Neues Seniorenheim in Las Hualtatas

Ab 2015 wird in der Geschichte der deutschen Altenheime in Santiago ein neues Kapitel geschrieben: Die Seniorenheime des Deutsch-Chilenischen Frauenwerks in der Straße Manquehue Norte und der evangelisch-lutherischen Erlöserkirche «El Redentor» in Ricardo Lyon werden zusammen in einen Neubau in Las Hualtatas in Vitacura ziehen.

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Der Rohbau des neuen Gebäudes ist bereits fertiggestellt. Es befindet sich auf dem früheren Gelände des Kindergartens der Deutschen Schule in Las Hualtatas, fast gegenüber der Deutschen Botschaft. Ein fünfstöckiges Gebäude, in dem in einem Flügel ein Pflegeheim eingerichtet wird und im anderen Seniorenwohnungen und -zimmer mit Kitchenette für Bewohner, die sich selbst versorgen können.

Insgesamt werden in der «Residencia Las Hualtatas» 108 Zimmer und Wohnungen eingerichtet. In zwei Untergeschossen werden unter anderem 66 Parkplätze zur Verfügung stehen. Mit der Fertigstellung wird ab kommenden März gerechnet. Das neue Gebäude schließt – wie das derzeitige Heim des Frauenwerks – an das Gelände des Club Manquehue an. Auch in Las Hualtatas werden die Bewohner einen Zugang zum Club Manquehue bekommen und auf den Anlagen spazieren gehen können.

Für das Frauenwerk und das Altenheim der evangelisch-lutherischen Erlöserkirche in Providencia beginnt damit der Aufbruch in die Moderne. Die Installationen des Frauenwerks sind fast ein halbes Jahrhundert alt und benötigen viel Instandhaltung. Die Häuser des Altenheims in Ricardo Lyon sind sogar noch älter. Beide Heime beherbergen momentan jeweils zwischen 40 und 50 Bewohner.

Der Bau des neuen Heims wird gänzlich von einer Stiftung finanziert. Die Heimbewohner müssen nur die laufenden Kosten tragen, es sind keine zusätzlichen Belastungen entstanden, wie es zum Beispiel bei der Finanzierung durch Bankkredite der Fall gewesen wäre. Das Grundstück vom Kindergarten wurde vom Frauenwerk aus dem Erlös des Verkaufes ihres Heimes bezahlt.

Dennoch werden die Gebühren in der «Residencia Las Hualtatas» teurer werden, da die gesetzlichen Regelungen des Gesundheitsministeriums und andere Sicherheitsbestimmungen erfüllt werden müssen. Einigen dieser Auflagen unterlag das Frauenwerk bislang nicht, da es ein «condominio» war und die Bewohner selbstständig waren. Doch auch im Frauenwerk werden die Bewohner immer älter und tendenziell gibt es mehr Pflegebedarf.

Im neuen Heim wird ein Verwaltungsrat eingesetzt werden, in dem die Vorstände beider Einrichtungen vertreten sein werden, wobei das Frauenwerk die Mehrheit inne haben wird.

Auf dem derzeitigen Grundstück des Frauenwerks und dem Gelände der evangelisch-lutheranische Kirche San Pablo (Ecke Av. Manquehue Norte/Las Hualtatas) wird die Deutsche Klinik Vitacura später das Krankenhaus weiter ausbauen. Auch die Kirche San Pablo sieht sich nach einem neuen Standort um.

 

Petra Wilken

 

Deutsch-chilenisches Frauenwerk: Deutsches Ambiente weiter aufrecht erhalten

Santiago (pew) – Mit dem Bau des neuen Heims in Las Hualtatas schließt sich in gewisser Weise ein Kreis, denn 1960 hatte sich eine Gruppe von Frauen aus der Organisation des Evangelischen Frauenwerks gelöst, um ein Seniorenheim zu gründen. Das deutsch-chilenische Frauenwerk wurde als neuer überkonfessioneller, übernationaler und politisch unabhängiger Verein eingeschrieben. Er sollte aber unbedingt deutschsprachig sein. Die erste Präsidentin war Inge von Appen.

Die Familien von Appen und Stein übertrugen das Gelände an der Avenida Manquehue Norte in den Jahren 1961 und 1965 dem Deutsch-Chilenischen Frauenwerk als Spende. Bis 1969 wurden die ersten sechs Zimmer fertiggestellt, und bis 1971 wurde die Kapazität des Heimes auf 40 Bewohner erhöht. 1996 konnte mittels einer Erbschaft ein neues Wirtschaftsgebäude errichtet werden, in dessen zweiten Stock nochmals acht Wohnungen entstanden.

