Plädoyer für «flexitarische Didaktik»

In diesem Studienjahr sind elf junge Frauen und ein Mann an den Start gegangen, um sich am LBI zu Grundschullehrern und/oder Erziehern für die deutschen Schulen und Kindergärten in Chile ausbilden zu lassen.

LBI-Leiter Alban Schraut
LBI-Leiter Alban Schraut

Wie gewohnt wurden die Studienanfänger in einer Feierstunde in herzlicher Atmosphäre im Deutschen Lehrerbildungsinstituts (LBI) Wilhelm von Humboldt begrüßt (siehe Cóndor Nr. 4127). Neben der Leitung des LBIs gaben ihnen viele weitere Gastredner ihre guten Wünsche und Tipps aus der eigenen Erfahrung mit auf den Weg.
Erstmalig gehörte der Rektor der Universität Talca, Dr. Alvaro Rojas, zu den Gastrednern der Studienanfangsfeier am 2. März. Er ging auf seine persönliche Verbindung zu Deutschland ein. Rojas hat seine Doktorarbeit in München geschrieben, und zwischen 2008 und 2010 war er Botschafter Chiles in Berlin. Im Januar diesen Jahres haben die Universität Talca und das LBI eine Kooperationsvereinbarung unterschrieben, die zum Ziel hat, einen Oberstufenstudiengang für Deutschlehrer und einen viersemestrigen Masterstudiengang Deutsch als Fremdsprache einzuführen.
Ebenfalls zum ersten Mal dabei war der neue Rektor der Deutschen Schule Santiago, Dr. Markus Stobrawe, der erst vor wenigen Wochen aus Hamburg in Santiago eingetroffen ist. «Das Wichtigste in unserem Beruf ist, dass wir es mit jungen Menschen zu tun haben, die wir als Lehrer liebevoll ins Leben einführen sollten. Deshalb sollten sich Lehrer immer auch als Person zeigen», riet er den zukünftigen Lehrerkräften und Erziehern.
LBI-Rektor Dr. Alban Schraut hatte eine Hora brevis vorbereitet, mit der er seine Zuhörer informieren und zum Nachdenken anregen wollte – diesmal zum Thema «Erziehung und Ernährung». Zum Einstieg überraschte er das Publikum mit einer kleinen schauspielerischen Einlage: Er kam völlig in Eile mit einem dicken Paket Fast Food in den Saal – keine Zeit zum Essen, Hetze von Besprechung zu Besprechung, zwischendurch noch schnell ein Skype-Gespräch. Was das mit Erziehung zu tun hat?
Auch die Vermittlung von Wissen brauche Zeiten der Verdauung, erklärte Schraut. Oftmals sei das Ziel der Bildung möglichst viele Kenntnisse in möglichst kurzer Zeit in die Schüler «hineinzuschaufeln». Er sprach von «bulimischem Lernen» und davon, dass Schule nicht zu einem Fütterungsprozess verkommen dürfe. Als Pausenbrot gäbe es denn eine Cola. Das geht schnell. Es gäbe jedoch Alternativen.
So seien bereits jetzt 24 Prozent der Deutschen Vegetarier oder Flexitarier (die nur wenig und ausgewähltes Fleisch essen). So plädierte Alban Schraut für «flexitarische Didaktik» und endete mit einem Zitat von dem Heiligen Ignatius von Loyola, der schon im 15. Jahrhundert vom Verkosten der Dinge von innen sprach.

Petra Wilken

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