitgliedern und ihren Familien als ihr zweites Heim anerkannt zu werden». Reinarz erläuterte, wie man Mitglied werden kann, referierte über die Zusammenarbeit des Manquehue mit dem DCB und berichtete von dem Sportzentrum-Projekt, welches sich bereits im Bau befindet.

Reinhild von Thadden, Vorsitzende des Deutsch-Chilenischen Frauenwerks, erläuterte den Werdegang dieser im Jahre 1960 gegründeten Institution, welche im kommenden Jahr ihr neues Heim an der Straße Las Hualtatas, auf dem Gelände des ehemaligen Kindergartens der Deutschen Schule Santiago, beziehen wird.

Peter Wessel informierte über die Geschichte und den Werdegang des Emil-Held-Archivs sowie über den Ausbau der vorhandenen Einrichtungen für ein besseres Dienstleistungsangebot. Unter den künftigen Aufgaben hob er die Anwendung einer neuen Software für die elektronische Datenbasis vor, welche eine einfache Nutzung durch Webbrowser ermöglicht und mit verschiedenen Formaten kompatibel ist.

Kurt Hellemann, Vorsitzender des LBIs, und Tanja Olbrich, die akademische Direktorin der gleichen Institution, referierten über die Entwicklung des Instituts in den vergangenen zwölf Monaten und die anstehenden Projekte, wie zum Beispiel die Zusammenarbeit mit anderen Hochschulen.

Arpe Caspary, Direktor des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, fasste die Entwicklung dieser Einrichtung zusammen, erklärte die Arbeit des DAADs in Chile und informierte über die verschiedenen Stipendienarten, die er vergibt.

Dr. Walter Eckel, Leiter des Heidelberg-Centers Lateinamerika, konzentrierte sein Referat auf die derzeitigen Aufgaben, die dieser verlängerte Arm der berühmten deutschen Universität in Angriff nimmt. Zurzeit laufen zwei Promotionsprogramme in Psychotherapie und Astronomie, vier Masterstudiengänge und fünf Forschungsanträge.

Verónica Reichert, Präsidentin der Sociedad Teuto-Chilena de Educación, sprach über ein «neues Bildungsmodell», welches für das derzeitig komplexe chilenische Erziehungssystem «motivierte und zweckentsprechend ausgebildete Lehrer» erfordert.

René Focke, Vorsitzender des «Cóndors», und Ralph Delaval, Direktor dieser Publikation, betonten in ihrem Bericht, wie die Zeitung sich derzeitig als Einigungsfaktor der deutsch-chilenischen Institutionen profiliert. So wird der Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Chilenischen Bund größte Wichtigkeit beigemessen. Wöchentlich könnte sich die Leserschaft in jeder Ausgabe über die Veranstaltungen und Projekte des DCBs informieren. Die Referenten sprachen den Hauptinserenten der Zeitung ihren Dank aus, da sie die Finanzierung der Zeitung ermöglichen.

Marlene Grollmus, Mitgliederbeauftragte der Deutsch-Chilenischen Industrie- und Handelskammer, fokussierte die Schwerpunktfelder der Camchal, so etwa die berufliche Aus- und Weiterbildung, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit, Technologietransfer und Nachhaltigkeit.

Max Berg und Jorge Tapia, Direktoren der Corporación Alemana Amigos de los Bomberos, richteten bei ihrem Vortrag das Augenmerk auf die Geschichte und die derzeitige Tätigkeit des Verbands der Deutsch-Chilenischen Feuerwehr. So wurde die Gruppe «Feurwehrfreunde» 2010 gegründet: «Sie fungiert als Netzwerk für die Unterstützung der im Verband organisierten Feuerwehren».

Die neue DCB-Ortsvertreterin in Concepción, Verena Hempel, welche kürzlich ihre langjährige Vorgängerin Rosmarie Rometsch im Amt ablöste, hielt das letzte Gastreferat. Sie erinnerte daran, dass 1916 der DCB von Christoph Martin in Concepción gegründet wurde. Im Folgenden berichtete sie von der Zusammenarbeit der verschiedenen deutsch-chilenischen Einrichtungen in der Hauptstadt der VIII. Region und der neuerlich aufgefrischten Zusammenarbeit mit dem Hauptsitz Santiago.

Dr. Bettina von Dessauer ergriff noch einmal das Wort, um die Aufgaben, die der DCB gegenwärtig bewältigt und jene, die in absehbarer Zukunft auf ihn zukommen, durchzugehen. Der Bund sei nun nicht mehr als «Dachverband», sondern als «Bindeglied» wahrzunehmen. Die Vorsitzende dankte noch einmal den Teilnehmern für ihr Interesse, Einsatz und Aufmerksamkeit, und lud sie ein, am anschließenden Mittagessen teilzunehmen.

Dieses erfolgte in ungezwungener Atmosphäre im Club Manquehue. Für den Nachmittag war eine Ruhepause eingeplant, um am Abend während der üblichen Gala vier Persönlichkeiten zu ehren. Lesen Sie dazu unseren Bericht auf Seite 10.

 

Walter Krumbach

Fotos: Walter Krumbach

Lesen Sie auf der nächsten Seite über die Ehrungen.

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