Die Idee des Frauenwerkes war, älteren Mitgliedern eine Wohnmöglichkeit zu bieten, wo sie im fortgeschrittenen Alter weiterhin selbständig leben und unabhängig in Gemeinschaft mit anderen Menschen betreut wohnen können. Voraussetzung ist eine Mitgliedschaft im Frauenwerk. Bis heute hat es das Frauenwerk geschafft, ein deutsches Ambiente zu erhalten. «So lange es geht, möchten wir die deutsche Sprache aufrecht erhalten», betont Reinhild von Thadden, Präsidentin des Frauenwerks, die sich zusammen mit acht weiteren Direktorinnen um alles Organisatorische für das neue Heim kümmert.

Im Gegensatz zum Altenheim in der Avenida Ricardo Lyon nimmt das Frauenwerk bislang keine Pflegefälle auf, da die Installationen nicht darauf ausgerichtet waren. Wer Pflege benötigt, kann sie privat organisieren. Die Tendenz zu mehr Pflegefällen ist – wie generell in der Gesellschaft – eine Realität, mit der auch das Frauenwerk umgehen muss. Das Durchschnittsalter wird Ende des Jahres bei 86,5 Jahren liegen: 15 Bewohner sind über 90 Jahre alt, 25 sind zwischen 80 und 90 Jahre und nur vier zwischen 70 und 80.

Viele der Bewohner leben schon lange im Heim des Frauenwerks und werden beim Umzug Gewohntes aufgeben müssen. So zum Beispiel die Atmosphäre der Häuser, die umgeben von Gärten so etwas wie Urlaubsgefühl inmitten des bewegten Stadtteils Vitacura vermitteln. Dafür bleiben sie aber in ihrem Umfeld und können auch weiterhin die Anlagen des Clubs Manquehue und die kulturellen Angebote des DCBs nutzen.

Reinhild von Thadden freut sich besonders darüber, dass die Veranstaltungen, die das Direktorium für die Bewohner organisiert, im neuen Heim mehr Platz finden werden: Literaturstunden, Handarbeitsnachmittag, Gymnastik, Tai Chi und vieles mehr.

 

 

Altenheim der Evangelisch-Lutherischen Erlöserkirche. Familiäre Atmosphäre

Santiago (pew) – Das Altenheim der Evangelisch-Lutherischen Erlöserkirche in der Straße Ricardo Lyon in Providencia ist 1962 von Pfarrer Friedrich Karle und Anneliese Wolf gegründet worden. Zunächst wurde ein Haus in Lyon gemietet, doch kurz darauf schenkte Martha Lange Heinze dem Heim ein Haus. Zwei anliegende Häuser wurden später von der Kirchengemeinde hinzugekauft, das vierte Haus wurde von der Familie Maige geschenkt. Heute besteht das Altenheim aus vier Häusern, die die Namen der vier Evangelisten tragen. 1976 wurde auf dem Gelände das «Friedrich-Karle-Pflegeheim» gebaut.

Auch in der Avenida Lyon ist das Durchschnittsalter heute höher. «Früher waren unsere Bewohner zwischen 70 und 90. Heute sind sie zwischen 80 und 103. Wir hatten mal drei Frauen, die über 100 Jahre alt waren», erzählt Sunke Becker, Vizepräsidentin des evangelischen Altenheims. Der Vorstand besteht aus acht Frauen, von denen sich viele seit Jahrzehnten ehrenamtlich in dem Seniorenheim engagieren und für eine familiäre Atmosphäre sorgen. Jeden Mittwochnachmittag kommen sie ins Heim, um mit den Bewohnern Gespräche zu führen und gemeinsame Aktivitäten zu organisieren wie zum Beispiel Geburtsfeiern.

Dabei ist der der Vorstand darum bemüht, deutsche Traditionen aufrecht zu erhalten. Doch konnte das Heim nicht immer nur deutschstämmige Bewohner aufnehmen, da es eine Zeitlang nicht genügend Nachfrage gab. «Hier wird mit viel Liebe Hausmannskost gekocht, am Sonntag oft Rotkohl.», erzählt Vorstandsmitglied Inge Cantzler. Zur Betreuung der 44 Bewohner, die Mehrzahl Pflegefälle, sind 36 Mitarbeiter und eine Krankenschwester angestellt. Der Vorstand hofft, dass das familiäre Ambiente auch nach dem Umzug in die Residencia Las Hualtatas aufrecht erhalten werden kann. «Wir haben hier ein Zimmer für die letzte Ruhe, und einmal monatlich Gottesdienst, auch katholischen», berichtet Ingrid Steen, Vorsitzende des Friedrich-Karle-Heims.

Auch das evangelische Heim wird nach dem Umzug nach Vitacura das Preisniveau nicht halten können. Für die derzeitigen Bewohner soll es Übergangsregelungen geben, die die Kirche aus dem Verkauf der alten Immobilie finanzieren will.

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One Comment

  1. Estimados señores
    Es posible tener mayor informacion sobre los servicios y espacios para el adulto mayor?

    Atenta sus respuestas, muchas gracias

    Paulina Borquez

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