Orchideen – schöne und aufwendige Betrüger

Raffinierter Pollenversand

 

Es ist für Samenpflanzen, die einen unverrückbaren Platz einnehmen, schwierig, eine Fremdbestäubung zu bewerkstelligen. Wie sollen sie sich mit einem Partner treffen? Sie müssen schon eine Art Briefträger engagieren.

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Die vor 360 Millionen Jahren in der Karbon-Zeit entstandenen Kiefern zum Beispiel vertrauen ihre Pollen dem Wind an. Gute Idee! Aber die Zielgenauigkeit ist mehr als dürftig. Über eine Million Kiefernpollenkörner sind nötig, damit ein einziges auf einer weiblichen Kiefernblüte landet.

Vor 130 Millionen Jahren, also in der Kreide-Zeit, gelingt den Pflanzen ein großartiger Fortschritt. Sie beauftragen ein neues Transportmittel für den Pollenversand: geflügelte Insekten, also Bienen, Hummeln, Falter.

Doch was musste da nicht alles an Vorkehrungen getroffen werden? Die Blüten sollen von Weitem sichtbar sein, ihr Duft muss anziehend wirken, als Belohnung halte man süßen Nektar bereit. Der Erfolg ist nicht ausgeblieben. Blütenpflanzen eroberten den Globus. Mit 235.000 Arten stellen sie heute die größte Pflanzengruppe dar.

Das frühe Vorhandensein der Orchideen wird durch den Fund eines fossilen Polliniums aus der Kreide-Zeit bezeugt (Mindestalter 80 Millionen Jahre). Es war in einem Bernsteintropfen eingeschlossen, welcher auf der Insel Haiti gefunden wurde (Meliorchis caribae). Die «Königin der Blumen» gibt es heute in 1.000 Gattungen mit etwa 30.000 Arten auf allen Kontinenten. Sie wachsen in gemäßigten Zonen auf der Erde (terrestrisch) und in den Tropen oder Subtropen epiphytisch. Man trifft sie bis in die Wipfel von Bäumen an, doch es sind keine Schmarotzer. Zu ihnen gehört als beliebter Geschmacksgeber die Vanille.

In China erwähnt Konfuzius (551-478 v. Chr.) ihren Duft. Er verwendet das Schriftzeichen «lán», was für Anmut, Liebe, Reinheit, Eleganz und Schönheit steht. Für die Azteken war die Orchidee eine heilige Blume. Sie gewannen aus ihr Meskalin. In Europa wies ihnen 1753 Carl von Linné einen Platz in der binären Nomenklatur zu. Sie untersteht durch das Washingtoner Übereinkommen dem Artenschutz.

 

Alois Schmidt

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